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3 (1854) Constructionen in Metall / von G. A. Breymann
Entstehung
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Vorwort.

Mit dem dritten Theile der Constructionslehre,welcher die Constructionen in Metall enthält, ist derallgemeine Theil der Constructionslehre überhauptgeschlossen; indem nun alle wesentlichen Theile, auswelchen größere Gebäudethcile und ganze Bauwerkezusammengesetzt werden müssen, besprochen sind.

Es dürfte hiermit das Feld umgrenzt sein, aufwelchem sich die Vortrage über diesen wichtigen Zweigder Baukunst zu bewegen haben, deren Zweck es ist,dem angehenden Architekten das Material zu seinenspäteren Studien, im Entwerfen von ganzen Gebäu-den, zu liefern. Die allgemeine Constructionslehreenthält die einzelnen Elemente, durch deren Combina-tion die verschiedenen Bauwerke entstehen, und diesemüssen und können dem angehenden Architekten, in mög-lichst übersichtlicher Reihenfolge, gelehrt werden. Et-was anderes ist es aber mit der Combination dieserElemente zu ganzen Bauwerken. Eine solche läßtsich zwar auch lernen, doch kann sie nicht, wenigstensnicht in dem gewöhnlichen Sinne, gelehrt werden.Jede neue Aufgabe erfordert auch ein neues Studium,weil die Bedingungen, unter welchen eine solche ge-löst werden muß, so unendlich verschieden sind, daßsich keine, allgemein gültige, Regeln für die Ausfüh-rung geben lassen; und deshalb eben ist die Baukunsteine Kunst. Wohl eine jede hierher gehörige Aufgabewird verschiedene Lösungen zulassen, und um so ver-trauter der Architekt mit den einzelnen Elementen derConstruction ist, um so leichter wird ihm eine tüchtigeLösung gelingen.

Ein besonderes Studium der allgemeinenBau-Constructions-Lehre, in der Auffassungsweise,wie ich sie hier vorzutragen mich bemüht habe,hat auch noch den Vortheil, daß der Studirendedie einzelnen Constructionen als selbstständige Theileeines Bauwerks ansehen lernt, die zwar gewöhnlichnur Mittel zum Zwecke sind, aber doch für sich be-stehen und verschiedenen Zwecken dienen können; eineBetrachtungsweise, die leicht verloren geht, wenn dieeinzelnen Constructionen nicht als solche, sondern nur

gelegentlich bei der Darstellung eines bestimmten Bau-werkes, wo sie gerade Anwendung finden, besprochenwerden. Ich erinnere in dieser Hinsicht an die Hänge-werke, die man sich nur in Verbindung mit Dächern oderBrücken zu denken gewohnt ist, weil sie bei diesenBauwerken allerdings sehr häufig vorkommen, die abernichts desto weniger ganz selbstständige Constructionenbilden und einer mehrfachen Anwendung fähig sind.

Es dürfte daher wohl gerechtfertigt sein, die vor-liegenden drei Theile der allgemeinen Bau-Construc-tions-Lehre als ein geschlossenes Ganzes zu be-zeichnen.

Was nun den dritten Theil speziell anbetrifft, sobemerke ich darüber Folgendes. Er enthält hauptsäch-lich die Eisenconstructionen, denn die Construc-tionen in andern Metallen treten sehr in den Hinter-grund. Die BenennungConstructionen in Metall"mußte aber beibehalten werden, weil sich auch die inandern Metallen, namentlich in Zink, auszuführendenConstructionen darin vorfinden.

So häufig nun auch in neuerer Zeit die Anwen-dung des Eisens ist, so finden sich doch ziemlich seltenganz aus Eisen bestehende Constructionen, sondern die-ses Material kommt meistens in Verbindung mit Holzoder Stein vor, ohne daß man berechtigt wäre, dieConstructionen zu denen aus Stein oder Holz darzustel-lenden rechnen zu dürfen, weil dadurch gerade das Cha-rakteristische derselben verwischt werden würde, welchesdarin besteht, daß das Eisen als Hauptmaterial, wennauch nicht der Masse nach, auftritt. Diesegemisch-ten" Constructionen finden sich daher ebenfalls hieraufgenommen, weil eine Trennung in reine Metall-und gemischte Constructionen eine »»nöthige Pedanteriegewesen sein würde.

Wie ich solches an einem anderen Orte H weiterausgeführt habe, sind durch die Einführung des Ei-sens als Hauptmaterial in die Baukunst, keine eigent-

") Einladungsschrift der Königl. polytechnischen Schule inStuttgart vom Jahre 18S1.