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Schiffahrtskanäle.
Framois Audrcosjy ward am 10. Juni 1833 zu Paris geboren. Er widmete sich demStudium der Mathematik und Mechanik. Im Jahre 1656 war er in Languedoc , 1660 ginger nach Italien . Im Alter von 27 Jahren unterbreitete er Riquct fein Projekt, 1664 legteAndrcossü dem Chevallier de Clcrville den detaillierten Entwurf nebst Kostenanschlag vor. derdas Projekt 1666 zur Kenntnis des Königs brachte. Colbert, wie auch Ludwig XIV. wandtendem Unternehmen große Beachtung nnd Unterstützung zu.
Angeregt durch die Inaugenscheinnahme der französischen und namentlich derholländischen Kanalverbindungen wandte Peter der Große der Schaffung von künst-lichen Wasserwegen in seinem ungeheuren, noch auf einer verhältnismäßig tiefen Stufeder Kultur stehenden Lande seine Aufmerksamkeit zu. Sein weiter Blick ließ ihn erkennen,welch großen Einfluß die Schaffung derartiger Verbindungswege auf die Hebung desHandels und der Industrie seines Volkes ausüben mußte.
In der That ist eine Betrachtung Rußlands in hohem Maße geeignet, die Bedeutung derSchaffung neuer Verkehrswege für die Hebung des Kulturstandes darzuthun. Durch dieErbauung von Wegen und Kanälen näherte sich Rußland im 17. und 18. Jahrhundert ganzwesentlich der abendländischen Kulturwelt. Bei der Einführung der Berkehrsanstalten dientendie Einrichtungen höher kultivierter Länder zum Muster. Durch Kuuststraßen und Kanälemußte das räumlich ungeheuer große russische Reich gleichsam kleiner gemacht werden, konntedoch nur durch derartige Kommunikationsanstalten es ermöglicht werden, daß der Einflußeiner höheren Zivilisation sich tiefer in das Reich hinein erstreckte. Im Anfange des 17. Jahr-hunderts war von Kuuststraßen noch gar keine Rede, außerordentlich spärlich war die Be-völkerung über das unermeßliche Gebiet gesäet. Die großen Entfernungen der Lrtschaitcnvoneinander trugen erklärlicherweise zur Erschwerung und Verteuerung der Wege bei. Dergrößte Teil der ackerbautreibenden und gcwerbthütigcn Landschaften Rußlands , sowie eingroßer Teil des Waldgebiets gehören den Zuflußbcckcn der Wolga und des Tnjepr an.Bereits zur Zeit der Waräger bestand ein lebhafter Handel aus den Quellgebietcn der beidengenannten Ströme nach den von den Hansestädte» au der baltischen Küste errichteten Faktoreien.Bei diesem Transport mußten die Waren znin Teil über Land geschleppt werden.
Als Peter der Große sein Reich bis an das Meer ausgedehnt und den Plan gefaßthatte, seine Hauptstadt an diesen Gestaden zu errichten, mußte in den bis dahin bestandenenurwüchsigen Zustünden eine Änderung eintreten. Francis Lee, ein englischer Geistlicher, ver-faßte 1698, als Peter der Große in England weilte, für denselben einen Resormcntwurs, dessenDurchführung verschiedenen Behörden übertragen werden sollte. Eine dieser Behörden solltees sich angelegen sein lassen, die Natur zu vervollkommnen und zu diesem Zwecke, unteranderen Bauten, Kanalanlageu ins Leben rufen. Bereits etwas früher war der Anfang mitder Anlegung eines Kanalspstems im russischen Reiche gemacht worden. Im Jahre 1698hatte Peter in Woronesh den Entwurf zur Verbindung des Ton mit der Wolga bestätigt.Fürst Boris Alexejewitsch Galizpn sollte die Ausführung leiten, nnd 35000 Arbeiter wurdenaus den nächstgclegencn Provinzen versammelt. Technischer Leiter war zuerst Thomas Bailp,später der deutsche Jngeuieurobcrst von Brücket. Letzterer war der Sache nicht gewachsen,die erste Schleuse stürzte beim Einlassen des Wassers ein, und der Erbauer entfloh. JohnPerry, ein außerordentlich tüchtiger englischer Ingenieur, der im Jahre 1698 dem ZarenPeter bei dessen Anwesenheit in England empfohlen und von ihm mit 300 Pfund Gehaltin Dienst genommen worden war, setzte die Arbeit mit 12000 Arbeitern fort. Da derselbejedoch in Rußland zwar außerordentlich viel Arbeit fand, aber keine Bezahlung erhielt, ver-ließ er, als Mahnungsversuche nichts halsen, trotz der Drohung des Zaren, ihm den Kopsabschlagen zu lassen, das Land.
Bald nach der Gründung Petersburgs saßtc Peter den Plan zur Schaffung einer Wasser-straße, die den neuen Hasen mit dem Landcsiuneren verbinden sollte. Im Jahre 1711 wurdeder Kanal, welcher die Twcrza ^Nebenfluß der Wolga) mit der Msta (Nebenfluß des Wolchow )verbindet, vollendet. Die beiden Wasserstraßen, welche nach Peters Plänen die Wolga mitdein Ladogasee und St. Petersburg verbinden sollten, kamen erst unter Katharina II. undPaul zur Vollendung. Es ist namentlich das Verdienst des Grafen Sievers, daß dieses„Tichwinsche Spstem" und das „Marien-Kanalsystcm" fertiggestellt wurden. Auchdie Verbindung des Tnjepr mit der bei Riga mündenden Tüna ist auf die Anregung Sievers'zurückzuführen. Die letztere Kommunikation wurde durch den im Ansauge dieses Jahrhundertserbauten Beresinakanal bewirkt, während durch deu Lginskikanal der Tnjepr mit demNjemen verbunden wurde. Die Verbindung des Tnjepr niit dem bei Nowo Georgiewsk indie Weichsel mündenden Bug, der Königskanal, ist ein Werk des letzten polnischen Königs,Stanislaus August. Der das Stromgebiet der Weichsel von Narew aus mit dem Njemenverbindende Augustowoer-Äanal wurde gegen Ende des vorigen Jahrhunderts angelegt.Da der Lginskikanal und der Königskanal die Hafenstädte Mcmel, Königsberg und Danzig mit dem inneren Rußland in Verbindung setzen, so sind diese Wasserstraßen für deu deutschenHandel von großer Wichtigkeit. Die südlichen russischen Ströme: Ton, Tnjepr nnd Bug,sowie das „Kanalsystcm des Herzogs Alexander von Württemberg", durch welches die in das