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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Türkischrot. Paranitranilinrot.

Europa aus. Das färben dieser Farbe wird meist als Spezialität iu einzelnen Gegendenbetrieben, und die deutschen Türkischrotfärbereicn sind vorwiegend im Wnpperthal und imElsaß gelegen. — Türkischrot ist sowohl durch Schönheit wie durch Echtheit ausgezeichnet;es ist nahezu unvergänglich und jedcnsalls die echteste Farbe, die dem Banmwollsärber zurBeringung steht. Vorwiegeikd wird Banmwoll- und Leinengarn, aber auch Stückware, da-gegen nicht lose Baumwolle türkischrot gefärbt.

Das Verfahren des Tnrkischrotsärbcns, so wie es aus dem Orient kam, erfordert vier Wochenund länger; man hat es durch verschiedene Vereinfachungen bis auf etwa drei Tage verkürzt;allein das echteste, auch gegen Chlorkalk sehr widerstandsfähige Türkischrot erfordert selbstheute noch ein langwieriges Arbeiten. Im folgenden sei das Bersahre» zur Erzeugung desrillcrechtcstcn Rot,, wie es für Stickgarne erforderlich ist, kurz beschrieben. Das Färben be-ginnt mit dem „Ölen" der Faser mit Olivenöl in Form des ranzigen Tonrnantöles odermit Türkischrotöl; die Ware wird in der mit Sodalösung bereiteten Ll-Emulsion oderklaren Lösung getränkt und dann zur chemischen Befestigung,, des Öles im Freien oder inTrockenstnben getrocknet und vielleicht noch gedämpft, Das Ölen, Trocknen und Dämpfenwird mehrere Male wiederholt. Nach genügendem Ölen wird die Ware mehrere Male inschwacher Sodalösung behandelt, um alles ungenügend befestigte Ol hcransznwaschcn. Als-dann wird sie mit Gerbstoff, meist mit Snmachabkochnng getränkt, wodurch sie zur Ausnahmeder eigentlichen Beize, des Thonerdesalzes, in verstärktem Maße präpariert wird und wodurchgleichzeitig die Widerstandsfähigkeit der schließllchen Farbe gegen Chlorkalk erhöht werden soll.Es folgt nun das Beizen mit Thonerdesalz lbasisch-schwcscisanre oder essigsaure Thonerde,Rotbeizc) unter Zusatz von ein wenig Zinnsalz, dann Ausfärben mit Alizarin (früher mitKrapp), und nun ein kurzes Dämpfen unter Druck, welches erst die Verbindung des Farb-stoffes mit der Beize bewirkt. Die gedämpfte Ware erinnert jedoch erst wenig an schönes Rot,sondern sieht trnbrotbrann aus; um die Türkischrotfarbc hervorzurufen, muß sie noch zweimalsehr scharf unter Druck geseift werden, einmal mit Seife und Soda und dann mit Seife undetwas Zinnsalz, bevor die Färbung fertig gestellt ist. Die Bedeutung des Öles sür die Farbeist nicht vollständig aufgeklärt; ohne Ll wird kein Türkischrot erhalten und zweifellos ist esdemnach Bestandteil der Farbe; es scheint aber auch, als ob das Ol sich wie ein Firnis umdie Farbe lagere und dadurch sowohl dieser höheren Glanz verleihe wie auch Schutz gegenLicht, Laugen, Säuren n. s. w. gewähre, also snr die Echtheit der Farbe wesentlich sei; jeden-falls ist die Farbe weniger dauerhaft, wenn nur kurze Zeit und ungenügend geölt ist.

Dem Türkischrot erwächst in neuerer Zeit ein sehr erfolgreicher Mitbewerber imParanitranilinrot, welches kurz erwähnt sein möge, weil es ein Beispiel gewährt, wie dieMethoden der Fcirbcnfnbrikativn zuweilen direkt in die Färberei übertragen und znr Er-zeugung von Farbstoffen in der Faser verwertet werden können. Wie wir oben gesehenhaben, werden die Azofarbstoffe durch Einwirkung einer Diazoverbindung aus gewisseKörper, namentlich Naphtole und deren Sulsvsänren erhalten. Vereinigen sich Diazo-verbindnngcn mit Sulfosäuren, so entstehen in Wasser lösliche Farbstoffe, welche Wolleund Seide im sauren Bade färben. Aus Diazove^bindungen, (wofern nur diese keineSulfosäuren find) und Naphtol selbst entstehen dagegen unlösliche Farbstoffe, welche infertigein Zustand für die Textilfärberei nicht verwendbar sind. Farbstoffe dieser Art könnenaber aus ihren Bestandteilen in der Faser, namentlich in Baumwolle bereitet werden,indem diese zuerst mit Naphtollösung getränkt und dann in die Lösung einer Diazover-bindnng gelegt wird; in dein zweiten Bade entwickelt sich dann augenblicklich die Azvfarbe,welche wegen ihrer Unlöslichkeit in Wasser und Seife waschecht ist und auch im übrigenrecht befriedigende Echtheit zeigt. Derartige, in der Faser zu entwickelnde Azofarbenauch Eis färben genannt (weil die Tiazoverbindnngen wegen ihrer leichten Zersetzlichkeitin der Wärme unter Kühlung durch Eis bereitet und verbraucht werden), sind in denletzten Jahren ziemlich in Aufnahme gekommen, sowohl in der Baumwollfärberei, wieim Kattnndruck, da sie auf ziemlich einfache Weise, ohne umständliches Beizen die Her-stellung waschechter Farben gestatten. Wie die Azofarben im allgemeinen liefern auchdiese meist orange, rote und braune Farben, von welchen das aus Paranitranilin undNaphtol bereitete Paranitranilinrvt z. Z. am wichtigsten ist; von den wenigen andereTöne zeigenden Farben dieser Gruppe sei nur das Tianisidinnaphtolblau genannt, welchesim Zengdrnck dem Indigo bedeutende Konkurrenz macht, leider aber sehr empfindlich gegenSchweiß ist und dadurch leicht verfärbt wird.

Angesichts der Fülle von künstlichen Farbstoffen, welche uns die zweite Hälfte undnamentlich das letzte Viertel des neunzehnten Jahrhunderts gebracht hat, erscheint eineauch nur annähernd vollständige Schilderung dieser Produkte an dieser Stelle unausführ-