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Erfindung des Holzstiches im 19. Jahrhundert.
in Goldschmiedeateliers zumeist entstanden. Auch ihr Alter wurde überschätzt, wenigstensstammt das älteste datierte erst vom Jahre 1454, eine Darstellung des heil. Bernhard,wohl deutsche Arbeit, mit der rätselhaften Beischrift Bernhardinus Milnit. Den frühestenZeugnissen des Kunstdruckes reihen viele auch die sogenannten Teigdrucke an. Doch ge-hören diese nicht eigentlich in das Gebiet des Kunstdruckes. Es sind Reliefpressungenaus Buchdeckeln. In eine Metall- oder Holzform wird ein Relief eingetieft. Der Buch-deckel, mit Papier überspannt, wird mit einer Teigmasse grundiert, und darin dieForm durch Pressung abgedrückt. Die Empfindlichkeit dieser Reliefpressnng erklärt ihreSeltenheit.
Die Erfindung des Holzstiches und seine Geschichte im 19. Jahrhundert.
Nach langem Daniederliegen erhebt sich der Holzschnitt im 19. Jahrhundert zuneuer künstlerischer Blüte, die bereits im Ausgange des 18. Jahrhunderts vorbereitet wird.Wesentlich ist die Einführung eines neuen technischen Verfahrens. Der Holzstich trittan Stelle des Holzschnittes, der Grabstichel (Abb. 175s) wird statt des Schneidemesserszur Bearbeitung der Holzplatte benutzt. Nicht mehr wird jede Linie an beiden Seitendurch einen Schnitt mit dem Messer bloßgelegt. Es genügt, das überflüssige Holz zwischenje zwei Linien zu entfernen, indem man mit dem Stichel eine Furche dazwischen zieht.Das Verfahren ist einfacher, sicherer und gestattet größere künstlerische Freiheit, weitfeinere Abstufung der Töne. Die Bezeichnung braucht nicht mehr eine lineare zu sein.Je mehr und je breitere weiße Linien in eine Fläche hineingestochen werden, um somehr helle Partien enthält sie im Abdruck, um so lichter also erscheint sie. Der Holz-schneider kann somit getuschte Tonflächen durch den Stichel in ihrem Tonwerte wieder-geben, indem er sie in eine Anzahl verschieden dicht stehender Linien auflöst. Die Partien,die im Abdrucke tiefe Schatten ergeben sollen, werden nur mit leichten Einschnitten oderPunkten durchzogen (vgl. Hintergrund von Abb. 183), die Mitteltöne mit breiteren oderengeren Stichen, die Lichter aber mit starken, meist sich kreuzenden Schnitten durch-gearbeitet (Stirn und Backe auf Abb. 183), so daß hier nur punktartige Reste der altenHolzoberfläche stehen bleiben oder diese ganz entfernt wird. Dabei braucht der Stechernur sehr geringe Tiefen auszustechen, im Gegensatze zum älteren Holzschnitte. Soll einegrößere Halbtonpartie oder ein Licht etwas zarter getönt werden, so wird sie in horizon-taler Richtung mit dem Messer überarbeitet, wodurch sie beim Abdrucke weniger starkgepreßt wird, also auch weniger Farbe annimmt, zarter druckt. Alle zart verlaufendendünnen Linien, die Übergänge zum Lichte, können so überarbeitet werden. Beim Druckenkann durch Zurichten der Druckplatte, d. h. durch Unterlegen von Papierausschnitten untereinzelne Teile des Holzstiches (oder Klischees) oder meist auf die pressende Walze einestärkere Pressung, also kräftiger Abdruck der betreffenden Teile, erreicht werden.
Die Ausübung des Holzstiches erfordert höhere künstlerische Fähigkeiten als die desalten Holzschnittes. Die Ausführung liegt ja in der Regel nicht in der Hand des Zeichnersresp. Malers, sondern in der des Holzschneiders (Xylograph). Ehedem bedurfte derHolzschneider neben der Übung in der Technik seines Verfahrens nur soviel zeichnerischeVorbildung, um die Linien der Verzeichnung auch mit Sicherheit nachzuschneiden. Dermoderne Holzstecher muß die getuschte Vorzeichnuug in der Regel selbst in geeigneterWeise in Flächen und Linien durch den Schnitt zerlegen, den Charakter der Töne durchentsprechende Stricharten und Punkte ausdrücken, muß für die malerische Abstimmung,die Bewegung und Modellierung der Form durch richtige Stärke und Form der Linienund Punkte selbst sorgen. Er muß geübter Zeichner von guter malerischer Empfindungsein, die Technik des Holzschnittes beherrschen, dieselbe vor allem mit Geschmack und einergewissen Eleganz anzuwenden wissen. Den oft flüchtigen malerischen Andeutungen derVorlage muß er durch findige Verwendung der verschiedenen Stichel nach eigenem Er-messen Rechnung tragen. Um sich vom Fortgange seiner Arbeit zu überzeugen, fertigt ervon Zeit zu Zeit Probedrucke, sogenannte Fumes an, d. h. er schwärzt die noch un-vollendete Platte ein, legt ein Blatt dünnen Papiers auf und reibt mit einer Bürste