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der nicht so große Macht hatte, twt die widerspenstigen Vasallen des Reichs zu bändigen undnach außen die Grenze zu gleicher Zeit gegen die Türken, die Franzosen und den Papst zu ver-theidigen. Er empfahl dagegen Karl V. so dringlich, daß die Stimmen für ihn entschieden; zu-gleich aber wurde eine Wahlcapitulation ihm zur Unterschrift ■ vorgelegt. Allgemein rühmte mandie Uneigcnnützigkeit und Bescheidenheit des Kurfürsten, und Erasmus erzählt von ihm, daß ermit mehr als heroischer Seelengröße die Krone des Reichs verachtet habe. „ Wie vortrefflichmuß ein Fürst seyn, sagt Erasmus, der mit einer mehr als heroischen Großmuth die HerrschaftGermaniens verachten kann, die ihm angeboten wird; dessen Treue und Rechtschaffenheit durchkein Geschenk bewegt werden kann, demjenigen nicht die Krone aufzusetzen, den er, sie zu tragen,für würdig erkennt, den er für stark genug unter allen teutschen Fürsten achtete, diese Last zutragen; der so mächtige Summen, die wir ihm anboten, auszuschlagen vermögend war! der miteiner bewundernswürdigen Weisheit und ausnehmender Klugheit sein Reich erweitert und ver-größert, ohne seinen Nachbarn Unrecht zu thun, und dadurch noch den öffentlichen Wohlstandverbessert: der die Sache des Christenthums durch eine hohe Schule so geschwind und mächtigin Aufnahme bringt, daß er sie in einer kalten und dürftigen Sprache zu der blühendsten macht,die in jeder Art der Studien und Künste gefunden werden kann; der so viel Mäßigkeit in derVertheidigung der guten Sache erwies, daß er denen, die die alte Lehre vertraten, nicht das,was sie von ihm forderten, einräumte, und alle begünstigte. Ja, alle Gelehrten wurden un-dankbar seyn, wenn sie den Namen ihres Helden nicht in unsterblichen Denkmälern verewigten."
Ohne das Ende der Unruhen, die er entstehen sah, r» erleben, starb Friedrich <5. Mai
1525 ) auf dem Schlosse £<>**>.. --- p" Schloßkirche von Wittenberg bkigesttzt. Es
geschah dieses-sowohl als die Aufstellung des Denkmals, welches wir im Bilde mittheilen, nachdem in dem Testamente vym Jahre 1517 ausgesprochenen Willen des Kurfürsten.
Testamente sind in mancher Hinsicht noch von Bedeutung für den Charakter Friedrichs, undbesonders geben sie ein schönes Zeugniß von dem wohlwollenden Gemüthe des Fürsten , der seinenächsten Diener darin aufs beste bedachte und über seinen Haus- und Kassenstand genauen Be-scheid wußte. Manche Schuldner sprach er darin frei, und wollte nichts erworben haben, wasihm unrechtes Gut schien: „Ein Bürger zu Erfurt , Dhenstctt genannt, welcher die Münze ge-fälscht, ist durch dy von Erfurt umb 4ooo fl. gestraft worden, dasselbe Geld ist mir worden;nun haben des Dhcnsictts Freunde vielmals Ansnchung gethan, als solt ihrem Freund unrechtgeschehen seyn, des soll sich mein Bruder erfragen, wo ihm dann Unrecht geschehen, soll seinenFreunden das Geld wieder werden." —
Hier, wo in treuer Nachbildung *) des edlen Fürsten Bildm'ß vor uns liegt, aus welchemsprechender, als aus den Schriftzügen, mit denen wir ihn zu beschreiben versuchten, die hoheGestalt, der wohlwollende Blick, der milde Mund und die denkende Stirn uns entgegentreten,überzeugen wir uns gern, daß derjenige Künstler das Bild am treucsten und lebhaftesten auffas-sen und darstellen wird, der den Lebenden Aug' in Auge schauen konnte. Ist es nun freilich mit
*) S. Tafel C. tn den Abbildungen.