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Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
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Die graphischen Knuste.

184. Die Haiidfiiheniig beim Aopschncidnr.

für den Holzstich ist die Anwendung von Stirnholz statt Langholz. Während man bisherHolzplatten, in der Länge des Stammes aus Brettern geschnitten, verwertete, nimmt manjetzt Holzplatten, die als Scheiben senkrecht zur Hanptrichtnng des Stammes geschnittenwerden. Die beim Holzschnitte auf Langholz störenden Jahresringe machen sich bei Stirn-holz kaum bemerkbar, und während früher die hochstehenden Linien beim Drucken leichtaussprangcn und absplitterten, vermag das Stirnholz bekanntlich einen hohen Druck aus-zuhalten, und es splittern die Linien selten ab. Benutzt wird fast ausschließlich das sehr

gleichmäßige, feste und doch schneidbareBuchsbaumholz, und zwar von jungenBänmchcn, das meist aus Kleinasien im-portiert wird. Da diese natürlich größerePlatten nicht ergeben, so werden dieselbenaus kleineren Stücken sehr sorgfältig zu-sammengefügt, geleimt, glatt gehobelt undgeschliffen. Für schnelle Ausführung großerHolzschnitte ergibt sich daraus die Möglich-keit, die Platte nach erfolgter Aufzeichnungauscinanderzunehmen, an einzelne Holz-schneider zu verteilen und schließlich wieder zusammenzusetzen. Dann lernte man diePlatte mit einem sehr feinen Kreidegrund überziehen*), auf dem die Bezeichnungmit Bleistift oder Feder angefertigt wird. Man kann auf diesem Grunde auch mitchinesischer Tusche malen und Lichter mit Deckweiß aufsetzen, wodurch malerische Wirkung,reiche Schattierung und Abstufung der Töne möglich ist, denen der Holzschneider mitseinem Gefühle und erhöhter technischer Geschicklichkeit folgen muß. Die Aufzeichnungmuß natürlich umgekehrt (im Gegensinne) erfolgen. Schließlich lernte man auch durch

geeignete Präparation der Platte die Bor-zeichnung photographisch auf diese über-tragen (Photoxylographie**). Die Holz-platte wird grundiert, mit einer lichtempfind-lichen Schicht überzogen, unter dem Negativeexponiert und fixiert. Anfangs wurde aufdieser Photographischen Unterlage das Bildfür den Faksimileschnitt nochmals über-arbeitet, mit Bleistift oder Feder vom Zeich-ner linear ausgeführt. Jetzt schneidet dergeübte Holzschneider direkt den Tonstich aufGrund der Photographie.

Eine weitere Errungenschaft der mo-dernen Technik ergab sich aus der Anferti-gung von Klischees (Cliches), d. h. von Ab-formungen der Holzschnittplatte in Metallauf galvanischem Wege. Durch Abguß inGummi oder Wachs wird vom geschnittenenHolzstocke ein Negativ (Matrize) hergestellt,aus dem durch galvanischen Niederschlagwiederum beliebig viele Positive (Patrize, Klischee) gewonnen werden. So kann einHolzstock unendlich viele Abdrücke leisten, in verschiedenen Zeitschriften, Büchern u. s. w.immer aufs neue verwandt werden, ohne daß der Originalholzstock abgenutzt wird.

Der oft ganz außerordentlich feine Holzstich wäre aber nach dem alten Druckverfahrennicht zum Abdrucke geeignet gewesen, wenn nicht die Entwickelung der Druckerpresse in

*) Zinkweiß, Deckwciß, mit Wasser gelöst, mit Oummi »radionm oder anderen Bindemittelnversetzt.

**) Lainer, „Anleitung znr Photoxylographie". Halle, 1894. Knapp.

185. Ein ßolxfchneidrr.