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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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14
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für sich selbst hat, von Gott gegeben, als sein eigen Ding." Dennoch wußte er sie zu benutzen:Sie dienet dazu, sagte er, ordentlich und bestimmt von den Sachen zu reden und sie gründlichzu beweisen. Z. B. der Satz: Niemand wird durchs Gesetz oder gute Werke vor Gott gerecht.Denn Niemand halt es, noch thut sie vollkömmlich. Darum also macht der Glaube gerecht:denn er hangt an der Verheißung Gottes, nach welcher Gott aus lauter Gnade, umsonst undohne unser Verdienst und Würdigkeit, um Jesu Willen uns seine Huld erbeut."

Von nicht minderm Einfluß auf die Bildung Luthers war sein Studium der alten Klassiker.Von Cicero und Virgil lernte er Reden und Gesänge auswendig, und Melanchthon belobt ihnüber diesen Fleiß ganz besonders. Mehr aber als die Philosophie, mehr als Horaz und Virgil,ward ihm die heilige Schrift werth, die er zum erstenmal auf der Bibliothek zu Erfurt fand.Da ich, so schrieb er, 20 Jahr alt war, hatte ich noch keine Bibel gesehen, ich meinte, eswären keine Evangelien und Episteln mehr, denn in den Postillen sind. Endlich fand ich in derLiberei zu Erfurt eine Bibel, die las ich mit größter Verwunderung." '

Seinen Lehrern empfahl er sich durch Fleiß und Talent so gut, daß er 1503 BaccalaureusPhilosophiae, und 1505 , Magister wurde. Er hielt jetzt Vorlesungen über die Physik und Ethikdes Aristoteles . Ueber sein juristisches Studium fehlen uns die Nachrichten ganz; ier scheint esschon früher aufgegeben zu haben, und wir finden ihn noch in diesem Jahre in dem Augustiner«kloster in Erfurt als Bruder Augnstin in der Mönchskutte. Als äußere Veranlassung zu diesemSchritte wird auf Luthers eignes Zeugniß gewöhnlich angeführt: daß der Schreck über die Er«mordung seines Freundes Alexius, und ein Blitz. ^ ihm einen Bauer zerschmetterte,ihn, der von I»»eiw aus surcytsam, IN die Sicherheit der 'klösterlichen Zelle getrieben. Bei ei-nem Gemüth wie Luther dürste wohl noch mehr die innere Veranlassung Rücksicht verdienen.Sein durch Wissenschaft und Kenntniß der Welt aufgeregtes Gemüth verlangte Beruhigung:er hatte sie nicht in der Kirche und in dem ganz zu äußerer Werkthätigkeit herabgesunkenen Got-tesdienste, nicht in der scholastischen Philosophie gefunden; es war in seinem Geiste ein Bruchgeschehen', der nur durch den Geist selbst geheilt werden konnte.

Von dem quälenden Gefühle der Sündhaftigkeit des Menschen verfolgt, suchte er Gerech-tigkeit vor Gott , und wenn irgend einer hierin Luther verstanden hat, so war es wohl Melanch-thon, der in seiner Erzählung aus Luthers Leben die bestimmteste Nachricht darüber ertheilt. MitBetrübniß, ja mit zürnendem Unwillen hörte der Vater, der wenig Gefallen an dem Mönchs-wesen haben mochte, daß sein Martin in das Kloster gegangen; er selbst ging nach Erfurt , umihn, wenn es noch Zeit sey, wieder frei zu machen. Jn harten Worten redete er dem Sohne zu undsagte ihm, da dieser den eingeschlagenen Blitz als Ursache seines Gelübdes nannte:er solle zusehen,daß es nicht teuflischer Betrug gewesen." Luther gedenkt dieser Begegnung noch in einem Briefe anseinen Vater vom Jahre 1522. Luther glaubte in der Einsamkeit der Zelle, in den Büßungendes Mönchslebcns die innere Unruhe zu todten und den Frieden der Seele zu gewinnen; alleinauf so äußere Weise erschien der Geist nicht, der ihn heilen konnte. Die harte Regel des Or-dens legte ihm beschwerlichen Dienst auf; er mußte den unsaubersten Ort des Klosters reinigen,mit dem Bettelsack ausgehen, die Kirche fegen. Zum alleinigen Troste fand er noch im Kloster