664 Gewinnung und Verarbeitung des Leders.
bringendstcn in der großen Kette der Lederbecirbeitnngsmaschincn und fast in jeder Schuh-fabrik vertreten.
Diejenige Arbeit, durch welche eine erste Verbindung der Sohle mit dem Oberlederhergestellt wird, heißt man in der Fachsprache „Aufzwicken" oder „Montieren". Esist dies eine Manipulation, die noch heute, trotzdem verschiedene sog. „Zwickinaschinen"-systeme existieren, in vielen Fabriken „von Hand" ausgeführt wird, und besteht darin,das Oberleder fest über den Leisten zu spannen und vermittelst eiserner Stiftchen mit derbereits vorher aufgehefteten Brandsohle zu verbinden.
Die Arbeiter, welche diese Arbeit machen, nennt mankurzweg „Zwicker"; sie arbeiten im Stehen an Tischen,aus welchen die Lcistcnständer oder Zwickstöckc <Abb. 639)befestigt sind. Sie verwenden dabei auf der Sohle mitEisenblech beschlagene hölzerne oder ganz eiserne Leisten,
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damit die Zwickstiste, mit denen der Schaft an die Brandsohle geheftet wird, nicht in denLeisten eindringen, sondern sich umnieten. Die beim Zwicken znr Verwendung gelangendeneisernen Zwickstiste, Täcks genannt, hat der Arbeiter im Munde, und er mutz beständigbemüht sein, einigen dieser Nagel mit Zunge und Lippe die Lage zu geben, daß die Stift-köpse zum Munde heraussehen und mit der Zwickzange (Abb. 640) gefaßt werden können.Die mit der Zange aus dem Munde geholten Stifte druckt der Zwicker nun in das über-gezogene Leder und schlägt sie mit dem an der Zange befindlichen Hammer in den Schaft,so daß sich die Spitzen der Nagel auf der harten Sohle des Leistens umlegen. Im Gelenkist bei schwerem Schuhwerk eine größere Zugkraft, als sie mit der gewöhnlichen Zwickzangeausgeübt werden kann, nötig, und man bedient sich in solchem Falle, um die Gelcnkpartiegründlich herein zu ziehen, einer kräftigeren Zange anderer Konstruktion, wie sie unsereAbb. 641 vor Augen führt. Ist auf diese Weise das Oberzeug über den Leisten gezwicktund an die Brandsohle mit den Nägeln festgeheftet, so entfernt man die zwei vorher zumZweck des Festhaltcns der Brandsohle eingeschlagenen Nägel, setzt die vorher ausgestanztenund abgeschürften Gelenkeinlagen auf und heftet sie auf der Brandsohle fest. Die vorher inder Form gepreßte Sohle, welche auch mit dem Riß für die Naht versehen ist, wird jetzt,nachdem die Innenfläche derselben mit Kleber überstrichen wurde, ausgelegt und provisorisch,wie vorher die Brandsohle, wieder mit zwei Stiften festgeheftet.
640. Iwickzmixc. 64r. Gclciikzwickrmigc.
Der eben geschilderte Arbcitsgang behandelt insbesondere die Arbeit des Aufzwickens mitder Hand. Davon wesentlich verschieden ist die gleiche Arbeit mit der Maschine, wenn auchdabei die gleichen Grundsätze wie bei der Handarbeit maßgebend sind. Die Maschinen, welche zumZwicken in Betracht kommen, kann man in zwei Kategorien einteilen, und zwar in solche,die den Schuh oder Stiefel thatsächlich auszwicken, d. h. mit Zangen fest über den Leistenspannen, und solche, die lediglich das Einschlagen der Zwickstiste besorgen, ohne daß sie mitdem eigentlichen Auszwicken selbst etwas zu thun haben. Wenn schon die Zwickmaschinekeine neue Maschine mehr ist, so ist es doch die Neuzeit, in der das Interesse für sie, die imLaufe der Jahre verschiedene Verbesserungen erfuhr, mehr zugenommen hat. Keine der vielenOperationen in der Schuhfabrikation muß mit mehr Sorgfalt ausgeführt werden wie dasZwicken; von ihr allein hängt das gute Tragen des Stiefels ab, und ein schlecht gezwickterSchuh oder Stiefel wird während des Tragens niemals lange ein gutes Aussehen behaltenund immer schlecht am Fuße sitzen. Es muß beim Zwicken das Leder tüchtig über denLeisten gezogen, es muß ihm sozusagen der letzte Zug genommen werden, wenn der Schuhwährend des Tragens Form behalten und gut sitzen soll.