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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Bleichen von Flachs, Jute und Ramie. 555

des Wetters abhängt, hat die Firma Keserstein in Greiffcnbcrg i. Schlesien zusammenmit Siemens L Halste in Berlin eine Bleicheinrichtnng gebaut, in welcher Garne undGewebe mit Ozon, das auf elektrischem Wege erzeugt wird, anstatt aus der Wiese ge-bleicht werden; bekanntlich beruht die bleichende Wirkung des Sonnenlichtes und derRasenbleiche ganz oder teilweise aus Ozonbildnng. Diese künstliche Ozonblciche dürstez. Z. die einzige in größerem Umsang ersvlgreich durchgeführte unmittelbare Anwendungder Elektrizität in der Bleicherei und Färberei sein; im übrigen findet diese Naturkraftauf unserm Gebiete nur zur Bereitung von Bleichmitteln und vielleicht Farbstoffen undanderen Chemikalien oder als Kraftquelle, aber nicht unmittelbar Anwendung.

Bon der Bleiche anderer pflanzlicher Fasern mag kurz die der Inte erwähnt werden;Garne und Gcivebe aus Jute werden in heißem Wasser, Soda- oder Wasserglaslösungeingeweicht, vorsichtig gechlort und abgesäuert, zweckmäßig auch mit etwas schwefligerSäure behandelt und aus diese einfache Art bis zu Hellem Creme gebleicht; aus reinesWeiß verzichtet man.

Ramie oder Chinagras endlich ist schon leicht durch Abkochen mit Seife reinweiß zu erhalten und zeigt dann den schönen seidigen Glanz, der dieser Faser eigen ist.

Abkochen und Bleichen der Seide.

Wesentlich verschieden von der Bleiche der pflanzlichen Fasern ist die der Seideund wiederum anders, wie wir später sehen werden, die der Wolle. Der Seidenfadcnentsteht bekanntlich aus einer flüssigen Ausscheidung der Seidenraupe, die alsbald sadcn-artig erstarrt und die Hülle, den Kokon, bildet, in welche sich die Raupe vor ihrerBerpnppung einspinnt; durch Abwickeln dieses Kokons und Vereinigen mehrerer Kokon-fäden zu einem stärkeren Faden wird die Rohseide des Handels erhalten. Die Kokonfädensind nicht einheitlich zusammengesetzt, sondern bestehen aus zwei verschiedenen Verbindungen,der eigentlichen Seide, auch Fibroln genannt, und dem Seidenleim, Seidenbastoder Sericin. Der Seidenleim, welcher etwa 20—26"/» des Gesamtgewichts der Seideausmacht, verdeckt die wertvollen Eigenschaften der eigentlichen Seide, und die Rohseideist daher hart und rauh und ohne Glanz. Die wertvollen Eigenschaften der Seide kommenerst nach dem Entbasten, der Entfernung des Scrieins voll zur Erscheinung.

Da der Seidcnleim im Gegensatz zum Fibroln in kochendem Wasser und Seifen-lösung löslich ist, so wird die Rohseide in Seisenlösung behandelt, um die reine „ent-schälte" Seide zu gewinnen. Dieses Entschäleu oder Abkochen zerfällt in zwei Abschnitte,das Entbasten oder Tegummieren und das Wcißkochen oder Repassieren, und bestehtin der Behandlung der Rohseide in beinahe kochender Seisenlösung, wofür beim Ent-basten 35°/g, beim Weißkochen 15"/o guter (Marseillcrs Seife, auf das Gewicht der Seideberechnet, gebraucht werden. Die Seide wird strahnsörmig gewunden über Stöcke in mitder heißen Seisenlösung gefüllte rechtwinklige Holzbottiche von 0,^—1 ui Breite undTiefe und beliebiger Länge gehängt und von Zeit zu Zeit umgezogen. Der Faden schwilltzuerst aus und wird klebrig; allmählich löst sich der Leim ab, und der Faden wird weichund glänzend. Nach dem ersten Entbasten wird die Seide in schwacher Sodalösung ge-spült und ist dann zum Färben in dunklen Farben genügend rein. Für Weiß und helleFarbtöne folgt dos Wcißkochen in einem frischen Seifcnbade in gleicher Weise. Die zumWcißkochen benutzten Bäder werden durch Zusatz von Seife verstärkt zum Entbasten ge-braucht; die dickliche, mit Bast gesättigte Flüssigkeit der ersten Bäder wird unter demNamen „Bastseifc" als Zusatz beim Färben gebraucht und ist für den Färber ein wert-volles Hilfsmittel, um die Farbstoffe gleichmäßig auf die Seide ziehen zu lassen. DerGewichtsverlust der Seide durch Entbasten und Wcißkochen beträgt 18 —ZOft^. — ZwecksErleichterung des Webens wird Seide häufig erst im Stück entschält; besonders gilt diesfür halbseidene „Satins " aus seidener Kette und baumwollenem Schuß. Das Verfahrenist im allgemeinen das Gleiche wie für Garn.

Die weißgekochte Seide ist, damit sie angenehm weiß erscheint, noch zu bleichen;jedoch darf dies nicht mit Chlorkalk geschehen. Das wichtigste Bleichmittel ist das Schwefel-dioxyd, auch schweflige Säure genannt, das Gas, welches durch Verbrennen von Schwefel

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