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Neunter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Erster Theil.
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Leuchttürme.

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beschädigt worden. Wenn ein Leuchtturm zugleich als Tagesmarke dienen soll, muß erunter Umständen eine größere Höhe erhalten, als die Sichtweite des Feuers es verlangenwürde. Die Sichtweite des Feuers ist um so größer, je höher das Feuer und auch jehöher der Beobachter über dem Wasserspiegel sich befindet.

Ist U das Leuchtfeuer und 0 das Auge des Beobachters auf dem Schiffe, so wirddieser das Feuer nicht früher in Sicht bekommen, als bis er in die von U ausgehende,die Kngelsläche des Meeres berührende gerade Linie tritt. Wegen der Brechung, welchedie Lichtstrahlen in der Atmosphäre erleiden, verhält sich die Sache aber nicht ganz soeinfach, wie in der Abb. 169 dargestellt ist. Denn da die Luftschichten in den oberenRegionen dünner sind als in den unteren, so bildet ein von der Lichtquelle in der Laterneausgehender Lichtstrahl keine gerade Linie, sondern eine Kurve, die ihre konvexe Seitenach oben kehrt. Der Beobachter in dem Punkte, wo der Lichtstrahl die Meeresflächeoder die Kommandobrücke des Schiffes trifft, sieht daher den leuchtenden Punkt nicht inder geraden Richtung von seinem Auge nach diesem Punkt, sondern in der Richtung derberührenden Geraden an den gekrümmten Lichtstrahl, und es erscheint die Lichtquellehöher, als sie in Wirklichkeit ist; die atmosphärische Strahlenbrechung hat daher eineVergrößerung der Sichtweite der Leuchtfeuer zur Folge.

Die nachfolgende Tabelle gibt für eine Augenhöhe von 4,5 m über Wasser dieSichtweite bei verschiedenen Höhen der Leuchtfeuer an.

547. Die „Kimmung" oder dir Mölbnng drs Meeres.

Sichtweite der Leuchtfeuer in Kilometern:

Höhe des Feuers in m 10 SO 30 40 50 60 70 80 90 100

Sichtweite in irrn 20 25 29 32 .35 38 40 42 44 46

Die Lichtweite eines Leuchtfeuers ist aber selbstverständlich nicht allein von seinerHöhe über dem Wasserspiegel, sondern auch von seiner Lichtstärke abhängig. Die Leucht-feuer in alter Zeit waren Holz- und später Kohlenfener, die in eisernen Körben, „Bliesen"genannt, an einer Stange seitlich zum Turm hinausgesteckt wurden; ihre Lichtstärke warwechselnd, da sie je nach der Lnftbewegung bald stärker, bald schwächer brannten. Späterwurden Kerzen angewendet, und noch am Anfang des vorigen Jahrhunderts sendeten vonSmeatons berühmtem Leuchtturm auf dem Eddystone wenige Talgkerzen ihr spärlichesLicht in die See hinaus. An die Stelle der Talg- und Wachskerzen trat mit der ZeitRüböl, das, solange es in vollen, runden oder Banddochten verbrannt wurde, das Kerzen-licht nur um weniges übertraf. Eine wesentliche Verbesserung und Verstärkung traterst mit Einführung der von dem Genfer Arg and erfundenen Lampe ein, deren hohlem,cylindrischem Dochte von außen und von innen Luft zugeführt wurde, wodurch die Ver-brennung des Öls eine bedeutende Steigerung erfuhr. Durch die Anordnung eines überdie Flamme gestülpten, schornsteinartigen Glascylinders wurde die Zuströmung und Ab-führung der Lust noch verstärkt. Da mit der gewöhnlichen Lampe mit einem Dochte nichtdie genügende Lichtstärke erzielt wurde, so wurde mit der Zeit der von Augustin Fresnel erfundene Brenner mit mehreren senkrechten Dochten eingeführt; zwischen den Dochtenbefinden sich kreisförmige Schlitze, durch welche die Luft eintreten, jede Flamme vonaußen wie von innen bestreichen und dadurch das vollständige Verbrennen der ent-wickelten Gase überall veranlassen kann; es wurden Brenner mit bis zu sieben Dochtenangewendet. Das aus den französischen Leuchttürmen gebrannte pflanzliche Öl war so-genanntes Colzaöl, das aus dem namentlich im Departement du Nord und in derNormandie angebauten Sommerraps, französisch Colza genannt, gewonnen wurde. Eineweitere wesentliche Verbesserung war die von Carcel gemachte Erfindung, den Dochtendas Öl durch eine von einem Uhrwerk getriebene Pumpe zuzuführen. Da die erzeugte

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