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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1840 bis 1850 / von Friedrich Vogel
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Fahne bei ihrer Ankunft daselbst, und um 4 Uhr fand der feierliche Empfang der Fahne undsämmtlicher Offiziere im Landgule des Herrn Oberstlieutenant v. ClaiS statt. Montag den 22. ver-sammelten sich ungefähr 250 Offiziere aus den Kantonen Zürich, Bern, Glarus, Zug, Basel, Schaff-hausen, St. Gallen, Thurgau, Graubünden, Aargau und Waadt wieder in dem erwähnten Landguleund begaben sich von da unter dem Donner der Kanonen zu Vieren, die Militärmusik und die eid-genössische Fahne voran, zwischen den Spalier bildenden Winterthurer Kadetten hindurch nach derStadtkirche. Beim Eintritt in dieselbe ertönte die Orgel und der Sängerverein sang ein Lied. Hierausbegannen die Verhandlungen. Nach Beendigung derselben begab sich der Zug in das festlich ge-schmückte TurnhauS zur Mittagstafel, nach deren Beendigung etwa 100 Offiziere eine Spazierfahrtnach Mörsburg machten, womit das Fest sich schloß.

Pestalozzifeier.

Am 5. Januar 1846 erließ der zürcherische Ausschuß für die Pestalozzistiftung, an dessen Spitzedie Herren Bürgermeister Dr. Zehnder und alt RcgierungSrath Pestalozzi standen, einen Aufruf andas Publikum, womit demselben zur Kenntniß gebracht wurde, daß am 12. Januar in der Näheund Ferne tausend und tausend Freunde des Volkes, Freunde seiner Bildung und Veredlung denhundertsten Geburtstag Pestalozzi's feiern und daß eine Pestalozzistiftung am hundertsten Jahres-tage seiner Geburt gegründet werden soll, ein Denkmal, welches das schweizerische Volk seinemHeimgegangenen väterlichen Freund errichtet, eine Mutteranstalt, eine gemeinsame Pflanzstätte, dieihre Zöglinge aussendet, um in den verschiedenen Gauen des Landes in kleineren Anstalten ähnlicherArt den Segen der Mutterstiftung zu verbreiten, und lud die Bürger des Kantons zur Mitwirkungein, indem er bemerkte, daß am 12. die betreffende Anstalt als Pestalozzistiftung in dem ehemaligenStifte Olsberg im Kanton Aargau eröffnet werde und daß von nahe und ferne schon beträchtlicheGaben hiesür geflossen seien. Der Stadtrath traf die erforderlichen Anstalten für die Feier, indemer festsetzte, daß solche in der Großmünsterkirche stattfinde», baß zum Andenken an Heinrich Pestalozzi ein würdiges Brustbild desselben auf Kosten der Stadt in der Wasserkirche aufgestellt, daß am Schlüsseder Feier in der Kirche eine freiwillige Steuer eingesammelt, welche zum Andenken an die wohlthätigeWirksamkeit Pestalozzi's so verwendet werden soll, daß die Hälfte der Einnahme der Armenschule, einViertheil dem Waisenhause und ein Viertheil der Blinden - und Taubstummenanstalt zukommen werde.Montags den 12. Januar fand die Pestalozzifeier statt.

Zu Zürich läuteten die Glocken um 11 Uhr und riefen die Bewohner in die Großmünster-kirche, wohin in langen Reihen die zahlreichen Schüler und Schülerinnen der Armenschule, dieZöglinge des Waisenhauses und diejenigen der Blinden - und Taubstummenanstalt zogen. Die Feier be-gann mit einem erhebenden Gesang des Sängervereins der Stadt und der Jugend ; dann hielt HerrProfessor Hottinger die Festrede, in welcher er den Mann und seine vielfachen Bestrebungen für dieErziehung des Menschen zum Menschen schilderte und namentlich seine hohen Verdienste als Volks-schriftsteller hervorhob, in welcher Hinsicht er ein Meisterwerk anLienhard und Gertrud" hinter-lassen, wie deren kaum ein anderes Volk auszuweisen habe. Die Feier schloß mit Gesang. Sämmt-liche Behörden der Stadt nahmen offiziell an derselben Theil, und die Kirche war gedrängt vollZuhörer. Die Steuer, die aufgehoben wurde, ergab ungefähr 1100 Frkn. Darauf fand im Saale