470 Schiffahrtskanälc.
Schiff fährt in die Kammer ein. Hierauf wird das untere Thor geschlossen, sodannwerden die Schützen des oberen Thores gezogen, infolgedessen steigt der Wasserspiegel inder Kammer an und hebt das Schiff allmählich. Sobald das Wasser in der Kammerbis zum Oberwasserspiegel angestiegen ist, kann das obere Thor geöffnet werden und dasSchiff ausführen. In ganz ähnlicher Weise erfolgt die Beförderung der Schiffe ans demOberwasser in das Unterwasser. Die Thore sind meist zweiflügelig (a a) und stemmensick, wenn der Wasserdruck auf sie wirkt, mit den senkrechten Schlagsänlen aneinander(Stemmthore), mit den Untcrkanten gegen die Schwelle oder den Drempel b und mit denWcndesäulcn gegen die Wandnischen (o o). Nach geschehener Öffnung liegen die Thor-flügel in den Thorkammernischen <l ck, welche zu beiden Seiten der Thorkammer s s sichbefinden. Zwischen dem Trempel des oberen Thores und der Thorkammer des unterenThores liegt die schon erwähnte Kammer § zur Ausnahme des zu befördernden Schiffes.Der Drempel des oberen Thores ist bei Fluß- und Kanalschlensen vielfach durch einen Abfall-boden oder eine Abfallmauer l l begrenzt. Der oberhalb der Kammer liegende Schleusen-
teil heißt das Oberhaupt,der unterhalb gelegene Teildas Unterhaupt. DieseBezeichnungen gehen zu-weilen in Innen- undAußenhanpt über, wenn dieSchleuse einen Kanal gegeneinen Strom, einen Seeoder das Meer begrenzt.Um bei nötig werdendenAusbesserungen der Thoreoder anderer Schleusenteileeinen möglichst einfachenwasserdichten Abschluß zuermöglichen, werden an denbeiden Häuptern ii Damm-salze an den Seiten von dieangebracht. In diese werdenbei eintretendem Bedarf dieDammkalken wagercchtund dicht aufeinander ge-legt, und so wird eine wasser-absperrende Wand gebildet, die das Auspumpen des Schleusenraumes gestattet.
Eine gewöhnliche Kammerschleuse kann einen Höhenunterschied bis zu etwa 6 müberwinden. Die Aufeinanderfolge mehrerer Schleusen und Haltungen nennt man eineSchleusentreppe (siehe die Abb. 476). Wo das natürliche Gelände steil abfällt, rückendie einzelnen Schleusen nahe zusammen, mitunter so nahe, daß eine Schleuse unmittelbarauf die andere folgt. Es bildet dann das Unterhanpt der oberen Schleuse zugleich dasOberhaupt der unteren Schleuse. Solche zusammenhängende Schleusen nennt manKuppelschleusen (s. Abb. 479). Handelt es sich um die Überwindung von größerenGefällen, so wird die gewöhnliche Kammerschleuse zur Schachtschlense umgebildet, beider das Unterhaupt eine tnnnelartige Ausfahrt bildet, so daß hier die Thore, wenn dasOberwasser auf sie wirkt, auch oben gestützt werden. Eine derartige Schleuse ist im Kanalvon St. Dcnis bei Paris mit 9,92 m Gefälle ausgeführt worden, für den Donau-Moldau-Elbekanal sind solche mit 10 m Gefälle entworfen worden.
Nicht minder reich an Kanälen wie die Lombardei ist Holland . Die Natur desLandes zwang die Bewohner frühzeitig zur Erbauung von Teichen und Kanälen undließ die Wasserbanknnst zu großer Vollendung gelangen. Den Beginn der Kanalbautenbildete hier die Herstellung von Abzugsgräben zur Trockenlegung des Landes. DieLeichtigkeit der Verkehrsansbildung aus diesen Wasserwegen führte zu deren stetiger Ver-
Längenschnitt.
Grundriß.
477. Kammkrschlruse.