Mincralgerberei. 651
aus den Blößen zn entfernen. Die Gare oder Nahrung, d. i. das Gemisch der Gerb-materialien, wird hergestellt, indem der Alaun und das Kochsalz in heißem Wasser gelöstund die Eidotter und das Mehl mit der auf etwa 40 — 50 » 0. abgekühlten Lösung zueinem vollständig gleichmäßigen Brei verarbeitet werden. Man rechnet auf 100 Stückmittelgroße Felle im Durchschnitt 6 IcZ Mehl, 60 Stück Eidotter (entsprechend 1 leg oder1 I Faßeier), 5 lcx Alaun und 1,c> lc§ Kochsalz und 40 1 Wasser. Nach dem ursprüng-lichen Gerbeversahrcn werden die Felle in die Gare geworfen und in derselben mit denHänden oder Füßen so lange durchgearbeitet, bis sie fast vollständig von den Fellen auf-gesogen worden ist, was in 1 — 2 Stunden erreicht ist; gegenwärtig wird die Gare inkleinen Walksässern oder in den Walkwürfcln lTnrbnlcnten, d. s. würfelförmigehölzerne Gefäße, welche an zwei diametralen Ecken mittels Zapfen an einem Bocke auf-gehängt sind und durch ein Vorgelege in Rotation versetzt werden können) in die Felleeingcwalkt, welcher Prozeß in Stunde vollendet ist. Nach dem Garmachen bleiben
die Felle 12 — 24 Stundenliegen, werden dann mithölzernen Stampfen wenigeMinuten bearbeitet undschließlich getrocknet, wasmöglichst schnell, aber nichtbei zu hoher Temperatur(etwa bei 30—35» 6.) er-folgen muß. Die Zurich-tung der Glaceelcdcr wirdnicht direkt nach dem Trockneu, sondern möglichst erstnach einer mchrwöchentlichcnoder mehrmvnatlichen Lage-rung vorgenommen. Eswerden hierzu die Leder zu-nächst durch kurzes Ein-tauchen in Wasser eingeweichtund dann auf einige Stun-den in Kisten gepackt, damitsie sich ganz gleichmäßig mitFeuchtigkeit durchziehen;hierauf erfvlgtdaS Erweichender Felle durch Stampfen ineiner Kurbelwalke und danndas Stollen, wobei das Fellmehrmals nach allen Richtungen über die stumpfrnnd geschliffene Klinge des Stollpsahlesgezogen wird; das Fell erlangt dadurch schon einen hohen Grad von Weichheit und Ge-schmeidigkeit, und zugleich wird die nicht in das Fell eingezogene und angetrocknete Gareentfernt. Das hierbei abfallende Mehl, Stollmehl genannt, kann als Biehfutter,Weberschlichte u. s. w. Verwendung finden. Nachdem die Felle durch mehrstündigesHängen an der Luft etwas trockener geworden sind, werden sie zum Schluß auf der scharfenStollklinge gestollt, was man als „Überlassen" bezeichnet; es werden hierbei auch diedickeren Stellen der Felle entfernt.
Sollen die Leder weiß bleiben, so brauchen sie nur noch zur Erzielung einer reinenmeißen Farbe an der Sonne gebleicht zu werden. Die meisten Glaceelcdcr werden gefärbt; zudiesem Zwecke müssen sie zuvor „brochicrt" werden, d. h. es ist der Überschuß an Alaunzu entfernen. Beim Brochieren werden die Felle entweder in Fässern mit Hilfe der Händeoder Füße oder in Brochicrfässcrn, welche wie die Turbulenten beschaffen sind, mit kamwarmem Wasser ausgewaschen. Die Felle erhalten nach dem Brochieren noch eine Nachgarc,indem sie mit einer mit Eidotter versetzten Kochsalzlösung (ohne Mehl und Alaun) einigeZeit geknetet werden. Sollen die Glaceelcdcr aus der Fleischseite gefärbt werden, so muß
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