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3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
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XII. Die Architektur des gothisehen St.yles.

Julien le Fauvre zu Paris , 1 die den frühest gothisehen Stylin vorzüglich prägnanter Weise, den altern Theilen der Kathe-drale entsprechend und gleichzeitig mit diesen, zur Erscheinungbringt; und die altern Theile von St. Severin, 8 ebendaselbst,der auf der Westseite" stehende Thurm und die drei ersten Jochedes Schiffes, aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. So-dann die Kirche von Bagneux, 3 südlich nahe bei Paris , gleich-falls in strengster Frühform; mit Säulen im Schiff und verschie-denartig gegliederten oder gebündelten Säulen im Chor ; derletztere geradlinig schliessend ; das Triforium noch rundbogigund darüber im Schiff kleine Kreisfenster, im Chor sehr einfacheSpitzbogenfenster. Ebenso die Kirche von Mantes , 4 derenVollendung um die Mitte des 13. Jahrhunderts fällt. In ihreminnern System wechseln gegliederte Pfeiler und Säulen; die letz-teren, ebenso wie die Arkaden der hier angeordneten Empore,wiederholen wesentlich die Pariser Stylformen. Eigenthümlichist, dass die Empore des Chorumganges mit nebeneinanderlie-genden Tonnenwölbungen, die zugleich nach der Aussenseiteaufwärts stiegen, ohne Zweifel um hier, durch grosse Rundfen-ster, einen vermehrten Lichtzuffuss für das Innere zu gewinnen,bedeckt ist. Die Parade lässt eine Einmischung der schlankerenfrühgothisclien Formen der benachbarten Normandie und diebreitem und vollem von Isle-de-France erkennen.

Ausserdem sind in Isle-de-France zu nennen : der von derKirche St. Thomas zu Crepy, unfern von Laon erhaltene Thurm-bau; die Kirche St. Leger zu Soissons , im Aeussern durchein noch sehr schlichtes Strebesystem (mit kleinen Durchbre-chungen statt der Anordnung von Strebebögen) bemerkenswerth;die Abteikirche von M on t-No tre-Daine und die kleine Wall-fahrtskirche zu Presles, 0 beide unfern von Soissons ; die Kircheder Minimen zu Cnmpiegne; die Kirchen von Mouchy-le-Chätel und von Maris sei, in der Umgegend von Beauvais ;

1 De Guilhermy, itin. areh, de Paris , p. 368. ff. (Der Chor dieser kleinenKirche ist rein erhalten. Den Schiffbau bezeichnet Guilhermy als gleichzeitig;doch giebt er an, dass nicht nur die vordem Joche desselben im 17. Jahrhun-dert abgebrochen seien, sondern damals auch das Uebrige Umänderungenerlitten habe:qui en ont denature le style. u Der erhaltene Theil des Haupt-schiffes erscheint gegenwärtig mit einem Tonnengewölbe bedeckt. Mertens, inder Wiener Bauzeitu» g, 1843, S. 161, f., hält diesen Rest des Schiffbaues fürein Ueberbleibsel des frühsten Mittelalters, der Epoche vom 710. Jahrhundertangehörig, wobei man im 12. Jahrhundert die etwas gefährliche Operationunternommen habe, den Säulen, auf denen die Oberwände und das Gewölberuhen, andre Kapitale und Basen zu geben; Selmaase, IV, II, S. 366, scheintihm beizustimmen. Ich muss den Thatbestand und die um ein Jahrtausendauseinander gehende Divergenz der Ansichten dahingestellt lassen.) 2 DeGuilhermy ebendas., p. 154. Chapuy, moy. äge pitt., 8. 3 Calliat, encyclo-

pedie de Parchitecture, II, pl. 53; III, pl. 24, 36, f., 83, ff., 135, 4 Selmaase,Gesch. d. bild. lv., V, I, S. 97. Viollet-le-Duc, dictionu., I, p. 196: II, p. 512.Chapuy, moy. äge nioii., 51. 5 Organ für christl. Kunst, V, S. 288.