Ost-Indien.
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den umgeben; hinter diesen die Gemächer für die Reisenden.In den beiden hinteren Ecken und in der Mitte rechts und linkssind grosse Versammlungsräume, in der Mitte des Hintergrundes-eine kleine Moschee. Gewölbte Ställe, gegen die Aussenmaueranstossend, laufen rings umher. Vorn sind zweibesondre kleineHöfe mit Frauengemächern. Alle ansehnlicheren Räume sinddurch grosse Thorbauten ausgezeichnet. Die gesammte Disposi-tion ist eben so grossartig wie verständig; die Formen sehr ein-fach, aber von entschiedenem Charakter; der Bau an sich vonunverwüstlicher Festigkeit, ohne ein Atom Holz, gegen feind-lichen Angriff völlig sicher. Als Gebirgs-Karawanserai ist dervon Tschimley, eine Tagereise südwärts von Tabris , hervor-zuheben. Der Bau bildet ein kleines, sehr festes Kastell; dieAnlage ist mehr ins Enge gezogen und, da hier mehrere MonateSchnee liegt, ohne offne Höfe, vielmehr durchaus überwölbt.
11. O s t - I n d i e n.
In Hindostan hatte sich die Herrschaft des Islam seitdem Anfänge des elften Jahrhunderts ausgebreitet. Verschiedenemuhammedanische Dynastieen waren aufeinander gefolgt, bis amEnde des vierzehnten Jahrhunderts auch diese Lande durchTimur erobert wurden und aus seinem Geschlechte, nach man-cherlei Wirrniss , im J. 1526 , die Dynastie der Grossmogulsgegründet ward. Die Regierung Schah Akbar’s des Grossen( 1556 — 1605 ) bezeichnet die Glanzperiode der letzteren; ihm undseinem Enkel Schah Jehan ( 1628 — 1656 ) gehören die Avunder-vollsten Werke der indisch - muhammedanischen Kunst an. Imachtzehnten Jahrhundert zerfiel die Macht der Grossmoguls. Ein-zelherrschaften bildeten sich an verschiedenen Punkten des Lan-des. Ihnen ist die britische Macht gefolgt.
Wir kennen die indisch - muhammedanische Architektur bisjetzt nur aus malerischen Darstellungen einzelner Monumente 1und noch erst in wenig zureichender Weise. Namentlich fürihre Entwickelung bis zur Epoche der Grossmoguls fehlt es unsnoch fast durchaus an näherer Anschauung. Es wird sich durchkünftige Forschung ergeben müssen, welche Weisen eigenthüm-
1 S. besonders das Prachtwerk der Oriental scenery von Daniell, und dieAnsichten von Ostindien, China und den Ufern des rothen Meeres (Views inIndia etc.), nach Originalskizzen von R. Elliot. Daneben kommt das Werkvon L. von Orlich, Eeise in Ostindien, (mit farbigen Blättern bezüglicher ar-chitektonischer Monumente, nach Bildern, welche von Eingebornen des Landesgefertigt sind,) in Betracht.