Band 
Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
Seite
23
JPEG-Download
 

Englisch -ostindische Überlandspost. Postamt auf der Voobyinsel. 23

Beivunderung erregend durch die Massenhafligkeit der mit ihr zur Beförderung ge-langenden Briefe ist die

Englisch -ostindische Überlandp oft. Während diese bis zum Jahre 1870 überMarseille und Suez befördert wurde, nimmt sie gegenwärtig ihren Weg über Brindisi und Suez. Die Abfertigung der Post aus London erfolgt wöchentlich einmal, und zwardes Freitags abends. Sie durchläuft Calais Sonnabend um 12'/„ Uhr früh, Paris andemselben Tage um 7 Uhr morgens, geht dann durch den Mont Cenis und quer durchItalien nach Brindisi , immer unter der Obhut eines englischen Postbegleiters, welcherSonntags abends an letzterem Orte eintrifft. Tort wird die Post sogleich auf einenDampfer der Peninsular- und Oriental-Steam-Navigation-Company übergeladen, welchersie durch den Suezkanal nach Suez bringt. Von da geht das Schiff mit der Post jedenDonnerstag ab, berührt Aden und fährt von hier direkt nach dem BestimmungsorteBombay, wo es Sonnabends nachmittags eintrifft. Die Entfernung zwischen London undBrindisi, welche 2384 üm beträgt, wird in 45 Stunden, diejenige zwischen Brindisi undBombay in 13 Tagen zurückgelegt. Die Beförderung vom Anfangs- bis zum Endpunkteder Linie geschieht demnach in 15 Tagen, während früher (vor dem Jahre 1834), alsdie Beförderung noch um das Kap der Guten Hoffnung stattfand, dazu 84 Tage nötigwaren. Die Fahrt über Brindisi hat sich im allgemeinen im Vergleich zu derjenigen überMarseille als die vorteilhaftere erwiesen, da der Weg über Brindisi eine schnellere Be-förderung gestattet. Eine Zeitlang hat die Post auch ihren Weg durch Deutschland überTrieft und später über den Brenner genommen, und sie wird ohne Zweifel auf die deutscheLinie zurückkehren, sobald im Anschlüsse an die Eisenbahnlinie Wien-Konstantinopel dieBahn von Haidar-Pascha über Konia nach Bagdad fertig gestellt und von da noch bisBassora weitergeführt sein wird.

Die Peninsular- und Oriental-Steam-Navigation-Company besorgt dieBesörderungschon seit dem Jahre 1840 und erhält dafür von der englischen Regierung eine Beihilfevon 5 200000 Mark. Die gewöhnliche Post umfaßt etwa 800 bis 1000 Briefsäcke,von denen jeder ungefähr 25 wiegt, tritt jedoch die australische Post hinzu, wasalle 14 Tage geschieht, so vermehrt sich die Zahl der Säcke aus etwa 1200 Stück, zuderen Fortschaffung fünf bis acht Eisenbahnwagen erforderlich sind. Im Verwaltungs-jahre 1891 92 sind mit der englisch - ostindischen Überlandpost nach Indien im ganzen58 539 Postsäcke und in umgekehrter Richtung 19 342 Säcke befördert worden. DerPostverkehr nach Indien ist also viel stärker als der aus Indien . Daß bei solchem Ver-kehrsumsange keine häufigere als eine wöchentlich einmalige Postverbindnng zwischen Ost-indien und England besteht, ist für das Sparsamkeitssystem der englischen Postver-waltnng bezeichnend.

Postamt auf der Voobyinsel. Nur wenigen wird diese einzig in ihrer Art da-stehende Postalische Einrichtung in den gefährlichen, korallen- und klippenreichen nordaustra-lischen Gewässern bekannt sein. Hier ereignen sich häufig Schiffbrüche, und namentlich istes die zwischen Neuguinea und Australien liegende Torresstraße, welche unter den See-fahrern eine traurige Berühmtheit erlangt hat. In ihr liegt unter 10" 36' südl. Breiteund 141°öftl. Länge die Voobyinsel, auf der sich ein ozeanisches Postamt von ganzeigentümlicher Beschaffenheit befindet. Die englische Admiralität hat dort für einenBriefkasten sowie für Vorräte zum Nutzen der Seefahrer aller Nationen gesorgt. Einhoher Flaggenstock deutet die Örtlichkeit an; am Fuße derselben befindet sich eine Tonnemit der Aufschrift „Postamt". Dort liegen Papier, Tinte, Federn und ein Buch, in welchesman den Namen und Bemerkungen einträgt, die für später kommende Seefahrer von Nutzensein können. In der Tonne befindet sich eine Blechbüchse mit einer Menge von Brief-schaften. Wenn Schiffe aus dem Atlantischen Ozean vorbeikommen, so legen sie ihre Briefenach der Heimat in die Büchse nieder, und wenn Schisse aus der anderen Richtung dieInsel passieren, so nehmen sie diese Briefe mit, soweit sie dieselben ihren Bestimmungs-ländern zuführen können. In der Tonne lagern ferner Borräte von Zigarren, Zucker,Thee, Salz, Tabak, Schiffsbrot, gesalzenem Fleisch und Rum; denn jedes Schiff, welches