22
Posten und Postwesen.
nur den Namen des Empfängers nebst der Bezeichnung seines Hauses oder Landsitzes ent-halten; aber kostet es auch Arbeit und Zeit, die Postaustaltcu zu ermitteln, denen dieBriefe behufs Aushändigung an die Adressaten zuzuführen sind, so gewährt doch einereiche Bibliothek von Adreßbüchern der verschiedensten Grafschaften, Städte und Fleckenin vielen Fällen einen Anhaltspunkt. Natürlich liefert die falsche Orthographie ein nichtunbedeutendes Kontingent „blinder" Briefe. Briefe freilich mit einer solchen Aufschrift,wie .Pm-la äodn Ilopposito lös Lüurcü. IlonAlanck." übersteigen auch die Kräfteder durch Übung zu Meistern in der Adresseuwitterung herangebildeten ,,llli>nl-0lliv6rs"und wandern dann als „stockblind" in das Bürean der unbestellbaren Briefe, wo sie er-brochen werden, um dem Absender wieder zugestellt werden zu können.
Im ganzen kann der Erfolg dieser Einrichtung ein äußerst befriedigender genanntwerden, da von sechs zweifelhaften Briefen in der Regel nur einer in das „Vvwl-Ixcktor-
Ot'tleo" wandert.
Enthält ein BriefWertsachen, wie Bank-noten, Anweisungen, Frei-
marken oder dergleichen,so wird er besonders ein-getragen und als einge-schriebener Brief dem Bü-reau überantwortet. Geldfindet sich jährlich im Be-trage von 12- bis 14 000Pfund Sterling in solchenBriefen. Bon dieserSumme fallen etwa 500Pfund Sterling jährlichdem Schatze anheim, in-sofern sich weder eineAdresse dabei befundenhat, noch später von denBeteiligten Nachfrage ge-halten ist. Die gleichfallsgefundenen Wechsel undauf Private ausgestelltenBanknoten, sogen, post-
l!>. SricfNcmprlmaschine.
banlcbills, stellen im Durchschnitt jährlich einen Wert von 3 Millionen Pfund Sterlingdar. Durch die bei den Banken oder den Ausstellern der Wechsel angestellten Nachfragenlassen sich indes die Adressaten leicht ermitteln, und so kommt in diesen Fällen selten einVerlust vor. Schließlich enthalten etwa 40000 Briefe Dinge der verschiedensten Art, da-runter Geschenke, wie Ringe, Tnchnadeln, Broschen u. s. w. Dergleichen den Briesen ent-fallene Einlagen erreichen nie ihren Bestimmungsort und können wegen mangelnderAdresse auch nicht zurückgeschickt werden; sie gehen in das Eigentum der Krone über.
Sämtliche Briefe, welche weder bestellt noch zurückgeschickt werden können, bewahrtdie Post, wenn sie auch von keinem Wert sind, einen Monat auf. Tann fallen sie derVernichtung anheim, aus dem Auslande kommende genießen sogar eine Frist von zweiMonaten. Nicht englische Briefe mit Wertsachen werden an das betreffende ausländischeHauptpostamt zurückgeschickt.
In Zeit von zwei Stunden muß die Hauptarbeit im Londoner Postamt beendetsein, denn pünktlich um 8 Uhr werden die Briefsäcke auf die im Hofe haltenden Post-karren geladen, welche die Abendpost nach den verschiedenen Bahnhöfen zur Weiter-beförderung zu besorgen haben. Wenige Minuten später scheinen die Hallen, die soebennoch voll des regsten Lebens und des geschäftigsten Treibens waren, wie ansgestorben.