Band 
Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
Seite
568
JPEG-Download
 

568

Die Färberei und Appretur nebst Bleicherei und Zeugdruck.

Säure enthält. Eine Abart der Säurecchthcit ist die Schweißechtheit, die Eigenschaftder Farben, bei wiederholter Einwirkung des menschlichen Schweißes, welcher organischeSäuren enthält, nicht verändert zu werden. Alkaliechte Farben sind unempfindlich gegenden vtt alkalischen Straßcnschmntz großer Städte, der manche Farben zerstört, namentlichsolche, die zeitweilig und auch jetzt noch von nachlässigen Färbern für einfarbige dunkel-grüne und marineblaue Tamenkleidcrstoffc gebraucht wurden und werden. Chlvrechtheitbedeutet Widerstandsfähigkeit gegen Bleichen mit Chlorkalk, Schwcfelechthcit gegenBleichen mit schwefliger Säure (brennendem Schwefel), womit Seide und namentlichWolle, z. B. weiße Flanelldecken mit farbigen Mustern, gebleicht werden. Für Ware,die gewalkt werden soll, müssen walkcchtc Farben znr Anwendung kommen, d. h. solche,die bei der knetenden und reibenden Bearbeitung in warmer Seife weder auslanfen,noch Heller oder im Farbton verändert werden. Dampf- und Dekatier- bezlv. Bügel-echtheit bedeutet, daß die Farben sich beim Dämpfen oder Dekatieren, bezw. beim Bügelnoder heißen Pressen nicht verändern. Neben den genannten oder angedeuteten zerstören-den Einflüssen kommen noch andere Einwirkungen auf die Tcxtilfärbnngcn in Betracht,welche aber wegen ihrer geringeren Bedeutung Übergängen sein mögen.

Es liegt auf der Hand, daß der Färber nur ausnahmsweise genötigt sein wird, alleverschiedenen Möglichkeiten der Echtheit zu erreichen, und da die Herstellung möglichst echterFärbungen teils durch höheren Preis der Farbstoffe, teils durch die größere Zahl dernotwendigen Färbcarbeiten kostspieliger als die weniger echter ist, so wird man sich im all-gemeinen darauf beschränken, nur den gestellten Anforderungen zu genügen, zumal wenngroße Echtheit der Färbung nur auf Kosten der Schönheit zu erreichen ist. Vor allemist zu berücksichtigen, daß die Farbe nicht länger als der Stoff selbst zu dauern braucht.Für ein Ballkleid, das nur wenige Male, vielleicht nur ein einziges Mal in der betreffen-den Farbe getragen wird, braucht kaum auf Echtheit geachtet zu werden, um so mehr aufSchönheit. Für Halbwollstvffe aus schlechten Knnstwollen fShvddy), welche nur geringeHaltbarkeit besitzen, wird man vernünftigerweise nicht langlebiges, teures Indigo oderAlizarin, zweckmäßiger dagegen lebhaftere Farben, die die Ware möglichst schön erscheinenlassen, auswählen. Im allgemeinen wird für die Farben von Kleiderstoffen Licht-, Wasser-,Reib-, Schweiß- und Alkaliechtheit, für viele auch Waschechtheit zu fordern sein; beiUnterkleidern wird von Lichtechtheit abgesehen werden können, hingegen Schweiß- undWaschechtheit, noch mehr aber Reibechtheit verlangt werden müssen. Vorhang- undTeppichstoffe sollen in erster Reihe lichtecht gefärbt sein; alle anderen Anforderungentreten mehr oder minder zurück. Die Ansprüche an Echtheit sind demnach für die ein-zelnen Warengattnngcn sehr verschieden.

Farbstoffe des Pflanzen- und Tierreichs.

Die Zahl der natürlichen Farbstoffe, welche mit Vorteil in der Textilindustrie ge-braucht werden, ist gering im Vergleich zu den vielen künstlichen Teerfarbstoffen, und vonihnen sind wiederum nur wenige direkt, also ohne Beizen zn färben. An natürlichenFarbstoffen, welche alle Fasern ohne Beize färben, bleibt nur Eurenma übrig, nachdemSafflvr (rosa), Lrlean (orangcgelb) und Alkanna (rot) aus dem Gebrauche geschwundensind. Wichtige direkte Woll- und Seidensarbstoffe natürlichen Ursprungs sind Lrscillc undPersio und der halbnatürliche, halbkünstliche Jndigokarmin; von natürlichen Beizen-farbstoffen werden heute noch Blanholz, Sandel, Rotholz, Krapp, Kochenille, Gclbholz,Qnercitron, Kreuzbeeren, Wau und Catechn viel gebraucht. Endlich bleibt das hochwichtigeIndigo als Entwickclnngsfarbe zn nennen.

Kurkuma oder Gelbwurz, auch gelber Ingwer oder Dorrn meritn genannt, ist derWnrzelstock der in Ostindien und China in großen Mengen wild wachsenden, sowie auch an-gebauten Ourouina lon^a oder Onrouma virickiklora kinetoria aus der Ordnung der Scita-mineen. Die Wurzeln sehen graugclb, ini Innern orange aus, riechen kräftig mgwerartigund schmecken gewnrzig bitter. Sie werden zn einem lebhaft oraugen Pulver gemahlen,welches außer Holzsnbstanz n. dgl. den Farbstoff Cure um in enthält, dessen innerer Bannoch nicht sicher festgestellt ist. — Baumwolle, Seide und Wolle werden durch Uniziehenich. h. Bearbeiten) in der wässerigen Abkochung der gemahlenen Cnrcnmawurzel gefärbt, wobei