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Die Färberei und Appretur nebst Bleicherei und Zengdrnck.
Ähnlich wie die Fabrikation dieser sauren Azvfarbstvffe hat sich die durch die Dar-stellung des löslichen Aniliublau ist o.) schon frühzeitig eingeleitete Darstellung dcrSnlfo-säuren von basischen Farbstoffen, welche dann auch saure Farben sind, entwickelt;meist wird auch hier nicht der fertige basische Farbstoff, sondern ein Halbfabrikat oderZwischenprodukt durch Behandlung mit Schwefelsäure in die Snlfoiänre übergeführt.Diese zweite Gruppe von Snlfvsänren übertrifft die der Azvverbindungcn gleich ihrenMnttcrsnbstanzen, den basischen Farben, an Schönheit, erreicht sie aber meist nicht ganzin Echtheit. Sie dienen im allgemeinen für die gleichen Zwecke wie jene Azvsarbcn.Genannt seien oon ihnen: Sänrcfnchsin, Sänrcviolctt, Sänreblan, Sänregrün, Lichtgrün,Tartrazin (sehr lichtechtes Gelb», Ehinvlingelb, Azvkarmin oder Rvsiudulin (ziemlich echtesRot), Violamin, Echtsänrcviolett, Alkaliviolctt, Wasser- und Alkaliblan, Jndnlin (Blaufür Seide), Echtblau, Patcntblan, Wollblan, Cyanol, Wollgrün, Echtgrün, welche mitAusnahme der fünf ersten ziemlich echte Produkte bezeichnen (auch diese Namen geltenmeist für mehrere Marken von ähnlicher Beschaffenheit aber abweichenden Farbtöncn,z. B. Lichtgrün bläulich bezlv. gelblich).
Ebenso anwendbar wie die vorgenannten sauren Farben, jedoch weniger echt, sinddie schon genannten Nitroverbindnngen Pikrinsäure und Martiusgelb (S. 578); letzteresist in Form einer Sulfvsänrc, welches als Naphtholgelb viel gebraucht wird, etwas echter.
Alle vorstehend genannten „sauren Farbstoffe" werden fast ausschließlich für Wolleund Seide gebraucht und in heißen oder kochenden Bädern unter Zusatz von kleinenMengen Schwefelsäure oder Essigsäure gefärbt; das Färben vollzieht sich in ebenso ein-facher Weise wie das der basischen Farben. Der Zusatz von Sänre ist nötig, damit dieFarben sich mit den Fasern verbinden; jedoch wirken die Säuren nicht als Beizen, da sieweder mit den Farben noch mit den Fasern chemische Verbindungen liefern; sie sind nurHilfsmittel.
Für die pflanzlichen Fasern hat diese Abteilung der sauren Farbstoffe keine Be-deutung. Dagegen sind noch zahlreiche andere saure Produkte feit dem Jahre 1884bekannt geworden, welche im Gegensatz zu diesen Baumwolle leicht anfärben unddeshalb „snbstantive" oder „direkte Banmwollfarbstvsfe" heißen. Das that-sächlich verschiedene Verhalten dieser zwei Abteilungen von sauren Farbstoffen hängtunzweifelhaft mit ihrem chemischen Ban zusammen, ist aber nur unvollständig aufgeklärt.Die meisten der snbstantiven Banmwollfarbstofse sind Azoverbindnngen und erhalten ihreneigentümlichen Charakter durch die Amidovcrbindungen, aus welchen sie bereitet werden,indem diese gewissermaßen Verdoppelungen der für die erste Abteilung saurer Azofarb-stoffe benutzten darstellen, so ist z. B. Benzidin eine Art verdoppelten Anilins; wirdAnilin mit salpetriger Säure behandelt und dann mit einer gewissen Naphtolsulfosäureverbunden, so entsteht ein saurer Azofarbstvff, der Seide und Wolle, aber nicht Baum-wolle anfärbt; wird dagegen Benzidin in gleicher Weise benutzt, so entsteht der FarbstoffKongorvt, welcher nicht allein Seide und Wolle, sondern auch Baumwolle anfärbt, unddiese Regel gilt ziemlich allgemein. Die verdoppelten Amidoverbindnngen bilden Azokörpervon komplizierterer Zusammensetzung, und höchst wahrscheinlich hängt damit ihr Verhaltengegen Baumwolle zusammen. Nach dem Farbstoff, an welchem zuerst die Eigenschaftdieser Gruppe, Baumwolle zu färben, erkannt wurde, heißen sie vielfach Kongofarben,ferner auch nach den Aminen, aus welchen sie bereitet werden, Benzidin-, Diamin-,Stilbcnfarbcn u. s. w. Genannt seien nur Benzvpurpurin (rot), Chrysamin undChrysophenin (gelb), Benzv- und Brillantazurin (blau), Erika und Geraum (rosa), Tiamin-blau, -gelb-, -grün, -rot, -schwarz und die zahlreichen Produkte, deren Namen in ähnlicherWeise aus irgend einem beliebigen Worte und der Farbenbczcichnnng gebildet sind, z. B.Chicago -, Kolnmbia-, Direkt-, Hessisch-, Tolnylenrot n. dergl. (Die Erfindungskraft istauf diesem Gebiete andauernd so überaus fruchtbar, daß die Erfindung passender Namennur schwer Schritt damit zu halten scheint.) — Außer diesen Azoverbindnngen finden wiraber noch einzelne andere Körper, ebenfalls Sulfosäuren, welche sich genau ebenso wiediese gegen pflanzliche und tierische Fasern verhalten und also namentlich die ersteren auchohne Beizen färben, ohne daß sich aus ihrem chemischen Ban eine Erklärung dafür