Band 
Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
Seite
537
JPEG-Download
 

537

Moderne Haicnstädte: Hamburg .

mengen aufspeichert und diese womöglich zur Zeit des tiefsten Ebbestandes, wie er namentlichzur Zeit der Springfluten eintritt, rasch ausströmen läßt; die Wirkung einer solchen Spülungist natürlich um so kräftiger, je größer der Höhenunterschied zwischen dem im Spülbeckenaufgestauten Wasserstaus und dem Wasserspiegel im Hafen ist. In langen und breitenHafenbecken ist die Wirkung der künstlichen Spülung aber immerhin verhältnismäßig gering.Das sicherste und überall anwendbare und darum auch das gebräuchlichste Mittel zur Er-haltung der Fahrwassertiefe ist die Baggerung, wie wir solche bereits kennen gelernthaben. Es gibt eine außerordentlich mannigfaltige Art von Baggern. Neben den Eimer-baggern kommen besonders die Pumpenbagger und Preßluftbagger und außerdem dieGreifbagger in Betracht. Abb. 525 zeigt den Kopf eines Pumpenbaggers. Der Bodenwird hierbei, falls er nicht bereits schlickig genug ist, mit Hilfe einer Rührvorrichtnng auf-gelockert und durch ein Saugerohr emporgehoben, nr m sind pflugscharähnliche, sich drehendeKörper, welche die Masse ablösen; X ist das Saugrohr, durch welches die außerordentlichkräftige Pumpe das Gemisch von Wasser und Erdmasse emporhebt, welches durch ein inV befindliches Ventil gehindert wird, beim Stillstand der Pumpe zurückzufallen.

Um das Wesen der modernen Häfen kennen zu lernen, empfiehlt es sich, einige derhervorragendsten vorzuführen, und zwar dürfte kurz auf die Hafenbauten der folgendenStädte einzugehen sein: Hamburg, Amsterdam, Odessa, Trieft, Genua, Marseille , Liver-pool, London , New Aork und Bombay.

523 u. 524. Sliphclling des (iillerrerchrschen Lloyd.Querschnitt. Längenschnill.

Hamburg ist die erste Seehandelsstadt nicht nur des Teutschen Reiches, sondern auchdes Kontinents und ist nahe daran, sich zur zweiten Hafenstadt Europas aufzuschwingen,hat doch in den letzten Jahren sein internationaler Verkehr den von Liverpool nicht nur er-reicht, sondern sogar schon überflügelt. Seine Entfernung von der See beträgt 105 üni; dieseit vierzig Jahren betriebenen umfangreichen Baggerungen haben es, dank den leistungs-fähigen Maschinen, die der modernen Jngeuieurtechnik für solche Zwecke zur Verfügungstehen, ermöglicht, daß Seeschiffe bis zu einem Tiefgang von 7,5 m die Hamburger Häfenmit voller Ladung erreichen können.

Erst im Jahre 1866 erhielt Hamburg seine erste Kaianlage, die ein direktes Löschender Seeschiffe, in erster Linie der Dampfer, gestattete. Heute stehen Kais in einer Längevon 16 500 m und Schuppen in einer Längenausdehnung von über 7000 in, an welchenKräne, die durch Dampf oder Elektrizität betrieben werden, aufgestellt sind, zur Ver-fügung, und schon ist man wiederum im Begriff, die Hafenanlagen ganz bedeutend zu ver-größern. Diese rasche Ausdehnung ist als der deutlichste Beweis für die Zunahme desVerkehrs in den Hamburger Häfen anzusehen.

Interessant ist es zu verfolgen, wie sich von Jahr zu Jahr die Zahl der angekommenenSeeschiffe vergrößert und wie gewaltig deren Größe zugenommen hat.

Es betrug im Jahre:

1850 die Zahl der Schiffe 3763, ihre durchschnittliche Größe in Registertonnen 1231860 „ „ „ „ 4843 „ „ „ „ „ 183

1870 „ „ „ „ 4974 „ „ „ „ „ 293

IX 68