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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Die Färberei und Appretur nebst Bleicherei und Zeugdruck.

Ticrbilder auf Gewebe gemalt hätten; diese Angabe läßt die Möglichkeit zn, daß gärende,indigvküpenartige Flüssigkeiten gebraucht worden; andererseits soll noch jetzt in der Gegenddes Kaspischcn Meeres eine krappartigc Pflanze in der von Herodvt angegebenen Weisegebraucht werden. Über die Färbcreikenntnisse der alten Babylvnier, Assyrer und Perserist keine Nachricht vorhanden; jedoch ist anzunehmen, daß sie nicht hinter den mit ihnenin Berührung kommenden Nachbarvölkern zurückstanden. Eine hohe Entwickelung hatdie Färberei unzweifelhaft sehr früh in Indien erreicht; ist doch wahrscheinlich schon inuralter Zeit die Kunst des Zengdrnckes mit hölzernen Druckformen hier ausgebildet undvon einer besonderen Kaste gepflegt worden; auch manche Färbemcthvden, z. B. die Jndigv-Opermentknpe und vielleicht das Türkifchrvt, sind indischen Ursprunges; der überausgroße Reichtum Ostindiens an Farbmaterialien, der hohe Stand der Textilgewcrbe imallgemeinen und die Anregung des Farbensinnes durch die üppige, farbenprächtige Tropen-natnr deS Landes müssen die Färbereiknnst mächtig gefördert haben.

Unter den Umwohnern des Mittelmeeres in der hellenisch-römischen Epoche warendie Phöniker als Färber berühmt, und der Hauptsitz ihrer Färbereien war die StadtTyrvs; anscheinend bezogen sie von Ägypten und anderen Ländern Stoffe znm Färben,um sie dann weiter zn verkaufen. Besonders geschätzt waren sie als Färber der überauskostbaren und deshalb von den Alten allgemein als Attribut königlicher Würde angesehenenPurpurfarben. Im Altertum verstand man übrigens unter Purpur nicht rot, sondernalle möglichen Farbtönc von zartem Blau bis zn tiefem Violett. Die Säfte von zweiSchneckenarten, von welcher die eine echtes Indigo (Blau), die andere einen unechtenroten Farbstoff lieferte ^wahrscheinlich unirox trnnoutnL und innrox dranchirm) dientenznm Purpurfärbcn, und je nach der Mischung wurde der Purpur reiner blau oder mehrviolett. Da meist frische Pnrpnrschnccken benutzt und diese an den Küsten des Mittel-meeres gefunden wurden, so entwickelte sich die Pnrpnrfärberei hier an vielen Orten undauch bei den Juden PalästinaS; jedoch genossen die Tyrer den Ruf, die Kunst deSPurpnrfärbcns am besten zn verstehen. Getrocknete Pnrpnrsäfte scheinen auch insBinnenland, nach Ägypten, Lydien und Persien gelangt und dort in Gürungsküpen mitHonig und gefanltem Urin znm Färben benutzt zu sein. Im kaiserlichen Rom wurde diePnrpnrfärberei zum Regal, und großen Luxus trieb man am Hofe mit purpurnen Stoffen,während im übrigen ihr Gebrauch durch häufig wiederholte strenge Verbote untersagtwar. Die Monopolisierung hat aber die Kunst allmählich erstickt, und im 12. Jahr-hundert erstarb ihre Kenntnis. An die Stelle des violetten Purpurs trat das mit KermeSund Alaunbcize gefärbte blanstichige Rot (Karmoisin- oder Kcrmcsinrot), und dieseFärbung erhielt dann den Namen „Purpur"; diesen Übergang von einer Nüance zuranderen betrachtet O. N. Witt mit Recht als einen durch den veränderten Geschmack vonByzanz bedingten Wechsel der Mode.

Über die Kunst der Färberei bei den alten Griechen und Römern sind wir imübrigen, wie schon erwähnt, kaum unterrichtet. Einen hohen Rang scheint das Färberei-gewerbe bei diesen Völkern nicht gehabt zn haben; der Farbenschatz war nicht groß unddessen Anwendung nicht bis zur Erzeugung gemusterter Stoffe entwickelt. Außer demPurpur waren einige Gerbstoffe, Waid, Krapp, Kermes, Alkanna, gelber Färbeginster,eine unechte pnrpnrsärbende Malvenart anS Gallien , Alaun, Eisenvitriol und Kupfer-vitriol den Römern ziemlich sicher bekannt. In Hellas und Rom waren die Pracht-gewänder vorwiegend aus weißen Stoffen mit Verbrämung anS purpurfarbenen hergestellt.

Die Verwüstung der europäischen Kultur durch die Völkerwanderung hat auch dieFärberei betroffen, und wenig dürfte von ihr in spätere Zeiten hinübergcrettet sein. Nach-dem Ruhe und Frieden wieder in Europa eingekehrt waren, belebten sich Gewerbe, Handelund Verkehr langsam, und allmählich entwickelte sich auch die Färberei von neuem, wiewir aus der Geschichte im allgemeinen und aus vereinzelten Dokumenten genauer ersehen.So wird berichtet, daß sowohl Gespinststoffe, wie auch Krapp, Waid und Kermes an denHof Karls des Großen geliefert werden mußten, und es scheint, daß die dienenden Mägdeund Frauen dort nicht nur spannen und webten, sondern auch die Stoffe selbst färbten.Der Krappban, welcher von Karl dem Großen für die Gärten der Krvngüter empfohlen