47
dcm Bilde, welches der Geschichtschreiber zu entwerfen hat, ein anderes, und ist diesem im Ge-gentheile die Aufgabe gemacht, das Bild seines Helden frei von allem, was die nächste Zeit, inder er lebte, Störendes und Entstellendes hinzufügte, darzustellen, so halt sich dennoch auch derGeschichtschreiber bei dem, was Privatleben, Charakter und überhaupt das betrifft, was man diehistorische Portraitmalerei nennen könnte, gern an Zeugnisse der Mitlebenden, die allerdings dasmit dcm Portrait gemein haben, daß, wenn sie von zuverlässiger und würdiger Hand geschriebensind, uns mit gleich lebhaften Farben, wie der Maler, das Bild des Abgeschiedenen vergegen-wärtigen. Haben wir nun auch schon in der Erzählung von den Thaten unsres Kurfürsten dasBild von ihm gegeben, welches die Geschichte zu geben hat, so sind gewiß hier, wo wir mit demBeitrag der Geschichte uns der bildlichen Darstellung anschließen, einige Zeugnisse der Mitleben-den nicht unwillkommen.
Lang vertrauten Umgang mit Friedrich pflog sein Geheimschreibek Spalatin , und so mag dieReihe der Zeugnisse durch ihn eröffnet werden. Er theilt uns etwas in dieser Hinsicht sehrSchätzbares mit, nämlich die Sprüchwörter des Kurfürsten. In jener Zeit, wo sich eine allge-meingültige Sitte und praktische Klugheit noch nicht so ausgebildet hatte, wie in unsern Tagen,waren Sprüchwörter weit mehr üblich, als jetzt; sie hatten den Sinn, die einzelne Handlung aufeine allgemeine Regel, auf Grundsätze zurückzuführen, und es hielt sich daran der Charakter fest,der sich von dem, was er was ihm begegnete, was er an Andern zu tadeln und zu lobenfand, Rechenschaft zu geben wußte. Solche Sprüchwörter konnten nun selbst wieder zur Ge-wohnheit werden, und so mag man sie immerhin für ein bequemes Alltagskleid ansehen, auch indiesem soll uns unser Kurfürst willkommen sein, wo er uns begegnet. Folgende Sprüchwörterdes Kurfürsten hat Spalatin aufgezeichnet;
1) Was man nicht haben mag, das soll man sich gütlich verzeihen.
2 ) Wenn man urtheilen will, soll man den Grund der Sachen von Anfang wissen.
3) Man soll nicht leichtlich ja sprechen, was man aber zusagt, das soll man halten.
4) Man soll nicht alles glauben, wie es gesagt wird.
s) Es lügt auf Erden nichts mehr, denn der Mensch.
6) Ich glaube dem Schuster um die Schuhe, dem Schneider um die Hosen und dem Schmidtum das Eisen.
7) Ein jegliches Werk lobt seinen Meister.
8) Das sind die größten Narren, die sich selbst dünken weise zu sein.
s) Die Jungen halten sich selbst viel klüger als die Alten.
10 ) Untreue trifft gemeiniglich ihren eigenen Herrn.
41) Fromm sein gereut Niemand.
*2) Ehrlich währt am längsten.
13) Es ist nicht alles Gold, was gleist.
14) Es ist nicht alles gut, was man lobt.
lo) Es ist von mancher Sache leichtlich zu kedett, aber schwerlich zu thun. •