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Drittes Capitel.
wird, als die untere Flansche reißt, so daß eine Vergröße-rung der absoluten Festigkeit der unteren Flansche ganzunnütz erscheint. Nur wenn der Querschnitt der oberenFlansche mehr beträgt als Vs des Querschnitts der unte-ren, so daß ein Reißen der letzteren früher zu befürchtensteht, als ein Zerdrücken der oberen, ist eine Armirung derunteren Flansche auf die angegebene Art zweckmäßig.
Im Allgemeinen darf man vielleicht schließen, daß beieinem gußeisernen Balken von der w Form, mit gleichen Ober-und Unterflanschen, und einer unter die letzten gelegten,stark gespannten schmiedeisernen Schiene, das Widerstands-moment, welches die untere Flansche dem Zerreißen entge-gensetzt, gleich zu schätzen ist, dem Querschnitte dieser Flanschemultiplicirt mit der Entfernung der Unterkannte von derneutralen Asche (welche im Schwerpunkte des ganzen Quer-schnitts anzunehmen ist) und mit dem Koeffizienten fürabsolute Festigkeit, plus der Spannung in der schmiedeiser-nen Schiene. Diese Spannung kann man nun jeden Fallsdurch das Einlegen der Schiene im warmen, ausgedehntenZustande großer als Null erhalten, aber ihre Große zu be-stimmen und in Rechnung zu stellen, möchte schwer halten.Es wird daher immer angerathen sein, in solchen Fällen diegußeisernen Balken so stark zu machen, daß sie alleinim Stande sind, die ihnen aufzubürdende Last zu tragen,und die schmiedeeiserne Armirung gewissermaßen als eineAssecuranz für außer Berechnung gelassene Umstände anzu-sehen. Daß eine Armirung des Gußeisens durch Schmiede-eisen überhaupt nur mit großer Vorsicht und unter richtigerErwägung der Umstände angebracht werden darf, zeigt dieeingestürzte Brücke bei Ehester in England über den Dee-fluß -).
Um nach dieser Abschweifung wieder auf die Veranke-rung des Gewölbes zurückzukehren, bemerken wir, daß inder unteren Hälfte des Grundrisses in Fig. 2 Taf s«die wagerechte „Gleiche" beim Anfang des Gewölbes mitder daraufstehenden Eisenverbindung zur Verankerungdes Gewölbes dargestellt ist. Aus den Fig. —17Taf. L« sind die Details derselben zu ersehen. Fig. 2Taf. »- zeigt, daß die ganze Eisenverbindung einen festenRing bildet, der aus den schmiedeeisernen Schienen e undden gußeiserneil Muffen a' (Fig. 16 Taf. I«) zusammen-gesetzt ist, welch' letztere die Schienen mit einander verbin-den. Fig. 14 und 15 Taf. »6 zeigen hiervon die Ober-und Vorderansicht und Fig. 16 eine perspectivische Darstel-lung. Von den beiden Schienen ist die untere 4 Zoll hochund 1 Zoll stark, die obere 3 Zoll hoch und ^ Zoll stark,weil die untere Schiene augenscheinlich den größten Druckauszuhalten hat.
Sehr große Sorgfalt hat man auf die Verbindung der
-) Vergl. Notizblatt des Noch.-Vereins in Berlin . Neue FolgeNro. 4.
einzelnen Schienen nach der Peripherie des Ringes ver-wendet, weil die geringste Erweiterung desselben den nach-theiligsten Einfluß auf das Gewölbe geäußert haben würde.Wie diese Verbindung hergestellt ist, geht aus Fig. 14 her-vor, wonach ersichtlich ist, daß die einzelnen Schienen anihren Enden schwalbenschwanzförmige Verbreiterungen ha-ben, mit denen sie in entsprechende Höhlungen der Muffeneingelegt sind. Mittelst der eisernen Keile le sind die En-den der Schienen fest gegen die Wände der Höhlungengepreßt. Durch die Enden der Schienen und durch beideTheile der Muffe sind Schraubenbolzen gezogen, um Allesmöglichst fest miteinander zu verbinden. Die 7 Zoll hoheVerstärkung des inneren Theils jeder Muffe ist durch diestärkere untere Ringschiene nöthig geworden.
Auf welche Weise das Widerlager für das Gewölbegebildet ist, zeigt Fig. 17 Taf. 16 , und der Durchschnittdes Gewölbes Fig. 1 Taf. L?, daß in den unteren 12Schichten das Gewölbe l'/z, in den folgenden 12 Schich-ten 1 und im Scheitel '/) Stein stark von scharf gebrann-ten Backsteinen ausgeführt ist. Als Mörtel diente Roman-Cement.
Wir bemerken hier, daß wir eine Einwölbung ausTöpfen für zweckmäßiger gehalten haben würden. (DieKosten dieser Verankerung betrugen übrigens 1684 Thlr.oder 2947 fl.
Drittes KapitelDie (Lonltruction der Dachgerüste.
Wie bei den Holzconstructionen, haben wir es hierauch nur mit den Dachgerüsten zu thun, und besprechendie Dacheindeckuügen aus Metall in einem eigenen Kapitel;doch müssen wir auf letztere bei den Dachgerüsten schon inso weit Rücksicht nehmen, als es verschiedene Anordnungenbei den letzteren bedingt, ob die Eindeckung auf einer Holz-unterlage, oder unmittelbar auf den eisernen Verbandstückenbefestigt werden soll.
lieber die Form der Dächer haben wir hier nur zu be-merken, daß alle bisher ausgeführten metallnen Dachge-rüste entweder Sattel- oder Zeltdächer sind, wenn wir unterden ersteren die Pult- und unter den letzteren die kegelför-migen Dächer und die Kuppeln mitbegreifen. Was dieConstructionsprinzipien anbelangt, so kommen die sogenann-ten Dachstühle, wie wir solche bei den Holzconstructionenkennen gelernt haben, nicht vor, sondern die Dächer wer-den, mit wenigen Ausnahmen, als reine Pfettendächer con-struirt, und es handelt sich daher hauptsächlich immer umdie Construction der Bindergespärre. In den meisten Fäl-len fehlen die Dachbalkenlagen ganz, und auch in den Bin-dergespärren, kommen statt den Binderbalken, gewöhnlich