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Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
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Einleitung: Entwickelung des Verkehrswesens.

eigener Anschauung fremde Verhältnisse und Einrichtungen kennen zu lernen und persön-liche Beziehungen anzuknüpfen. Ohne Eisenbahnen würde die Verbreitung der Zeitungenin dem heutigen Maße nicht ausführbar gewesen und deren in geistiger Beziehung nichtgering anzuschlagender Einfluß nicht zur Wirksamkeit gekommen sein. Die modernenVerkehrsmittel haben jedoch nicht nur in geistiger, sondern auch in sozialer und politischerBeziehung eine ganz eminente Umwälzung in den Verhältnissen herbeigeführt. Diewirtschaftliche Lage der unteren Volksklassen hat unleugbar sowohl durch die vermehrteArbeitsgelegenheit wie nicht minder durch die möglich gewordene reichlichere und billigereBedarfsversorgung eine große Besserung erfahren. Hungersnöte, diese so häufigen trau-rigen Erscheinungen früherer Zeiten, gehören heute in vielen Ländern zu den überwundenenDingen. Das entwickelte Verkehrswesen hat die entferntesten Länder zu Vcrsorgnngs-stätten der an Nahrungsmitteln ärmeren Gebiete umgeschafsen. Wie die Eisenbahnengleichsam eine Allgegenwart der staatlichen Zentralgewalt im Gefolge gehabt, so habensie auch eine Beteiligung der Völker an der Bearbeitung der Staatsangelegenheitenermöglicht. Der Einfluß der Eisenbahnen macht sich jedoch nicht nur auf allen Gebietendes Völkerlebens in friedlichen Zeiten geltend, sondern dieses gewaltige Verkehrsmittelübt auch auf den furchtbarsten Zustand, in welchem sich die Völker befinden können, aufden Krieg und dessen Führung, seine Macht aus. In Verbindung mit der Vervollkomm-nung der Kriegswaffen trügt die Eisenbahn zur Abkürzung der Kriege ganz wesentlichbei, da die durch sie möglich gewordene rasche Zusammenziehung ganz ungeheuer großerMenschenmengen mit Notwendigkeit eine schnelle Entscheidung bedingt.

Die Einwirkungen des Eisenbahnbanes lassen jedoch auch noch nach anderer Richtunghin die Eisenbahn als einen außerordentlich mächtigen Knltnrsaktor erscheinen. Mankann annehmen, daß der bisherige Eisenbahnbau mindestens 1 Million Arbeiter beschäftigthat. Die Eisenbahnbauten haben überall zu dem Wohlstände der betreffenden Gegendenbeigetragen. Ihr Einfluß auf die Bodenrente läßt sich nach 3 Richtungen hin verfolgen.Die für den Bahnkörper nötigen Grundankänfe bewirken im allgemeinen eine Wert-steigerung, der sogenannte tote Boden gewinnt nicht selten durch die Ausnutzung alsSand- und Lehmlager Wert, und die Forstrente erfährt in der Regel durch den Bezugvon Gerüst-, Bau- und Geräteholz, sowie der Bahnschwellen einen Preisaufschwung.Einen ganz besonders starken Einfluß üben die Eisenbahnen auf den Geldmarkt aus,und diesem Einfluß kommt eine große volkswirtschaftliche Bedeutung zu. Recht bezeichnendfür die Bedeutung der Eisenbahnen ist der Ausspruch: „Die Menschheit hat durchStephenson erst gehen gelernt."

Mit außerordentlicher Schnelligkeit, wenn auch unter Überwindung mancher sichentgegenstellender Hindernisse hat die Eisenbahn sich die Welt erobert. Bei der Bedeutungder Eisenbahnen erscheint es erklärlich, daß sie als ein Maßstab für den Kulturstand dereinzelnen Staaten betrachtet werden, und der Entwickelung des Eisenbahnwesens bei denverschiedenen Völkern ist daher besondere Beachtung zuzuwenden. Der einst vonStephenson bei einem Mittagsessen mit seinem Sohne und dem Mitinhaber seinerPatente, John Tixon, gethane Ausspruch ist zur Wahrheit geworden. Jene Äußerunglautete: „Ich glaube, ihr erlebt den Tag, wo Eisenbahnen alle anderen Beförderungsartenim Lande ersetzen werden, wo die Postkutschen auf den Schienen gehen und die Eisenbahndie Hauptstraße für König und Unterlhan sein wird. Die Zeit wird kommen, wo manbilliger mit dem Dampfwagen als zu Fuß reisen kann. Ich weiß es wohl, man wirdfast nnübersteiglichen Hindernissen begegnen, doch was ich gesagt habe, kommt, so wahrich lebe. Ich wünschte nur, ich erblickte jenen Tag, ob ich es gleich nicht hoffen darf, dennich weiß, wie langsam menschliche Fortschritte sich vollziehen und mit welchen Schwierig-keiten ich zu kämpfen gehabt habe, ehe ich es dahin brachte, meine Lokomotiven trotz ihrermehr als zehnjährigen erfolgreichen Verwendung in Killingworth weiter benutzt zu sehen."

Mit dem vom 6. bis 8. Oktober 1829 stattgefnndenen Lokomotivwettrennen zuRainhill und der Eröffnung der Liverpool-Manchester-Bahn im Jahre 1830 begannder Siegeslauf des neuen Verkehrsmittels, dessen allmähliche technische Ausgestaltung aneiner anderen Stelle dieses Werkes geschildert ist. Die Abb. 13 bis 15 geben einige