Band 
Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
Seite
289
JPEG-Download
 

r»

Die Entwickelung der mechanischen Spinnerei. Die Baumwollspinnerei. 289

eines Borstechkammes v ihn festhalten, belvirkt eine auf dem Lcderbezug angepreßtekannelierte Walze V das Abreißen dieses Teiles, welcher durch zwei Walzen über einTnch ohne Ende den Abzngwalzen II und dem Gefäß 7 zugeführt wird. Durch einebesondere Vorrichtung legen sich die Enden der einzeln gekämmten Teile übereinanderund werden durch den darauf wirkenden Druck der Abzngwalzen vereinigt. Die in derKämmwalze hängen gebliebene kurze Wolle wird durch eine Bürstcnwalze I' abgelöst, nunauf eine Krempelwalze 0 übertragen und von dieser sodanndurch einen Hacker II als Kämmlingswolle (Kämmlinge) ge-trennt. Abb. 237 u. 238 stellen den Speiser dar mit ein-gesenkter und gehobener Nadelplatte sowie die Kämmwalze 6mit den abwechselnden Flächen des Nadelbesatzes p und desLederüberzuges 8 in doppelter Größe der Abb. 236, o ist dieAbreiß- und o' die Führungswalze des Bandes.

Dieser kurzen geschichtlichen Darstellung der ersten Grund-lagen der mechanischen Spinnerei ist hinzuzufügen, daß von1784—94 die drei ersten mechanischen Spinnereien in denRheinlanden und in den nächsten Jahren mehrere dergleichenin Barmen, Köln, Elberfeld, Gladbach, Bonn, Neuß , Kaisers-

4

LSS. N«Uc»brcchcr.

werth u. s. w., in Sachsen durch zwei Chemnitzer Fabrikhänser 1800, im Elsaß 1801 inWesserling, und in Österreich im Jahre 1799 Spinnereien für Mater- und Mulegarnangelegt wurden. Von dieser Zeit an, namentlich durch die Kontinentalsperre begünstigt,erhielt die mechanische Spinnerei in Deutschland größeren Aufschwung, und obschon derBau der Maschinen noch sehr mangelhaft war, so gehörten die Banmwollspinnereien dochzu den sehr einträglichen Unternehmungen. Mit ungleich rascheren Schritten ging jedochdie Spinnerei in Großbritannien vor, die der englische Maschinenbau kräftig unterstützt.Namentlich richteten die Spinner und Mechaniker ihr Augenmerk auf Vorbereituugs-maschinen zur Auflockerung und Reinigung der Baumwolle, auf Verbesserung der für dasSpinnen selbst so einflußreichen Krempel, auf die Strickmaschinen und das Dublieren derBänder, auf Vorspinnmaschinen u. s. w. Denn alle diese Maschinen wurden mit deinAugenblicke notwendig, wo die persönliche Geschicklichkeit des Spinners nicht mehr in demMaße wie beim Trittrade znr Geltung kam und die an die Stelle der Handarbeit getreteneMaschine ein besser vorbereitetes Material beanspruchte.

Die Baumwollspinnerei.

Betrachten wir zuerst die am weitesten oorangeschrittene Baumwollspinnerei,die sich zu ihrer wunderbaren Entwickelung erst mit dem Anfange dieses Jahrhundertsausbilden konnte, zu jener Zeit, da die 1795 erfundenen Sägenentkörner das kostbareFasermaterial in genügender Menge zu einem billigen Preise zu liefern vermochten.

Buch der Erfind. VIII. Z7