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Die Färberei und Appretur nebst Bleicherei und Zcngdrnck.
Ausnahme zu bringen, und vergebens setzte Napoleon I. zur Zeit der Kontinentalsperre einenPreis von einer halben Million Franken für die vorteilhafte Gewinnung von Indigo ausWaiv aus. Gegen den Indigo der Tropen kann die ärmere Waidpflanze der gemäßigtenZone nicht aufkommen.
Der Waid ist eine zweijährige Pflanze, von welcher mehrere Ernten gewonnen werden.Die Blätter werden im zweiten Jahre abgeschnitten nnd entweder unmittelbar getrocknet nndganz in den Handel gebracht, oder sie werden gemahlen, mit Wasser zu einem Teig angerührt,etwa 14 Tage gären gelassen nnd in Ballen geformt als „Kngclwaid" verkauft. DiesesProdukt wird jetzt niemals für sich allein gebraucht, sondern zusammen mit viel Indigo inder Waidküpe, für die er nicht eigentlich als Farbstoff, sondern als Nährmittel der Gä-rung dient.
Die bei weitem größte Menge Indigo wird heute in Ostindien erzeugt und zwar haupt-sächlich in Bengalen, Oude nnd Madras. Ferner wird Indigo in Java, Manila, China ,Japan, Zcntralamcrika (Gnatemalal, Brasilien nnd verschiedenen Teilen Afrikas gewonnen.Im Durchschnitt gehen jährlich etwa 40000 Kisten Indigo zu 100 üZ Inhalt von Ostindiennach London allein; dazu kommen noch die Verschiffungen nach anderen Häsen, vor allemnach Nordamerika, sowie die Produkte Javas, Mittel- und Südamerikas u. s. w. Im DeutschenReiche wurden im Jahre 1896 nahezu I 400000 1-8 Indigo verbraucht.
Die wichtigsten Indigopflanzen sind der gemeine oder Färbcrindig (InäiAoferatmotoria), der zwcisamige Jndig (Incii^oksra ckisxsrinal, der sichelförmige oder Anil-indig (Inckigotera Lwil) nnd der silbcrblätterige Jndig (InckiAotera arAsntsai; fernergibt es noch zahlreiche weniger wichtige Arten. Die Pflanzen sind strauch- oder krautartigeGewächse, die meist in heißen Klimate» vorkommen nnd schon lange in Indien gezüchtetwerden; von diesem Lande stammt auch der Name Indigo . Es sind immerwährende Pflanzen,welche jedoch zwecks Gewinnung größerer Mengen Farbstoffe jährlich neu aus Samen ge-zogen werden. Zur Zeit des Ausbrechens der Blutenknospen werden die Pflanzen nahe derWurzel abgeschnitten, aus welcher danu neue, wieder abzuschneidende Schosse hervorkommen,so daß man zwei oder mehr jährliche Ernten gewinnt. Die geschnittenen Pflanzen werdenbündelweise in große zementierte Kufen oder „Küpen" gepackt und mit Wasser übergössen;nach einiger Zeit geraten sie in Gärung, wodurch das in ihnen enthaltene Jndican sich inmehrere Körper, darunter die eigentlichen Jndigofarbstosfc, zersetzt; durch den Gärungsprozeßwerden dieselben in ähnlicher Weise wie bei der eigentlichen Küpcnfärbcrei (s. u.> in Lösunggebracht, worauf diese Lösung in tiefer stehende Küpen abgelassen wird; um nun aus dieserdie Jndigofarbstoffe in fester Form zu erhalten, wird die Flüssigkeit durch Männer, welchesie mit Schaufeln oder Rudern kräftig schlagen oder rühren, oder durch mechanische Rührcrin innige Berührung mit der Lust gebracht; die Lust oxydiert die Farbstoffe nnd führt siedadurch in unlösliches Indigo über, wobei die erst gelbe Losung zunächst grün wird und danndunkelblaue flockige Niederschlage von Indigo abscheidet; diese werden auf Filter gebrachtund die aus ihnen nach Ablausen der Flüssigkeit zurückbleibende Masse wird abgepreßt, inWürfel geschnitten nnd getrocknet; das Produkt ist das Indigo des Handels. Es ist dunkel-blau, mit eigentümlichem kupferigem Glanz und kommt in sehr wechselnder Reinheit mit etwa40—80 o/o Gehalt an Farbstoff aus den Markt.
Je nach dem Verlauf der Gärung zersetzt sich das Jndican in verschiedene Stoffe. DasHauptprodukt ist der eigentliche Jndigofarbstoff, das Jndigotin oder Jndigoblau, da-neben bildet sich in Mengen von 1—3"/o, aber auch bis 8"/« das Jndirubin oder Indigo-rot, welches ebenso wertvoll nnd mindestens ebenso echt wie Jndigoblau ist, ihm, abgesehenvon seiner roten Farbe, in betreff der Färbeeigenschaften sehr ähnlich nnd auch in chemischerBeziehung nahe verwandt ist. Ferner entstehen aus dem Jndican stets noch verschiedenewertlose Stoffe in wechselnden Mengen, wie Jndigobraun, Jndigolcim n. a. m., welche denFärbeprozeß nicht wesentlich beeinflussen. Jndigotin nnd Jndirubin sind in Wasser, ver-dünnten Säuren und Laugen unlöslich und auch in Alkohol und anderen in Betrachtkommenden Flüssigkeiten nicht derart löslich, daß sie darin sür die Zwecke der Färberei,welche ja nur mit gelösten Stoffen arbeiten kann, gelöst werden könnten. Sie lassen sichjedoch (unter Reduktion) durch zahlreiche chemische Mittel, unter anderen auch durch Gärungs-prozesse, in farblose und darum (zusammen) Jndigoweih oder Leukvindigv genannte Körperüberführen, welche sich leicht in schwachen Langen lösen und unter dem Einfluß der Luft(durch Oxydation) schnell von selbst wieder in Jndigotin und Jndirubin zurückverwandeltwerden. Auf diesen Erscheinungen beruhen die eigenartigen Methoden der Jndigosärberci,welche fast ausschließlich für diesen Farbstoff in Gebrauch sind: es wird zunächst die (gelbe)Lösung von Jndigoweiß in schwacher Lauge, die sogenannte „Küpe" bereitet; mit dieser wirddie Faser getränkt nnd dann der Luft ausgesetzt, worauf die gelbe Farbe der Faser durchGrün in Blau , in die Jndigoblanfarbe übergeht, welche (in meist nnmerklicher Weise) durchdas Jndirubin ein wenig nach Rot abgetönt wird. — Jndigotin und Jndirubin sind nachverschiedenen Methoden, zuerst von Adolf Bacher, aus Abkömmlingen des Steinkohlenteershergestellt; leider sind bisher aber ziemlich schwierig zu bereitende und deshalb kostspieligePräparate hierfür erforderlich, so daß das künstliche Indigo dem natürlichen, trotzdem auchdieses ziemlich hoch im Preise steht (etwa 6—12 Mark das Kilogramm) noch keine Kon-