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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Indigo. — Teerfarbstoffe. 57 7

kurrcnz bereitet hat; nur für einzelne feine Muster des Kattuudruckcs, wo die Kosten nichtin Frage komme», hat es Anwendung finden können; in allcrjüngstcr Zeit scheint jedoch einernster Wettbewerb des Kunstprodukts mit feinstem raffiniertem Naturindigo zu beginnen.Unterschiede zwischen reinem natürlichen und künstlichem Indigotin oder Jndirnbin be-stehen nicht.

Das technische Indigo dient in sehr großen Mengen zum Färben von Baumwolle,Leinen, Wolle und zum Kattundruck, dagegen nur noch wenig für Seide, weil der Färbc-vrozeß die Schönheit dieser Faser beeinträchtigt. Es wird nicht nur zum Blausärbcn, sondernauch znr Erzeugung vieler Mischfarben, wie Grün, Braun, Oliv, Gran und für Schwarzgebraucht, um diesen möglichste Echtheit zu verleihen. Es muß stets für sich allein in be-sonderen! Bade gefärbt werden, weil es in ganz anderer Weife als alle übrigen technischenFarbstoffe gefärbt wird. Da bei Anwendung anderer Farbstoffe diese meist erst nach demFärben mit Indigo aufgefärbt werden, so nennt man mit Indigo hergestellte Mischfarben„angeblaut." Die Jndigofarbc fällt um so röter und knvferiger aus, je dunkler sie ist underscheint daher in hellen und dunklen Tönen sehr verschieden; als Beleg hierfür sei erwähnt,daß sowohl das helle Dragonerblau und das Blau der bayerischen, wie das Blau der übrigendeutschen Jnfantericmontnrrvcke mit reinem Indigoblan gefärbt wird (in neuester Zeit wurdenauch Alizarinfarben tür Dunkelblau zugelassen). Zum Färben der Wolle dienen aus etwa60" 6. geheizte „warme Küpen", für die pflanzlichen Fasern „kalte Küpen". In letzterenwird Indigo durch ein Gemisch von Eisenvitriol und Kalk oder Zink (Zinkstaubl und Kalkoder doppelschwefligjaurem Natron, Zink und Kalk in Lösung gebracht; für Wolle werdenneben der letzten Mischung, der sogenannten „Hydrosnlfitküpe", namentlich die Gärnngsküpcngebraucht, von welchen die Waidküpe die wichtigste ist; diese wird mit Waid, Krapp, Kleie,Syrup, Soda, Kalk und wie die vorigen mit Indigo bereitet; die vier zuerst genannten Stoffegeraten in Gärung und führen das Indigo in Indigowcis; über, welches durch Kalk undSoda gelöst wird. Diese Küpenslüssigkeiten werden in runden oder viereckigen Gefäßen ausHolz, Eisen oder zementiertem Ziegeliverk von ziemlicher Tiefe, der „Küpe" (d. i. Kufe, vonwelcher die Flüssigkeit den Namen hat) bereitet und unmittelbar hierin wird gefärbt; nach-dem die Ware mit der Lange getränkt ist, wird sie ansgernngcn und der Luft ausgesetzt,damit das Jndigoweiß wieder in Indigo übergehe; nach Bedarf wird diese Behandlung einoder mehrere Male wiederholt, bis die gewünschte Farbticse erreicht ist; die Küpenflüssigkeitwird durch Zusatz von Indigo und den übrigen Stoffen immer wieder aufgefrischt undlängere Zeit gebraucht, bis allmählich die Farben zu unrein werden und neue Küpen zubereiten sind. Die Führung solcher Küpen ist nicht ganz einfach und erfordert ziemliche Ertahrnng; besonders die Gärnngsküpcn sind, wie alle Gärungsprozesse, manchen Störungenausgesetzt, und ein geschickter Küpensührer wird daher ziemlich geschützt.

Indigotin und Jndirnbin, oder knrzweg Indigo, lagern sich unlöslich im Inneren derFaser ab. Der Lust und dem Licht widerstehen sie fast unbedingt und ebenso der Wäscheund Walke, Säuren und Langen und anderen in Frage kommenden chemischen Einflüssen,und die Jndigofarbc ist daher als nahezu unbedingt echt zu bezeichnen. Nur ein Mangelhaftet ihr an, das Abrüsten, die fehlende Rcibechtheit; da Indigo anscheinend nur mechanischin der Faser abgelagert ist, so wird es schon ziemlich leicht hcrausgericben und schmutzt oder„rußt" leicht auf andere Stoffe ab; beim Tragen werden indigoblauc Stoffe daher aneinzelnen Stellen weiß, wie man namentlich bei Jnfantericmonturröcken an den Nähten unddort, wo Ledcrzeug und Gewehr reiben, sieht; auch wird weiße Wüsche dadurch angefärbt;bei gut „in der Wolle" (d. h. als lose, nnversponncnc Wolle) gefärbter Ware tritt dieserMangel jedoch nicht allzustark hervor.

Durch Auflösen von Indigo in starker Schwefelsäure wird dieses chemisch verändert undin Jndigokarmin oder Jndigocxtrakt verwandelt, welche Verbindung zu den bei denkünstlichen Farbstoffen zu besprechenden „Snlsosänren" gehört. Dieses Präparat, welchesmeist in Teigform, auch unter dem irreführenden Namen Indigotin als Pulver im Handelist, löst sich leicht in Wasser und färbt Seide und Wolle ebenso wie die sauren Teerfarbstoffe(s. u.) im sauren Bade blau, aber ist nicht für die pflanzlichen Fasern verwendbar. Obwohlaus Indigo bereitet, ist es viel weniger beständig gegen Licht und Lust als dieses und wider-steht der Wüsche und Walke nicht völlig.

Künstliche organische Farbstoffe chlnilin-, Alizariufarben u. dergl.L

Das wichtigste Rohmaterial der in der Textilsärberei gebrauchten künstlichen Farb-stoffe ist der Steinkohlenteer, welcher als Nebenprodukt bei der Leuchtgasbereituugund in immer steigenden Mengen auch bei der Cokesgewinnuug erhalten wird. Indessenenthält der Teer die Farbstoffe nicht als solche, sondern nur verschiedene Körper, welchedurch (meist recht zahlreiche) chemische Umwandlungen in Farbstoffe übergeführt werdenkönnen. Der Teer wird znr Gewinnung dieser, die Farbstoffe liefernden Körper destilliertund dadurch iu seine Bestandteile zerlegt. Die wichtigsten als Rohstoffe der Teerfarben-fabrikation in Betracht kommenden Testillativnsprodnkte sind erstlich die niedrig siedenden,Buch der Erfind. VIII. 73