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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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17
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Fegefeuer erlöset mit meinen Messen und andern mehr trefflichen Werken und Gebeten." Ju­ lius II - saß damals auf dem Stuhl St. Peters, mit wenig Kümmerniß um die Christenheit, daer sich im offenen Felde mit den italienischen Städten herumschlug. Kam Luther noch mit einerAchtung vor dem Papst nach Rom , so mußte er sie hier nicht nur wegen der Persönlichkeit desPapstes, sondern mehr noch dadurch verlieren, daß er in Italien und in Rom selbst viel frechereund freiere Urtheile über den Papst fand, als er sie \t in Deutschland gehört hatte.

Den Werth der in Rom gemachten Erfahrungen wußte Luther zu schätzen;ich wollte, sagteer, nicht tausend Gulden nehmen, daß ich Rom nicht sollte gesehen haben. Ich mußte mich sonstimmer besorgen, ich thäte dem Papste Gewalt und Unrecht, aber was wir sahen, das redenwir." Er kam nach Wittenberg zurück und stattete seinen Freunden und Vorstehern treuenBericht ab; er war nicht mehr der schüchterne Zellenbrudcr, er redete zuvcrlaßig und dreist.Dieser Mönch, sagte der Rector der Universität, v. Pollich, wird alle Doctoren irre machenund eine neue Lehre aufbringen, und die ganze römische Kirche rcformiren; denn er legt sich aufder Propheten und Apostel Schriften, und steht auf Jesu Christi Wort. Das kann keiner wedermit der Philosophie noch Sophisterei, umstoßen und, widerftchten." Bei dem Ernste, mit demsich Luther dem Studium der heiligen Schrift widmete,, nahm sein Freund Staupitz keinen An-stand, den Kurfürsten Friedrich zu bitten, den Magister zum Doctor der Theologie ernennen zulassen. Der-Kurfürss roar sehr bereit, die Kosten zu tragen, aber Luther äußerte bescheiden undbedenklich gegen Staupitz: daß er sich zu schwach zu solchem Beruft fühle; worauf ihm aber Staupitz erwiederte wie schon früher:Unser Herr Gott wird bald im Himmel wie auf Erden viel zu schaffenbekommen, darum wird er viele junge arbeitsame Doetorm haben muffen, durch, welche er seinenHandel ausrichten wird *)." So ward Luther Doetor der Theologie und schwur auf die heiligeSchrift den Schwur: daß er sein ganzes Leben hindurch mit anhaltendem Fleiße die Lehre derBibel erforschen und predigen, und'selbige durch Disputationen und Schriften wider alle Ketzernach Vermögen vertheidigen wolle, so wahr ihm Gott helfen möge'. In dem Gefühl derun-widerruflichen Verbindlichkeit, die er mit diesem Eide als Lehrer der heilige» Schrift übernom-men, trat jetzt Luther mit höherem Muthe und entschlossener Sicherheit, als vorher, sowohl

auf der Kanzel als auf dem Katheder aus.Ich hab's oft gesagt und sag' es noch, ich wollt'nicht der Welt Gut nehmen für mein Doctoramt, indem ich müßte wahrlich zuletzt verzagen inder großen, schweren Sache, so auf mir liegt, wo ich sie als ein Schleicher hatt' ohne Berufund Befehl angefangen. Aber nun muß Gott und alle Welt mir zeugen, daß ich's in meinemDoctorat und Prcdigtamt öffentlich hab' angefangen und geführt in Gottes Gnaden."

*) Die Kos,«« 6er Doctorpromotion betrugen für Luther , der schon Magister war, nicht mehr al« 18Gülden.Also muß«« Luther »« stch's gefallen lassen, nach Leipzig reisen, das Geld zu der Pro,motion von dem kurfürstlichen Rentmeister abholen, dabei ihm aber unterschiedene Disßcultaten ge»macht wurden." (Bürgern hiswr. Nachr. von Lutheri Mvnchstand © *45*) Luther hatte den er,sie» Grad als Biblicus schon »5<>9 »halten. In der UuiversiccktS. Matrikel hat Staupitz dabei ge.schrieben:Sed (I.mherus) vocatus Erfordiani adhuc non satisfecit facultati. Luther hat dann die

Bemerkung hinzugefügt:nee faciet, <*uia tuus pauper et sui) obedieutia luhil babuit. Solvat erffoEifordia.

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