Band 
Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
Seite
642
JPEG-Download
 

642 Gewinnung und Verarbeitung des Leders.

gestellten Äscher, den sogenannten Schwelläscher, zn bringen. Nach dem Schaben werdendie Häute auf der Narbenscite geglättet, gewässert und zur Entfernung des Kalkes nacheinem der früher angegebenen Verfahren gebeizt, alsdann mit dem Streichciscn gestrichenund zur Gerbung fertig gemacht.

Die Gerbung wird in einer Reihe von Farben begonnen, deren Gcrbstoffgehaltallmählich steigt und deren Säuregehalt nur gering sein darf. Die Häute bczw. Fellewerden in die Farben entweder eingeworfen lAnfschlagfarbcn) oder an Stangen ein-gehänget! (Hängefarben). Tcr Gcrbstoffgehalt der Brühen wird durch Zugabe frischerLohe („Frischmachen") oder starker gcrbstoffhaltiger Brühen in jeder einzelnen Farbegenau geregelt. In der ersten Farbe, sogenannte „Eintreibfarbe", in welcher das Haut-material 1-—3 Tage verbleibt, ist es zur Erzielnng einer gleichmäßigen Angerbnng not-wendig, daß die Bloßen in der Brühe möglichst oft bewegt werden; es geschieht diesmit Hilfe eines in die Farben eintauchenden und in Bewegung gesetzten Haspelrades(„Haspclfarben") oder eines in der Flüssigkeit hin und her bewegten Brettes (Treib-vder Ziehbrett). In den übrigen Farben werden die Häute täglich entweder ein- biszweimal getrieben oder ebenso oft aufgeschlagen. Nach der vierten oder sünftcn Farbewerden die Kalbfelle znr Entfernung der letzten Reste der Unterhaut aus dem Baumemit einem halbstnmpfen Werkzeuge ansgcstoßen, und die Rindlcder werden in diesemZustande gesalzt oder gespalten. Blau macht die Häute beziv. Felle hierauf entweder inden Farben vollständig gar, oder man schließt noch ein Versenk oder ein Versenk undeinen Satz an. Nach erfolgtcr Gerbung werden die Leder von der anhaftenden Lohebefreit und znr Entfernung überschüssigen Gerbstoffes und der im Leder befindlichen, vomGcrbeprozessc herrührenden Säuren sorgfältigst ausgewaschen („windicren"); hieranschließt sich erst das Antrocknen, der Schmicrprvzeß und die eigentliche Zurichtung an.Bis znm Einfetten werden diese Arbeiten in derselben Weise wie beim Zcnglcder undBlankleder vorgenommen; das Einfetten erfolgt entweder auch in derselben Weise wiedort durch Auftragen des Fettes auf die Fleischseite des feuchten („windtrockenen") Ledersoder bei denjenigen Ledcrsvrten, die nicht geschwärzt oder anderswie gefärbt werdensollen, durch Einwalken des Fettes in heizbaren Walkfässern. Znm Schmieren (Ein-fetten) verwendet man vorzugsweise Talg, Thran und Degras; erst in neuerer Zeitbenutzt man in manchen Gerbereien für diesen Zweck auch anteilig Mineralfett (Vaseline,Paselineölc), Wollfett (namentlich die gereinigten Sorten) und zuweilen Pflanzenfette.Nach dem Schmieren ist die Zurichtung der verschiedenen Obcrlcdersorten je nach derArt derselben eine verschiedene; wir haben hierbei zn unterscheiden braunes Oberleder(die braunen Rindlcder nennt man Fahl- oder Schmallcder und die Kalbfelle brauneKalbfelle oder Wichskalbfellei, schwarzes Oberleder (bei diesem ist die Narbcnseite geschwärzt;man trennt hierbei wieder in genarbtes und satiniertes Leder) und schwarz gewichstes Leder.

Zur Herstellung des brauucu Oberleders (aus Rindhäutcu, Kipsen und Kalbfellen),welches bei der Verwendung mit der Fleischseite nach außen getragen wird, nimmt mannamentlich narbenbeschädigtes Hautmaterial. Nach erfolgten! Gerbe- und Schuiicrprozcßwerden die getrockneten Leder schwach angefeuchtet, zur Entfernung des nicht eingezogenenFettes auf der Narben- und Fjeischjcite abgestoßen („dcgrassicrt") und dann blanchiert. Inden meisten Gerbereien wird hierauf zur Erzielung eines hohen Grades von Glätte anf derFleischseite Seifenschmiere «d. i. eine Aufkochung von Talg, Thran und Seife in Wasser« auf-getragen. Die Leder werden alsdann gekrijpclt, pantofselt, nnter sich gezogen, an den Rändernbeschnitten, anf der Fleischseite mit Talkpulver bestreut und danach mit dem Glase geglast.

Das schwarze Oberleder, wozu narbcnreine Rohware verwendet werden mnß, wirdmeist nach dem Fetten, welches jedoch nnr in geringem Maße und von der Fleischseite ausstattfinden soll, auf der Narbcnseite geschwärzt und dann nochmals mit Talg und Tegrasoder reinem Thran auf der Narbenscite gefettet. Soll das Leder einen Chagrin eingepreßterhalten, so wird das Chagriuieren nach dein Schwärzen und Trocknen, zuweilen allerdingsauch vor dem Schwärzen ausgeführt. Das Schwärzen erfolgt in der Weise, daß die Narben-seite zunächst mit einer Blanholzabkochnng („Grund") und dann mit einer Eiseusalzlösnng< „Schwärze"), wozu man Eisenvitriol, holzcssigsaurcs Eisen u. s. w. (näheres hierüber beider Betrachtung der Ledcrfürbcrci« verwendet, ausgcricbcu wird. Genarbtes ichagrinicrtesLeder) wird nach dem zweiten Fetten im trockenen Zustande blanchiert, gekrispelt, aufpantoffclt,auf der Narbenscite mit einem Glanz (Leim- oder Eiweißglanz) versehen, an den Rändernbeschnitten und anf der Fleischseite mit Talkpulver bestreut. Soll der Narben nicht gekörnt