Band 
Zweiter Band.
Seite
19
JPEG-Download
 

Der byzantinische Kunststyl.

19

heilige Helena sich befand, als daS heilige Kreuz aufgefunden wurde; ein elf Stufen tiefer liegenderAltar deutet den Fundort des Kreuzes, der Dornenkrone, der Nägel und des Speereisens selbst an.Die andern beiden Capellen sind die der Kleiderverlosung und die deS LonginuS .

Von diesem östlich daS Gebäude umgebenden Rundzange führen halbrunde, von Säulen unter-brochene Stufen zu dem Altare der großen Calvarienkirche, wo sich die dem griechischen Rituseigene großartige Pracht der Ausstattung entfaltet und von da westlich in den Griechenchor,einen länglichen viereckigen Kirchenraum, zu dessen Ausschmückung die Ornamentik aller Zeiten undStyle beigesteuert hat. (Siehe Platte 69.) Wir finden auch hier als ursprünglichen Baustylden byzantinischen. Die Wände sind durch Säulen und durch mit Bogen verbundene Pfeiler inFelder abgetheilt in denen sich die Bildnisse der Apostel und vieler anderer Heiligen in dem frühestenKunsttypus zeigen. Selbst die Säulen und Säulchen der beiden großen Thronhimmel sind griechischoder byzantinisch, obgleich die obern Dekorationen eine Mischung des neugothischen und italienischenStyleS bieten. Ein Kreis mit vasenförmigem Aufsätze auf dem Fußboden in der Mitte dieses Choresgilt als Mittelpunkt der Erde. Von dieser Griechenkirche führen nach Abend zu drei Portale mitzierlichem Gitterwerk und schweren Vorhängen versehen nach der großen Rotunde des heiligenGrabes, welche auf Platte 70 dargestellt ist. Es ist dies ein großer, 72 Schritte im Durch-messer haltender Cylinderraum, dessen innere Rundung 16 hohe Mqrmorpfeiler umschließen, wo-durch 17 majestätische Bogenhallen gebildet werden, über denen ein breiter GesimSkranz sich befindet, aufwelchem die schön geschwungene Kuppel ruht. Inzwischen der Pfeilerarkaden befinden sich zwei ringsherum laufende Galerien und eine dritte als Fortsetzung der Bogen über dem Simse in der Rundungder Kuppel. Das Gebälk der Kuppel besteht aus Cedernholz vom Berge Libanon , die Kuppel selbstist mit Blei gedeckt; die große Oeffnung in der Mitte derselben wirft ein eigenthümliches Dämmerlichtin den innern fensterlosen Raum, waö im Verein mit dem Lichte zahlreicher Lampen und Kerzen einewahrhaft magische Wirkung hervorbringt. Die innere Wölbung ist in decorirte Felder abgetheilt undenthielt vor der Restauration 1807 in schöner Mosaikarbeit die Abbildungen der zwölf Apostel, derheiligen Helena, des Kaisers Constantin und dreier andrer Personen. Der Styl dieser mächtigenHalle ist der einfach edle byzantinische, die herrschende Ordnung die korinthische und die gekuppeltenSäulen, die den Frieö des Chores tragen, zeigen sehr gute Verhältnisse. Inmitten dieses großenRundbaues, unmittelbar unter der Kuppelöffnung, erhebt sich über dem heiligen Grabe die eigentlicheGrabcapelle und bildet ein nach hinten abgerundetes Viereck von 26 Fuß Länge und 18 FußBreite. Ihre Höhe beträgt 50 Fuß. Sie ist mit röthlich-weißem Marmor bekleidet und hat eineneigenthümlichen, aber zierlichen Kuppelaufsatz, der den durch die obere Oeffnung hereinfallenden Regenauffängt und durch Röhren ableitet. Die reiche decorative Ausstattung dieser freistehenden Capclleist theils in byzantinischem, theils in modernem Style gehalten. Durch die reiche Thür gelangt manzuerst in einen Vorraum, die En gelS capclle, und dann in die Grabeshöhle mit dem Sarkophage,einen nur 6 Fuß langen und breiten und etwa 8 Fuß hohen Raum, den 36 halberhabene Pfeilerzieren. — Der Eintrittshalle im Süden der Grabeskirche gegenüber, nördlich von der Rotunde unddem Griechenchor, befindet sich ebenfalls ein langer Raum, gleichsam ein Seitenschiff mit verschiedenemAnbau, der mehrere Capellen, wie die, wo der Auferstandene der weinenden Maria Magdalena begegnete, die Orgelcapelle, daS Gefängniß des Herrn u. a. enthält und östlich an demRundgange endigt.

3 *