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6 (1836) Der Kanton Unterwalden, historisch, geographisch, statistisch geschildert ... : ein Hand- und Hausbuch für Kantonsbürger und Reisende / von Aloys Businger
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31
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durch AuStrocknung der Sümpfe mehr oder weniger verschwurt,den sind. Das Sprichwort vom Nebel:vor Weihnacht Brod,»ach Weihnacht Tod," bewahrt sich Gottlob nicht immer; dennsonst müßte das letztere sich häufiger ereignen, Reife sind imFrühling und Herbste besonders dann zu fürchten, wenn aus dieTagwärme plötzliche Nachtkälte folgt, wo die Luft durch keineWinde bewegt wird; und sie sind besonders schädlich, wenn dieVegetation vom Föhne zu frühe angeregt wird, und dieser sichdann plötzlich zurückzieht nnd dem Ost- oder Nordwind weiche»muß. Uedrigens haben die Jahrszeiten ihren gewöhnlichen Lauf,so daß im Merz in der Ebene fast alles Land aaber (schneelos)wird, und am Ende Aprils und Anfangs Mai der Frükliugin voller Pracht, erscheint. Der Sommer wird häiifig durch pe-riodische Regengüsse entweder im Brachmonat vor der Sonnen-wende, oder nach dieser im Heumonat bis Anglist unterbrochen.Das erstere ist für die Heucrndte und die Alpenwirkkschaft weni-ger ungünstig als das letztere. Der Herbst ist im Durchschnitteschöner als der Sommer, und endet gewöhnlich um Allerheiligen,wo dann die Wiesen nicht nur aller weidenden Heerden, sondernauch aller Farbenziecde größrentheils beraubt sind. Der Winterbeginnt, meistens durch Stürme des Föhns, der vom Westwindeunterbrochen wird. Die größte» Sck'iieemassen fallen im Durch-schnitte vor Weihnacht und verlieren sich allmalig'nach Licht­ meß . Auf den Voralpen beginnt die Vegetation am EndeMai's, auf den Hochalpen aber am Anfange des Heumonats.Sie verliert sich auf jenen um Michaelis, auf diesenülr. TllUhc'öuia und noch früher.

Naturhistorische Umrisse.

Geognosie.

Unkerwalden bildet durch die natürliche Lage seines Landesund durch seine geognostische Beschaffenheit eine der vorderstenStnfen des schweizerischen Hochgebirges gegen Norden. Es istgleichsam der Fuß an diesem Hochaltäre der Schöpfung. Wennwir uns, mit Hülfe der dienstfertige» Einbildungskraft, derPhantasie, die gewaltsame Umwälzung vorstellen, die einst inunbekannten Zeiten die Gestalt der Erde verwandelte und durchdie Macht der Meereswogen und durch das Gegengewicht derErd- und Felsenmaffen eine rund« Oberfläche schuf und inwundersamer Gestalt von Bergen und Thälern, von Ebenenund Hügeln, von Höhen und Tiefen , von Schluchten und Grot-ken, von Bächen und Seen, ein neues, aber herrliches ChaoShervorrief und alles dieses theatralisch gerecht, wie Scene inScene geschoben, einen unermeßlichen Schauplatz hervorzau-berte, so, sage ich, mögen wir uns auch die Kraftanstreu-gung denken, wodurch die hohe Scheidewand sich aufthürmle,die in Mitteleuropa den Süden vom Norde» scheidet. Amhöchsten und furchtbarsten ist diese Scheidewand in den «wig-beeisten Kuppen der Savoyer -, der Walliser -, der Beruer-,der Urner-, und der Bündner -Berge, die wie ei» ungeheurer