I. DAS ALTE AEGYPTEN.
1. Land, Volk, Mittel! ! I
Tief aus clem Innern Afrika’s und aus den abyssinischenGebirgen kommen die Flüsse, welche dem Nilstromc ihr Wassergeben. Nachdem er zur Seite des Landstriches, der von denAlten die Insel Meroe genannt ward, hingeflosscn und an derNordspitze desselben die Wasser des Atbara in sich aufgenommen,wendet er sich im weiten Bogen ,gen Westen, dann gen Norden,in solcher Richtung fortan ' die Lande im Nordosten Afrika’s durchfurchend. In vielen Katarakten und Stromschnellen durch-bricht er das nubischc Gebirgsland. Nach den Brandungen derletzten Katarakte gen Norden führt das Nilthal den NamenAegypten . Ks ist ein schmales Land, von einer halben bis etwazwei Meilen Breite, auf der Ostseite eingeschlossen von den hö-heren arabischen Gebirgen, deren Felswände sich gelegentlich500 bis 800 Fuss hoch aus dem Spiegel des Stromes erheben, aufder Westseite begrenzt von den libyschen Felsufern, die zumeistnur eine Höhe von 50 bis 100 Fuss erreichen und hinter denendie Sandwüste beginnt. Wo hüben und drüben, gegen die Küstedes Mittclmecres hin, die Höhen sich westwärts und ostwärtszurückziehen, breitet der Nil sich viclarmig aus, die Niederungendes Delta’s durchströmend und seine Wasser dem Meere zufüh-rend. Alljährlich und in regelmässiger Wiederkehr, wenn derSchnee der Hochgebirge an den Quellen des Nils geschmolzenist und die tropischen Regen cingctrcten sind, schwillt der Stroman, so dass auf Monate hin das ganze ägyptische Thal überflutetwird. Er hinterlässt einen fetten, fruchtbaren Schlamm, der dergeringsten Mühe die reichlichste Erndtc gewährt. Der Nil ist derErzeuger des ägyptischen Bodens, weiland des fruchtbarstenunter den Ländern der Erde.
Die ältesten Kunden, die von den Werken der Menschenauf unsre Tage gekommen, die ältesten Denkmäler, von denen
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Kuglcr, Geschichte der Baukunst. 1