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Gewinnung und Verarbeitung des Leders.
gleichmäßig starke, kräftige, kernige Häute gutes, qnalitätsreiches Leder liefern. Häutekranker oder gefallener Tiere sind weniger für die Gerberei geeignet als diejenigen ge-schlachteter oder erjagter gesunder Tiere. Ferner ist der Wert der Häute abhängig vonRasse, Alter, geschlechtlicher Thätigkeit, Nahrung und Pflege, z. B. liefern Häute vongroßen, starken Ochsen stärkeres und besseres Leder als Häute von Stieren und Kühen,zumal wenn die letzteren oftmals gekalbt haben; das Fell eines Kalbes, welches schonHeu oder Gras gefressen hat, liefert ein weniger gutes Leder als das Fell eines Kalbes,das lediglich mit Milch ernährt worden ist.
Die einzelnen Teile ein und derselben Haut sind in ihrer Qualität auch sehr ver-schieden. Der beste Teil befindet sich in der Mitte und zwar vom Schweife bis zum An-fange des Nackens und seitwärts bis über die Mitte des Bauches hinab (s. Abb. 610),welche die Hälfte einer Haut darstellt); man bezeichnet denselben als Kern oder Krouponund trennt ihn wiederum in zwei Teile, und zwar in den nach dem Schweife zu liegenden,Schild genannt, und den nach dem Nacken zu liegenden, Rücken genannt. Der Abfallist derjenige Teil, welcher verbleibt, wenn man aus der Haut den Kern herausschneidet
(Krouponierenj;
__ derselbe besteht aus
x-/Irr/»-- //-/»/dem Kopfe (Stirn-
ling und Laschen),Halse, den Vorder-klauen, Flämen oder8 Schlampen (das sind>die weichen lockeren^ Teile um die Schul-tergelenke der Vor-derfüße und die sichnach hinten zu an-schließenden Teile),die beiden Bauch-seiten und die Hinter-klauen, das Rand-stück des Schildesmit dem Schweifebezeichnet man alsKratze. Die bestenAbfallteile sind der Hals und die Kratze und die schlechtesten die Flämen.
Die Rindshaut ist unter allen in der Gerberei verwendeten Rohhautsorten ent-schieden die wichtigste; man unterscheidet hierbei die Zahmhaut und die Wildhant.Die erstere stammt von dem bei uns als Haustier gezüchteten Rind ab, während dirletztere dem namentlich in Südamerika, Australien, Ostasien und Südafrika in halberoder vollständiger Wildnis lebenden Rind entnommen wird. Da der europäische Kontinentnicht genügend Rindhäute der Gerberei zur Verfügung stellt, so werden bedeutendeMengen Wildhäute alljährlich aus den genannten Ländern zu uns importiert. Hanpt-stapelplätze dieser im getrockneten oder trocken gesalzenen Zustande zum Versand kommen-den Häute sind Hamburg, Antwerpen und Havre. Wir unterscheiden bei den Zahm- wiebei den Wildhäuten Ochsen-, Kuhhäute, Stier- oder Bullenhäute, ferner Kalbinnen, dievon Kühen abstammen, die noch nicht gekalbt haben und deswegen ein gutes Leder liefern.Die rothaarigen Häute sind wertvoller als die anders gefärbten. Bei Bullenhäutcn istder Rücken der Haut, welcher bei den übrigen Häuten der stärkste Teil ist, in großerAusdehnung dünn, während Hals-, Kopf- und Seitenteile eine übermäßige Ticke habenund von loser, schwammiger Textur sind, weswegen auch das daraus hergestellte Lederdiesen Eigenschaften entsprechend ausfällt. Der Gerber spricht von der „Stellung" derHaut und versteht darunter das Verhältnis der Fläche zur Dicke; eine voll- oder gut-gestellte Haut weist in allen ihren Teilen eine ihrer Ausdehnung entsprechende gleich-
610 . Die Teile einer Haut.