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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Wesen imd Arten des Gcrbens.

und Schleimschicht (Malpighischer Schleim). Die erstere besteht aus vertrockneten, dünnen,hornartigen Zellen, die vollständig abgestorben sind und sich beständig abschuppen. DieSchleimschicht, welche die Hornschicht fortwährend erneuert, setzt sich aus lebenden, mit plas-matischem Inhalt versehenen Zellen zusammen. Die Lederhaut besteht aus Bindegewebs-fasern, die durch Gabelung vielfach verästelt sind, sich gegenseitig kreuzen und zu Bündelnvereinigt sind; dieselben laufen der Hantoberfläche ziemlich Parallel und sind mit mehroder weniger Flüssigkeit gefüllt, in welcher sich eine eiweißartige Substanz gelöst befindet.Die einzelnen Bündelfasern des äußeren Teiles der Lederhant vereinigen sich zu einemaußerordentlich feinen Gewebe, das intermediäre Lederhant, vom Gerber der Narbenoder die Narbe genannt wird. An die Lederhant schließt sich die Unterhant an, die aussehr lockerem Zellgewebe besteht und den Übergang zu dem Fettgewebe und den Muskel-fasern bildet. In der Unterhant sitzen außerdem die Schweißdrüsen, welche ihre Ab-sonderungen durch Kanäle bis auf die Oberfläche der Oberhaut führen. Die Hornschichtzeigt an verschiedenen Stellen hornartige Gebilde, wie Haare, Wolle, Borsten, welche inerweiterten, bis in die Unterhant reichen-den Einstülpungen der Oberhaut sitzen.

Zur Herstellung von Leder kann nurdie Lederhant dienen, aus welchem Grundedie Ober- und Unterhaut und die in derersteren eingebetteten Haare oder Wollevor dem Gerbprozesse entfernt werdenmüssen. Die von Oberhaut, Unterhaut,

Haaren oder Wolle befreite, mit Wasserstark getränkte Lederhant wird vom Ger-ber als Blöße bezeichnet. Wird dieLederhaut mit Wasser andauernd gekocht,so löst sie sich bis auf wenig Fett unddie Nervenfasern vollständig auf; nachdem Erkalten wird diese Lösung gallert-artig, und diese Gallerte liefert beim Aus-trocknen Leim. Man nennt aus diesemGrunde den Hauptbestandteil der Leder-haut, welcher gewissermaßen das Ge-rüste derselben bildet, „leimgebende Sub-stanz".

Die Gerberei verwendet vorzugsweise Häute vom Rind (dem Geschlechte, der Rasseund dem Entwickelungszustande nach unterscheidet man Ochsen-, Kuh-, Bullen-, Kipshäute,Kalbfelle u. s. w.), Roß, Büffel, Schwein, Schaf und von der Ziege; außer diesen ver-arbeitet sie, jedoch seltener, die Felle und Häute von Hirschen , Gemsen, Antilopen, Renn-tieren, Rehen, Eseln, Zebras , Hunden, Katzen, Seehunden, Elefanten, Rhinozeroffen,Beuteltieren, Krokodilen, Alligatoren, Schlangen, Fröschen und Fischen. Die Felle derverschiedensten Pelztiere werden unter Erhaltung der Haare oder der Wolle in der Pelz-gerberei verarbeitet. Der Gerber belegt im allgemeinen die Häute der größeren Tieremit dem Namen Haut, die der kleineren Tiere mit dem Namen Fell.

Im Handel sind die Häute oder Felle im frischen Zustande, wie sie vom Tiere ab-gezogen worden sind, oder im konservierten Zustande erhältlich. Die frischen Häute, diezur Verhütung der Fäulnis entweder sofort verarbeitet oder konserviert werden müssen,bezeichnet man als Grnnhäute oder grüne Häute. Behufs Konservierung werden dieHäute oder Felle mit Kochsalz (am besten reines Salz oder solches, das mit Petroleum denaturiert ist) cingesalzen (grün gesalzene Häute) oder eingesalzen und etwas auf-getrocknet (trocken gesalzene Häntei oder ohne Anwendung von Salz vollständig auf-getrocknet (Trockenhäute); zuweilen werden sie znr Konservierung auch geräuchert.

Die Beschaffenheit der Rohhant ist von großem Einfluß auf die Qualität des Leders;im allgemeinen liefert dünne, ungleichmäßig starke Rohware ein schlechtes Leder, während

609. Schnitt durch die Haut eines Nindes.^ Oberhaut, R Lederhaut, 6 Unterhaut.