562 Schisfahrtszeichen.
Lichtmenge nahezu der verbrauchten Olmenge proportional ist, so bietet diese Ein-richtung ein Mittel, neben der Erzielung einer großen Stetigkeit der Flamme, dasLicht derselben, natürlich innerhalb bestimmter Grenzen beliebig zu steigern; fernerwerden die Dochte durch die künstliche Zuführung von Öl vor rascher Verkohlunggeschützt, und es wird dadurch das Abnehmen der Lichtstärke mit zunehmender Brenn-dauer in einer und derselben Nacht wesentlich verhindert. Diese Vorteile haben dazugeführt, in den größeren Lampen den Dochten das Vierfache der wirklich zu ver-brennenden Olmenge zuzuführen; das nicht verbrannte Öl fließt in den Ölbehälterzurück und schützt durch seine Erwärmung den Ölvorrat im Ölbehälter im Winter vordem Tickwerden.
Nachdem sich die leichten Mineralöle, Petroleum und Schieferöl als Beleuchtungsstoffefür die gewöhnlichen Zwecke des Lebens bewährt hatten, war es angezeigt, diese Öle auchauf den Leuchttürmen zu brennen, und ihrer Verwendung in den kleinen Lampen miteinem Dochte für die Feuer der fünften und sechsten Ordnung stand auch nichts imWege, da nur ähnliche Lampen wie die gewöhnlichen Stubcnlampen erforderlich waren.Im Jahre 1864 wurde in Frankreich bereits auf 41 Leuchttürmen nicht mehr Colzaöl,sondern ein in seinem Verhalten dem Petroleum ähnliches, durch Destillation ausbituminösen Schiefern gewonnenes Mineralöl gebrannt. Der gute Erfolg ließ eswünschenswert erscheinen, auch die Lampen erster Ordnung mit leichten Ölen zu speisen.Nach ausgedehnten Versuchen, die das amerikanische Petroleum, weil in seiner Zu-sammensetzung und in seinen Eigenschaften zu veränderlich, als nicht geeignet für dieLeuchtfeuer erscheinen ließen, wurde im Jahre 1873 für sämtliche französische Feuerdie Verwendung von in Schottland hergestelltem Paraffinöl angeordnet. Der Gefahr,daß kriegerische Verwickelungen den Bezug des Öles aus Schottland verbieten sollten,hat man dadurch Rechnung getragen, daß man an den größeren Lampen nichts geändert,sondern nur die Brenner gewechselt hat, so daß man jeder Zeit nach Einsetzen der altenBrenner zum Brennen von Colzaöl zurückkehren kann. Auf den deutschen Leuchttürmenbegann man im Jahre 1870 statt des Rüböls Mineralöl zu brennen, das früher ausbituminösen Braunkohlen, jetzt durch Destillation aus amerikanischem Petroleum ge-wonnen wird.
In neuerer Zeit wird vielfach Steinkohlengas zur Beleuchtung von Leucht-türmen verwendet, die auf dem Festland stehen, und in deren Nähe eine Gasanstalt sichbefindet. Den vom Wasser rings umspülten Türmen Gas zuzuführen, verbietet sichwegen der Schwierigkeiten beim Verlegen der Rohrleitungen und wegen der beim Ver-senken derselben sich in ihnen bildenden Wasseransammlungen. Durch Verwendung vonGas wird die Behandlung der Lampen und der ganze Wärterdienst sehr vereinfacht, unddurch den von dem Jrländer Wigham erfundenen Brenner ist es gelungen, eine sobedeutende Lichtstärke zu erzielen, daß das Gaslicht selbst mit dem elektrischen Licht inerfolgreichen Wettbewerb treten konnte.
Der von Faraday entdeckte elektrische Funken wurde zum erstenmal im Jahre1858 zur Beleuchtung des Leuchtturmes zu South-Foreland bei Dover verwendet. Abernur langsam konnte sich das elektrische Licht auf den Leuchttürmen Eingang verschaffen.Man machte ihm zum Vorwurf, daß es trotz seiner großen Lichtstärke auf große Ent-fernungen weniger sichtbar sei als Öllicht, und daß es infolge seiner Armut an rotenStrahlen namentlich nicht im stände sei, den Nebel auf größere Entfernungen zu durch-dringen. Anderseits klagten die Schiffer über die große Helle, die das elektrische Lichtaus dem im Jahre 1884 gebauten 76 m hohen Leuchtturm auf Hallets Point bei NewDort ausstrahlte, die eher unbequem, ja sogar schädlich, statt nützlich sei, da außerhalbder erleuchteten Flächen wegen des grellen Gegensatzes zwischen hell und dunkel die Ent-fernungen zu schwer zu schätzen seien. Nach dreijährigem Betrieb dieses Leuchtturmesvertauschte man deshalb das elektrische Licht mit der Mineralöl-Beleuchtung. Ebensomußte das elektrische Licht aus dem Leuchtturm von Tungneß, 32 südwestlich vonDover , welches seit 1862 seine Strahlen nach dem Kanal hinaussandte — allerdingsmit unliebsamen Unterbrechungen, so daß stets eine Öllampe in Bereitschaft gehalten