424
Siromkorrcktionen.
bietet die den Zugang van der See nach Glasgow bildende Cly de. Glasgow , seit Jahr-hunderten eine der reichsten und bedeutendsten Städte Schottlands , verdankte diese Stellungausschließlich seiner Industrie; besonders wurden daselbst im großen Maßstabe Zucker-raffinerien und Wollfabriken betrieben. Mit Beharrlichkeit richtete sich das Bestreben derGlasgower Kaufleute daraus, einen Teil des Handels mit Amerika in die Hände zu be-kommen. Die Stadt lag zwar an einem Fluß, der Clyde, aber dieser besaß eine so un-genügende Tiefe und führte so wenig Wasser, daß er der Schiffahrt keine Dienste zuleisten vermochte. Nach einem im Jahre 1775 erstatteten Bericht konnte man den Flußbequem durchwaten, an einigen wenigen Stellen war eine Tiefe von etwa 40 am beiNiedrigwasser vorhanden. Mit Hilfe der kräftigen Flutwelle, die Englands Küste bespült,ist dieser Fluß allmählich derart verbessert worden, daß Schisse mit 3000 Tonnen und7,Z in Tiefgang nach Glasgow an den Broomielaw kommen und diese Stadt sich infolgeder Verbesserung ihres Zugangs von der See her zu der größten Handels- undFabrikstadt Schottlands aufgeschwungen hat, auf deren berühmten Werften die größtenSeedampser gebaut werden. Dieses freilich erst in langen Jahren erreichte Ziel hatGlasgow in der Zeit von 1770—1785 reichlich 136 Millionen Mark gekostet, die aufdie Regulierung der Clyde und den Bau der Hafenwerke verwendet worden sind. Diesegroßen Kosten sind allerdings zum Teil dadurch entstanden, daß an der Clyde , wie ananderen im Flutgebiet gelegenen Flüssen in England, ebenso wie auch in Deutschland , infrüheren Jahren nicht die richtigen Bauweisen zur Regulierung in Anwendung gebrachtworden sind; man hat lange für die im Flutgebiet gelegenen Strecken dieselben Regelnbefolgt, die für den oberen Lauf Gültigkeit haben, für das Flutgebiet aber wie mannunmehr erkannt hat, geradezu verwerflich sind.
Sind sonach zwar die Engländer mit der Ausführung der Regulierungen imFlutgebiet vorangegangen, so gebührt doch dem Hamburger Wasserbaudircktor Tal mann(gest. 1875) daS Verdienst, in seiner im Jahre 1856 erschienenen Schrift „Über Strom-korrektionen im Flutgebiet" dieses wichtige Gebiet zum erstenmal wissenschaftlich unter-sucht und beleuchtet zu haben. Den bis jetzt an Klarheit und Gründlichkeit unerreichtentheoretischen Ausführungen Talmanns steht die vom Oberbaudirektor L. Franzius inBremen auf wissenschaftlicher Grundlage geplante, in den Jahren 1887 — 1896 in hervor-ragender Weise und mit großem Erfolg ausgeführte Korrektion der Unterweser ebenbürtigzur Seite.
Der Hauptzweck einer Flnßkorrektion ist in den meisten Fällen die Herbeiführungeiner regelmäßigen und unschädlichen Fortbewegung der Stickstoffe (Gerölle, Kies, Sand,Schlamm, Schlick), um dadurch die für die Schiffahrt nötige Fahrwassertiefe zu schaffenund zu erhalten.
Bei der Ausführung einer Regulierung geht das Bestreben des Flußbaumeistersdahin, das Arbeitsvermögen des Flusses d. h. die ihm vermöge seiner Wassermenge undderen Geschwindigkeit innewohnende Kraft zur Mitwirkung heranzuziehen. Die im oberenLaufe der Flüsse abfließende Wassermenge hat, von den durch meteorologische Vorgängehervorgerufenen Schwankungen abgesehen, im allgemeinen eine bestimmte, leicht meßbareGröße, die durch keine baulichen Eingriffe vermehrt, höchstens geregelt oder durch Ableitungverkleinert werden kann. Auch die Geschwindigkeit der stets in einer Richtung, thalabwärtssich bewegenden Wassermeuge kann nur innerhalb der durch das vorhandene Gesällegegebenen Grenzen verändert werden. Anders verhält sich die Sache im Flutgebiet: dortbewegt sich im Flußbett nicht allein das von oben kommende, seewärts fließende Ober-wasser, sondern infolge der Flutbewegung des Meeres von der Mündung landeinwärtsnoch eine, jenes um das 50—lOOfache übertreffende Wassermenge. Das von der Seein den Flußlaus einströmende Wasser schiebt das Oberwasser vor sich her und staut esauf. Nach einem gewissen Zeitraum flutet es wieder seewärts zurück. Diese im Flut-gebiet sich bald seewärts, bald landwärts bewegende Wassermasse hat jeden Augenblickeine veränderte Größe und veränderte Geschwindigkeit. Je mehr das Eindringen derFlutwelle in den Flußlauf durch Beseitigung etwaiger Hindernisse an der Mündung undim Flußbett selbst erleichtert wird, um so größer wird die einströmende Waffermasse