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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Natürliche Farbstoffe.

häufig etwas Kochsalz oder Alaun zugesetzt wird; das Bad darf nicht alkalisch sein, damitder Farbstoff auf die Faser zieht, und soll nicht über 60" 6. warm werden, da höhere Wärmedie Lebhaftigkeit beeinträchtigt. Curcnma allein färbt reines Gelb, welches dem Lichte nichtwidersteht und gegen Seifen und Alkalien empfindlich ist; die meisten Beizsalze verändernden Farbton ohne die Echtheit zu erhöhen. Der Farbstoff wurde, so lange es an genügendenErsatzmitteln fehlte, viel für Gelb allein und zusammen mit anderen Farbstoffen für Misch-tüne gebraucht, hat aber durch die Einführung der sauren und der substantiven Baumwoll-farbstoffc seine Bedeutung fast ganz verloren. Auch zum Färben von Butter, Wachs undfetten Ölen findet er Verwendung.

Orscille und Persio werden aus verschiedenen Flechten bereitet, von welchen die auf denKanarischen und Cap Vertuschen Inseln, Sardinien, Ostindien, Madagaskar und an den KüstenSüd- und Mittel-Amerikas vorkommenden Klivpstechten oder Krantorscillcn lioooella tinotoris.(Cap Vcrdische Flechte) und Loooella kueikorinis (echte Roccella) und die landeinwärtswachsenden Erdorseillen Variolaris. oroina aus der Änvcrgne und Oooanora tartarea ausSkandinavien die wichtigsten sind. Der Farbstoff ist in den Flechten nicht fertig gebildetvorhanden, sondern wird daraus erst durch einen in Gegenwart von Ammoniak verlaufendenGärungsprozeß bereitet. Die vergorenen Flechten kommen als Orscille Teig in den Handel;ein flüssiges Extrakt wird Orscille-Karmin genannt, und Persio endlich ist ein meist ausOooanorn tartarea bereitetes Pulver, welches durch Trocknen und Mahlen der vergorenenFlechten erhalten wird. Orscille wurde wahrscheinlich schon von den alten Römern (unterdem Namen b'uons) zum Färben von unechtem Purpur gebraucht, geriet dann aber langein Vergessenheit und kam erst im 13. Jahrhundert aus der Levante über Italien wieder inGebrauch. Nach halbsagcnhaften Berichten entdeckte ein Florentiner Namens Rucellai umdas Jahr 1300 im Orient zufällig die Entstehung der Farbe durch Einwirkung von Urin aufgewisse Moose; er hielt seine Entdeckung geheim und begründete damit den Orscillehandelin seiner Heimat Florenz , der in den Händen der Familie Rucellai blieb, bis nach der 1342erfolgten Wiederentdeckung der Kanarischen Inseln 1402 dort die RoeosIIn tinotoris. auf-gefunden und allgemeiner zugänglich wurde. — Als einer der wenigen direkten Farbstoffefand die Orscille ausgedehnte Anwendung, welche aber durch die zahlreichen künstlichen direktenFarbstoffe bedeutende Einschränkung erlitten hat.

Die Flechten enthalten mehrere Säuren, welche sich bei der Gärung unter Bildung einesOrcin genannten Körpers zersetzen, der auch künstlich aus dem im Steinkohlentcer enthaltenenToluol bereitet werden kann; durch Einwirkung von Ammoniak und Aufnahme von Sauerstoffwird er in O rec kn verwandelt. Lrcekn ist das eigentliche färbende Prinzip von Orscille und Persio.Beide Farbstoffe liefern auf Seide und Wolle in neutralen Bädern etwas stumpfe, blaurote, insauren weniger blaustichige, in schwach alkalischen Bädern rotviolette Farben. Wolle wird meist inkochenden neutralen oder mit Schwefelsäure, Weinstein, Alaun oder Zinnchlorid versetzten Flotten,Seide in heißen Seifen- oder Basticisen-Bädcrn mit oder ohne Zusatz von Essigsäure gefärbt.Die Farben sind wenig echt. Orscille und Persio dienen hauptsächlich in Verbindung mitanderen sauren Farbstoffen zur Erzeugung von Braun, Gran und anderen Mischtönen, wozusie sich wegen der geringen Neigung zum unregelmäßigen Aufziehen gut eignen. Auch zumUnterfärben von Küpcnblan (S. 577) für Blau werden sie gebraucht. Für sich allein findensie dagegen kaum Anwendung und sind durch echtere saure Teerfarbstoffe aus vielen Färbereienvollständig verdrängt.

Blanholz oder Campecheholz ist auch heute noch einer der wichtigsten Farbstoffe; dieSchönheit des damit erhältlichen Schwarz wird kaum durch andere Farben erreicht, und imPreise können selbst die billigsten Teerfarbstoffe nur schwer mit ihm konkurrieren: bei demherrschenden Raubbau dürften allerdings die Blauholzvorräte an vielen Orten bald erschöpftsein. Blauholz ist das von Rinde und Splint befreite Kernholz des Lämatoxz'lon osin-psobisnuin aus der Familie der Cüsalpinien und wächst hauptsächlich in Honduras , St. Domingöund Jamaika ; das beste Blauholz kam früher aus der Campechebai; doch sind die dortigenVorräte säst gänzlich aufgebraucht. — Nicht lange nach der Entdeckung Amerikas gelangtedas Blauholz nach Europa und bürgerte sich bald in den Färbereien ein. Zuerst wurde esmit Alaunbeizc gefärbt, mit welcher es ein blaustichiges Violett liefert, und so erhielt esim Deutschen den Namen Blanholz (bekanntlich fehlt der deutschen Sprache ein Wort sür„Violett"). Die Farbe stieß, angeblich wegen ihrer geringen Echtheit, in Wahrheit wohlwegen der Abneigung der Färbcrzünste gegen die Ausnahme eines neuen Produktes aufWiderstand, und so wurde seine Anwendung in England während etwa 100 Jahre, bis zumJahre 1673 verboten; Colbert wies noch in seinem erwähnten Färber-Statut das Blauholzals unechten Farbstoff den Schlechtfärbern zu, und sogar im Jahre 1758 verbot Friedrichder Große das Färben „der weißen Tücher mit blauem Holze." Allmählich ist die Alaun-beize gegen die Eisen- und Chrombeize mit oder ohne Knpfcrbeize zurückgetreten, undmit diesen werden erheblich bessere Farben erhalten. Die Einfuhr von Blanholz in Blöckenins Deutsche Zollgebiet während des Jahres 1896 betrug nach Abzug des wicderansgeführtenHolzes 35600 Tonnen, wozu noch bedeutende Mengen eingeführten Blanholzcxtrakts kommen.

Das frisch gefällte Blauholz ist nahezu farblos; der Farbstoff ist darin zunächst alsungefärbte Verbindung (in Form einer Znckerverbindung) enthalten. Allmählich entwickeltBuch der Erfind. VIII. 72