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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Gewinnung und Verarbeitung des Leders.

widerstandsfähig gegenüber Wasser; beim Fenchtwcrden und nachherigen Trocknen ver-liert es vollständig die Weichheit und wird wieder hart. Durch Waschen mit Wasser lassensich die gerbenden Bestandteile znm größten Teile wieder entfernen, wodurch Entgerbungeintritt.

Gewöhnliche Weißgerbe rei. Dieser Zweig, welcher als Gerbstoffe lediglichAlaun und Kochsalz benutzt, wird jetzt nur noch in verhältnismäßig geringem Umfangebetrieben, weil das auf diese Weise hergestellte wcißgare Leder durch lohgares oder fett-gares Leder ersetzt worden ist. Man gerbt nach diesem Verfahren namentlich Schaf- undZicgenselle, seltener Kalbfelle und Rindhäute (für Geschirrleder). Das Hantmaterialwird in der früher beschriebenen Weise geweicht, im Kalkäscher geäschert (Schaffelle werdenznr Schonung der Wolle meist auf der Fleischseite angeschwödet), alsdann enthaart, gutrein gemacht und mit Kleienbcize gebeizt. Der Gerbcprozeß wird ausgeführt, indem mandie Blößen entweder mit der Alaunkochsalzmischnng oder mit einer konzentrierten Lösungderselben auf der Narben- und Fleischseite einreidt und einige Tage liegen läßt, oderindem man sie in eine lauwarme Lösung von Kochsalz und Alaun auf mehrere Tage ein-hängt. Man rechnet im Mittel auf 10 üx Alaun 25—35 kx Kochsalz, welche in 100 lWasser zu lösen sind. Nach erfolgten Gcrbnng und Trocknung muß das Weißgare Leder,da es in diesem Zustande steif und hornartig ist, zugerichtet werden. Zu diesem Zweckewird es zunächst schwach angefeuchtet, und alsdann wird der Zusammenhang der einzelnenLederfascrn durch mechanische Bearbeitung, durch das Stollen oder Schlichten, gehoben,wodurch das Leder die gewünschte Weichheit erlangt. Zur Egalisierung der Fleischseitewerden die Felle nach dem Stollen nochmals mit dem scharfen Schlichtmonde bearbeitetund für manche Zwecke noch mit Bimsstein abgerieben.

Ungarische Weißgcrberei. Man verwendet hierzu starke Häute, welche durchScheren mit einem scharfen Messer von den Haaren befreit werden; an den Gcrbeprvzcß,welcher ebenso wie in der gewöhnlichen Wcißgerbcrei ausgeführt wird, schließt sich die Zu-richtung und das Einbrennen mit geschmolzenem Talg an. Die letztere Operation erfolgtin gleicher Weise wie das Einbrennen des Ricmenleders. Diese gefetteten wcißgarcnLeder, welche jetzt nur noch wenig erzeugt werden, dienten früher namentlich znr Her-stellung von Pferdegeschirren und sonstigen Riemerarbeiten.

Pclzgerberci (Rauchwarcngerberei). Bei diesem Zweige der Gerberei, welcherdie Häute und Felle der verschiedensten Tiere, besonders der sogenannten Pelztiere, fürdie Kürschnerei verarbeitet, ist auf vollständige Erhaltung und Schonung der Behaarungder größte Wert zu legen. Die Gcrbnng erfolgt entweder mit Alaun und Kochsalz odermit Kochsalz bei Gegenwart von organischen Säuren, die sich durch saure Gärung vonKleie gebildet haben (Essigsäure und Milchsäure). Die Felle werden so kurz wie möglichgeweicht, znr Entfernung vom Fleisch und znr Erweichung auf dem Baume mit einemSchabemesser geschabt und dann aus der Fleischseite entweder mit Alaun und Kochsalzoder, wie es meist geschieht, mit Gcrstenschrvt oder Weizenmehl eingerieben. Die zusammen-gerollten Felle (Fleischseite nach innen) werden in Fässern eingeschichtet und mit starkerKochsalzlösung übergössen; nach 24 Stunden werden die Felle umgelegt, und dies wieder-holt man alltäglich, bis die vollständige Gare der Felle nach 8 —12 Tagen erreicht ist.Die Trocknung und weitere Zurichtung sind im wesentlichen ebenso wie bei der Weiß-gerberei.

Die Glacecgerberei, welche vorzugsweise Lamm- und Zickelfelle zu Handschuh-leder verarbeitet, bedient sich des Alarmes, Kochsalzes, Mehles und der Eidotter als Gerb-materialien. Bei der Herstellung von Glacceleder ist sowohl auf die Vorarbeiten, als auchauf die Gcrbnng und Zurichtung die größte Sorgfalt zu legen, weil man an diese Leder-art die höchsten Anforderungen in Bezug aus Weichheit, Dehnbarkeit und Festigkeit stellt.Felle älterer Tiere werden stets ein schlechtes Glacceleder liefern. Die gut geweichtenFelle werden znr Haarlockcrnng entweder in den Kalkäscher gebracht oder aus der Fleisch-seite mit Arsenikschwöde angeschwödet; nach der Enthaarung ist durch gutes Wässern,Beizen (Hnndekot und Kleienbeize) und mechanische Bearbeitung der Fleisch- und Narben-seite (die sogenannten „Fronarbeiten "; Fleisch- und Narbenfa^on) der Kalk sorgfältig