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Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
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Alte und moderne Slrombauknnst.

geführt, das ungefähr 70 I<m oberhalb der Wesermündung liegt und den Endpunkt derOberweserschiffahrt bildet. Bis nach Bremen konnten früher die wenig tiefgehendenSeeschiffe die Weser hcranfgelangen, so daß dort von Bord zu Bord d. h. unmittelbarvom Seeschiff in das Binnenschiff und umgekehrt verladen werden konnte. Tie mit derEntwickelung der Seeschiffahrt immer größer gebauten Schiffe vermochten auf der unregu-lierten, immer mehr verwilderten Weser schließlich nur noch bis Bremerhaven, Geeste -münde und einigen weiteren Unterweserhäfen, aber nicht mehr bis Bremen selbst gelangen;anderseits war es den leichtgebauten hölzernen Oberweserkühiien nicht möglich, dieUnterweser wegen des auf derselben herrschenden heftigen Wellenschlages zu befahren.So konnte also nicht mehr von Bord zu Bord umgeladen werden, und die Leichterschiffeoder die Eisenbahn mußten den Verkehr zwischen Flußschiff und Seeschiff vermitteln. Da-durch wurden natürlich die Frachtkosten gewaltig verteuert, und Bremen blieb hinter seinenNachbarn Hamburg, Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen , die sich neu ausgebauterHäfen mit verbesserten Zugängen von der See und namentlich auch verbesserter Wasser-verbindungen nach dem Binnenlande erfreuen, weit zurück. Wo solch mißliche Verhält-nisse für einen Hafenplatz eintreten, ist die Verbesserung der Schiffahrtsstraße dringendnotwendig, damit die Seeschiffahrt — das billigste Verkehrsmittel — möglichst weit indas Binnenland hinein fortgesetzt werden kann, wodurch große Summen gespart, Handelund Industrie gesteigert werden und der in seiner Existenz bedrohte Hasen den Wett-bewerb mit seinen Nachbarn bestehen kann. Aus den angeführten Gründen hat die Ver-besserung der Flnßläufe im Laufe der Zeit eine immer größere Wichtigkeit erlangt.

Tie Strombaukunst, die sowohl eine genaue Kenntnis der allgemeinen natür-lichen Verhältnisse, als auch ein eingehendes Studium der Besonderheiten jedes Fluß-laufs voraussetzt, ist verhältnismäßig sehr jungen Datums. So hervorragende Leistungendie antiken Ingenieure auf den verschiedensten Gebieten der Technik hervorgebracht haben,aus dem Gebiete des Strombanes müssen ihre Leistungen als ziemlich unbedeutend be-zeichnet werden. Am meisten Schwierigkeiten bereitete den Ingenieuren im Altertum dieOffenhaltung der Flußmündungen, an denen die ungeheueren Sandablagerungen dieSchiffahrt im Laufe der Zeit außerordentlich beeinträchtigten, ja unmöglich machten.Hier suchte man durch die Schaffung neuer künstlicher Flußarme die unterbrochene Ver-bindung mit dem Meere wiederzugewinnen. Tie erste bekannte derartige künstliche Wasser-straße, znm Zwecke der Offenhaltung der Schiffahrt hat bereits Nebukadnezar geschaffen,der den 600 üm langen Kanal, Pallakopas genannt, herstellen ließ, der außer als fahr-bare Wasserstraße hauptsächlich dazu diente, die Sumpfgebiete an der Euphratmündungzu entwässern. Im November jedes Jahres mußte der Kanal geschloffen werden, da sonstdie Bewässerung der Ländereien nicht möglich war, indem zuviel Wasser zum Abflussegelangte. Tie Schließung des Kanals war sehr kostspielig und mühevoll. Sie lag demSatrapen von Babylon ob und bedingte die Beschäftigung von 10 000 Menschen währenddreier Monate. Um den Umfang dieser Arbeit einzuschränken, ließ Alexander der Große eine neue Kanalmündung, die festeren Boden durchschnitt, herstellen. Tie Spuren desPallakopas mit seinen vielen Seen sind heute noch zu verfolgen. Mit Recht erblickt manin diesem künstlichen Flußlauf ein hervorragendes Werk des chaldäischen Volkes, bedingtedoch die damals allein zur Verfügung stehende Menschenkraft die Vereinigung vielerTausende zur Schaffung derartiger Riesenbauten. Viele Jahrhunderte später ahmtendie Römer das gegebene Beispiel nach und schufen an der Rhone die t'ossa raariana undan dem Tiber die t'ossa, traiana.

Tie fortgeschrittene Technik der Neuzeit löst derartige Aufgaben in vollständig andererWeise. Die auf die Verbesserung von im Flntgebiet belegenen Flußmündungen ge-richteten Bestrebungen haben Werke entstehen lassen, die zu den bedeutendsten Schöpfungenauf ingenieurtechnischem Gebiete zu zählen sind. Tie englischen Ingenieure waren dieersten, welche mit der Korrektion der im Flutgebiet gelegenen Flüsse vorangingen, unddie erreichten Erfolge haben den Beweis geliefert, daß die auf die Verbesserung wichtigerSchiffahrtswege aufzuwendenden Mittel kaum zu groß werden können. Tas älteste undmit dem bedeutendsten Erfolge gekrönte Beispiel von Regulierungsarbeiten im Flutgebiet