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XII. Die Architektur des gothisehen St.yles.
Julien le Fauvre zu Paris , 1 die den frühest gothisehen Stylin vorzüglich prägnanter Weise, den altern Theilen der Kathe-drale entsprechend und gleichzeitig mit diesen, zur Erscheinungbringt; und die altern Theile von St. Severin, 8 ebendaselbst,der auf der Westseite" stehende Thurm und die drei ersten Jochedes Schiffes, aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. — So-dann die Kirche von Bagneux, 3 südlich nahe bei Paris , gleich-falls in strengster Frühform; mit Säulen im Schiff und verschie-denartig gegliederten oder gebündelten Säulen im Chor ; derletztere geradlinig schliessend ; das Triforium noch rundbogigund darüber im Schiff kleine Kreisfenster, im Chor sehr einfacheSpitzbogenfenster. — Ebenso die Kirche von Mantes , 4 derenVollendung um die Mitte des 13. Jahrhunderts fällt. In ihreminnern System wechseln gegliederte Pfeiler und Säulen; die letz-teren, ebenso wie die Arkaden der hier angeordneten Empore,wiederholen wesentlich die Pariser Stylformen. Eigenthümlichist, dass die Empore des Chorumganges mit nebeneinanderlie-genden Tonnenwölbungen, — die zugleich nach der Aussenseiteaufwärts stiegen, ohne Zweifel um hier, durch grosse Rundfen-ster, einen vermehrten Lichtzuffuss für das Innere zu gewinnen,bedeckt ist. Die Parade lässt eine Einmischung der schlankerenfrühgothisclien Formen der benachbarten Normandie und diebreitem und vollem von Isle-de-France erkennen.
Ausserdem sind in Isle-de-France zu nennen : der von derKirche St. Thomas zu Crepy, unfern von Laon erhaltene Thurm-bau; die Kirche St. Leger zu Soissons , im Aeussern durchein noch sehr schlichtes Strebesystem (mit kleinen Durchbre-chungen statt der Anordnung von Strebebögen) bemerkenswerth;die Abteikirche von M on t-No tre-Daine und die kleine Wall-fahrtskirche zu Presles, 0 beide unfern von Soissons ; die Kircheder Minimen zu Cnmpiegne; die Kirchen von Mouchy-le-Chätel und von Maris sei, in der Umgegend von Beauvais ;
1 De Guilhermy, itin. areh, de Paris , p. 368. ff. (Der Chor dieser kleinenKirche ist rein erhalten. Den Schiffbau bezeichnet Guilhermy als gleichzeitig;doch giebt er an, dass nicht nur die vordem Joche desselben im 17. Jahrhun-dert abgebrochen seien, sondern damals auch das Uebrige Umänderungenerlitten habe: „qui en ont denature le style. u Der erhaltene Theil des Haupt-schiffes erscheint gegenwärtig mit einem Tonnengewölbe bedeckt. Mertens, inder Wiener Bauzeitu» g, 1843, S. 161, f., hält diesen Rest des Schiffbaues fürein Ueberbleibsel des frühsten Mittelalters, der Epoche vom 7 —10. Jahrhundertangehörig, wobei man im 12. Jahrhundert die etwas gefährliche Operationunternommen habe, den Säulen, auf denen die Oberwände und das Gewölberuhen, andre Kapitale und Basen zu geben; Selmaase, IV, II, S. 366, scheintihm beizustimmen. Ich muss den Thatbestand und die um ein Jahrtausendauseinander gehende Divergenz der Ansichten dahingestellt lassen.) — 2 DeGuilhermy ebendas., p. 154. Chapuy, moy. äge pitt., 8. 3 Calliat, encyclo-
pedie de Parchitecture, II, pl. 53; III, pl. 24, 36, f., 83, ff., 135, — 4 Selmaase,Gesch. d. bild. lv., V, I, S. 97. Viollet-le-Duc, dictionu., I, p. 196: II, p. 512.Chapuy, moy. äge nioii., 51. — 5 Organ für christl. Kunst, V, S. 288.