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1 (1859) Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst / von Franz Kugler
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Urzeit. Epoche der vierten Dynastie, ihrer Vorgänger u. Nachfolger.

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entr>-eo-eii. 1 Die Gebirgszüge auf beiden Seiten des Nilthaiesliefern ein in vielfacher Beziehung brauchbares Steinmaterial.Bis nicht gar weit unterhalb der ersten Katarakte (bei GebelSelseleh) ist es Kalkstein: ein zu Felsaushöhlungen und zu ro-herem Baumaterial, stellenweise auch zur feinen Behandlungsehr wohl geeigneter Stein auf der libyschen, ein dem Marmorfast nahestehender Kalkstein auf der arabischen Seite. Wo, ander bczeichneten Stelle, diese Gebirgsart aufhört, folgt ein fein-körniger, sehr fester Sandstein, in der Gegend der erstenKatarakte (bei Assuan ) zugleich Granit und Syenit von trefflich-ster Gattung. Ebenso ist, besonders im arabischen Gebirge, ankostbaren Steinarten kein Mangel. Die Wasserstrasse des Nilsmachte die Versendung des Materials durch das ganze Land hin,auch in kolossalen Blöcken, möglich; Sandstein und Granit wur-den überall, auch in den nördlicheren Gegenden, verwandt. Eineandre Gattung von Baumaterial gewährte der weiche thonigeNilschlamm, aus welchem Erdziegel bereitet wurden. Es genügte,sie einfach an der Sonne zu dörren; bei allen Anlagen, wo esnicht auf die Herstellung architektonischer Einzelformen undnicht auf den höchsten Grad von Festigkeit ankam, waren sieein, oft im ausgedehntesten Maasse gebrauchtes Material.Selbst der Himmel Aegyptens begünstigte die Dauerbarkeit derDenkmäler, wenigstens in den oberen Tlieilen des Landes. Beider trocknen, fast durchaus regenlosen Luft blieb hier das Mate-rial vor' aller Verwitterung geschützt, der Art, dass sogar diein diesen Gegenden vorhandenen Bauten aus Nilziegeln tbeilweisenoch heut mit ihren architektonischen Fügungen und ihrem Kalk-putz unbeschädigt erhalten sind; während es, bei dem jährlichsteigenden Nilwasser, durch die Natur der Sache geboten war,die Bauwerke vor dessen allerdings bedrohlicher Einwirkungdurch höhere Lage oder Unterbau thunlichst zu sichern. Ander Meeresküste und in Unter-Aegypten, wo die Luft feucht undoft regenschwanger ist, sind die Reste der Denkmäler ungleichmehr verwittert.

2. Urzeit. Epoche der vierten Dynastie, ihrer nächsten Vorgänger

und Nachfolger.

Men es oder Mena wird als der Gründer des ägyptischen»Staatslebens genannt; die Epoche seiner Herrschaft wird für ältererachtet als der Beginn des dritten Jahrtausends v. Chr. AusUns im oberen Lande abstammerid, gründete er, wie berichtetwird, an der Grenze Unter-Aegyptens, unfern von dem Funkte.

1 Verg'l. Lepsius , Chronologie der Aegypter, 1. S. 2S, ff.