Band 
Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
Seite
505
JPEG-Download
 

505

Herstellung der Handspitzen und Älöppelspitzcu.

Zweifel die Nähnadel das wichtigste derselben; sie ist die bernfene Führerin des einzelnenFadens in diesem Fadengewirre. Ihre scharfe Spitze gleitet hier über, dort unter einemoder mehreren Fäden hinweg, schlüpft durch die kleinsten Öffnungen und Maschen , gleitetüber schmale und breite Höhlungen, umkreist einen oder mehrere Fäden, geführt von derfeinfühlenden Hand und dem scharfblickenden Auge der Arbeiterin. Sie ist geeignet,alle Fadenverbindungen von dem einfachen Nebeneinanderlegen der Fadenstiche bis zuden verworrensten Verschlingungen und Kreuzungen der Fäden durchzuführen, und dahergeeignet, znr Herstellung aller Gattungen von Spitzen in Anwendung zu kommen. Daßbei einer solchen Spitzenarbeit nicht ein Faden allein, sondern mehrere Fäden und daherauch mehrere Nadeln gleichzeitig in Verwendung kamen, ist wohl selbstverständlich, undwährend mit einer dieser Nadeln gearbeitet wurde, blieben die anderen in Ruhe undhingen etwa über die Kante des Tisches herab, auf dem die Arbeit gemacht wurde, dieFäden dabei in vorteilhafter Weise spannend und eine Verwirrung derselben verhütend.Diese Rnhefnnktion der Nadeln dürfte wohl später auf die Verwendung der sogenanntenKlöppel geführt haben; namentlich wird diese Funktion in erhöhtem Grade wichtig ge-worden sein, wo es sich um die Herstellung eines aus gleichen, regelmäßig gestaltetenMaschen bestehenden Grundes, also mehr um eine Flechtarbeit handelte, bei welcher dieSpitze der Nadel entbehrlich wurde und der Wunsch nahe lag, eine größere, ununter-brochene Fadenmenge zur Verfügung zu haben, um nicht Lurch Verknotung der Fäden,die Schönheit und Gleichmäßigkeit des Geflechtes zu stören.

Für die vollendetsten Gebilde der Spitzenbankunst ist also die Nähnadel das wich-tigste Werkzeug, weshalb diese Spitzen gewöhnlich Nadelspitzen genannt werden. Sieist aber nicht das einzige Werkzeug, da eine weiche Unterlage für die Mnsterzeichnung,welche an die erstere angeheftet wird, und Stecknadeln znr zeitweiligen Fixierung derFäden und Kreuzungen notwendig sind.

Als Rohmaterial zur Herstellung dieser Spitzengattung dienen Garnfäden der ver-schiedensten Gattung und meist der höchsten Nummern, die schon im Mittelalter in be-wunderungswürdiger Feinheit von Hand aus erzeugt wurden, und von deren Herstellungdie Erzeugung der berühmtesten Spitzeugattnngen abhängig bleiben wird, die ihren Rufnicht zum geringsten Teile der Feinheit des Fadens verdanken.

Herstellung der Klöppelspitzeu.

Ein von der Nadel vollkommen abweichendes Werkzeug wird verwendet bei derHerstellung von Klöppelspitzen, die durch ein Verflechten der Fäden charakterisiert sind.Solange beim Flechten nur wenige Fäden, Strähne, wie etwa beim Flechten der Zöpfe,in Verwendung stehen, sind solche Werkzeuge nicht nötig, weil die Gefahr einer Ver-wirrung dieser Fäden nicht vorliegt; sobald aber die Anzahl derselben eine größere wird,wie dies selbst bei schmäleren Spitzen der Fall ist, dann müssen Mittel gesucht werden,um eine Verwirrung zu verhindern und jeden Faden leicht wieder finden zu können.Dieses Mittel besteht am besten aus einer Beschwerung und dadurch eintretenden Span-nung der Fäden, die dadurch in Ruhe erhalten, an ihre Unterlage angedrückt werden undder Flechten» freie Hand und einen guten Überblick über die ganze Arbeit verschaffen;gleichzeitig können diese kleinen Gewichte so eingerichtet werden, daß in ihnen eine größereFadenmenge aufgespeichert werden kann, was in gleicher Weise zur schnelleren Ausführungder Arbeit und zur Schönheit derselben beiträgt. Solche Gewichte, die sogenanntenKlöppel, Klöpfel, Klüppel, sind in Abb. 515 und 516 dargestellt, von welchen der letztereder in Belgien gebräuchliche ist. Sie bestehen, wie man sieht, aus hölzernen Spindeln,auf welche eine größere Menge des Fadens aufgewickelt wird, die bei Abb. 515 durcheine übergeschobene Holzhülse, die Klöppeltüte, bei Abb. 516 durch Trennung der Hand-habe von der Fadenspindel gegen Beschmntznng durch die Hand geschützt ist. Am oberenEnde des Klöppels ist der Faden in eine Schleife gelegt und diese gegen Abgleiten vonder Spindel durch einen oben angeordneten hölzernen Knopf geschützt. Hat die Klöpp-lerin einen Teil des Fadens verarbeitet, so wickelt sie nach Öffnung der Schlinge eineentsprechende Länge deS Fadens von der Spindel ab.

Buch der Erfind. VIII.

64