Geschichtliches.
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halb auch die reichsten und schönsten Stickereien mit jener Stichgattung zur Ausführungkamen. Dieselbe ist auch viel weniger von der Textur des Grnndgewebcs abhängig,während die Stickerei im Kreuzstich wesentlich durch die Maschenweitc des Grundgewebesbeeinflußt wird. Die Stickerei des Altertums und des Mittelalters war nahezu aus-schließlich Buntstickerei, die sich außer Leder der kostbarsten Stosse, wie Seide, Atlas,Samt u. s. w., der Seiden- und Metallfäden, sowie aneinander gereihter Perlen mitVorliebe bediente und durch stilgerechte Verwendung dieser Materialien außergewöhnlicheEffekte erreichte. Es werden aber auch außer den zwei genannten Stickerciartcn ver-schiedene andere Methoden, so die Reliefstickcrei — erhöhte Stickerei — die sogenannteApplikationsarbeit in Verwendung gebracht. Eine eigentümliche Stickereigattung, dieim Mittelalter bei reichen, nochjetzt vorhandenen Stickereien inAnwendung kam, bestand darin,daß die Goldfäden, wahrschein-lich aus Sparsamkeitsgründen,nicht durch den Stoff hindurch-gezogen, sondern bloß auf denStoff parallel zu einander aus-gelegt und durch Heftfäden fest-gehalten wurden; auf dem sohergestellten Goldgrund wurdedann erst die Stickerei durch-geführt, so Laß der Goldgrundhindurchschimmerte.
Während nun bis naheaus 1!l. Jahrhundert heran dieBuntstickereiden breitesten Raumeinnahm, beginnt gegen dasEnde des 18. Jahrhunderts diesogenannte Weißstickerei —mit weißen Fäden auf weißemGrunde — mehr und mehr inAusnahme zu kommen und imLause des 19. Jahrhundertssich so auszubreiten, daß sie jetzt,was die Menge der Stickereienanbelangt, die Buntstickerei weitüberragt und zu einer ausge-breiteten Hausindustrie, in denletzten Jahrzehnten selbst zueiner beachtenswerten Groß-industrie geworden ist, deren Geschicke sich allerdings — wie das bei jeder von der Modeabhängigen Industrie der Fall ist — außerordentlich wechselvoll gestalteten.
Während die Stil- und Geschmacklosigkeit in der Wahl der Stickereimotive bis indie Mitte des 19. Jahrhunderts geradezu unglaubliche Dinge zuwege bringt, beginnt nunnamentlich durch Errichtung von Kunstmuseen und Schulen eine geschmackvollere Orna-mentierung Platz zu greifen; auch die Bunt- oder Kunststickerei beginnt in der zweitenHälfte des 19. Jahrhunderts ein neues Leben: es werden die verschiedensten Stickerei-methoden und Stichgattungen neu belebt und wahre Kunstwerke der Stickerei hervor-gebracht, die allerdings in der neuesten Zeit wieder ein lebhaftes Hinneigen zu dem allzuNaturalistischen erkennen lassen.
Um den heutigen Zustand auf dem Gebiete der Stickerei klar zu übersehen, mußden Geschicken der Stickereiindustrie noch einige Aufmerksamkeit gewidmet werden.Dieselbe hat sich wohl in allen Staaten des westlichen Europa an einzelnen Punkten sest-Buch der Erfind. VIII. 60
476. Erstickter Bucheinband aus den, 16. Jahrhundert.