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1 (1859) Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst / von Franz Kugler
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I. Das alte Aegypten.

wo das schmale Flussthal in die weiten Ebenen des Deltalandesübergeht, die Stadt Memphis und machte sie zum Sitze derHerrschaft. Grosse Wasserbauten, ohne Zweifel auf Entsumpfungdes niederen Landes gerichtet, waren mit dieser ersten Anlageverbunden. Der Nil , von dem gesagt wird, dass er bis dahin ander Seite der libyschen Höhen geflossen, ward abgedämmt undnach der Ostseite des Thaies geführt; dadurch ward fester Bodenfür die Stadt gewonnen, diese aber zugleich noch durch andregegrabene Wasserwerke geschützt. 1 Es scheint, dass diese An-lagen den Beginn jener grossen Wasserbauten, deren das ägypti-sche Land bedurfte, um die jährlichen Ueberliutungen des Stromeszu beherrschen und sie völlig segenbringend zu machen, bezeich-nen. Ausserdem wird dem Menes die Gründung des Ileiligthumesdes Gottes Phthah zu Memphis, welches sich hoher Verehrungund mehrfach erneuter Prachtanlagen erfreute, zugeschrieben.Die Schutthügel bei dem heutigen Dorfe Mi t-r ah inneh, süd-lich von Cairo , sind die Reste desselben.

Der erste Nachfolger des Menes, Athotis, soll den Königs-pallast von Memphis erbaut haben. Von dem dritten Nachfolger,Uencphes, wird berichtet, dass er die Pyramiden bei dem OrteKolto me gebaut habe. Diese Pyramiden waren im drittenJahrhundert v. Chr. noch bekannt; gegenwärtig ist ihre Lagenicht mehr nachweisbar. 2 Auch wird der Name Uencphes fürgleichbedeutend mit dem des Mnevis gehalten, welcher letztereals Erbauer der königlichen Burg zu Heliopolis genannt, wird . 3

Die ägyptische Geschichte ist in den Jahrbüchern des Volkesnach den Dynastieen, den Herrschergeschlechtern, geordnet. Diehöchste Bliithe, zu der sich die Frühzeit des ägyptischen Staats-lebens entfaltete, gehört der vierten D y n a s ti e . nach Menesan, deren Herrschaft man in die Zeit um den Beginn des drittenJahrtausends v. Chr. setzt. Aus dieser Epoche, aus der dervierten Dynastie und derer, welche ihr zunächst vorangingen undauf sie folgten, sind höchst bedeutende Denkmäler auf unsreZeit gekommen, Grabmäler memphitischer Könige und ausge-zeichneter Männer ihrer Zeit, zurückdeutend auf die Erscheinungjener Denkmäler, welche dem Uenephes zugeschrieben wurden.Es sind die stolzen Pyramiden, die in der Gegend des altenM cmpliis in das Nilthal niederblicken, und die zu ihnen gehö-rigen Anlagen. 4

1 Horodot, I,'99. 2 Dunsen, Aegyptens Stulle in der Weltgeschichte, III,S. 50. 3 Ebend. S. 49, in ISezug auf Plinius , 35, 65. 4 Hauptwerk überdie Pyramiden: The Pyramids ofGizeh bei Colonel Howard Vyse, London , 1839,f. 1 Bd. in Fol. und 3 Bände in gr. 8. Die letzteren (Bd. 1 u. 2) auch unterdem Titel: Operation» earried on tlie pyramids of (Jizeli in 1837 witli an