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ansehnlichen Vermächtnisse seiner Gemahlin Kunigunde, im Jahre 13Ü3, eine Kapelle neben demSchlosse, zu Ehren der Jungfrau Maria und aller Heiligen gründete *) und weihete, worin be-sonders die Gedächtnißtage seiner Gemahlinnen Jutta, Kunigunde und Agnes begangen werdensollten, also mehr ein Privatbethaus, als eine öffentliche Kirche. Erweitert wurde sie 1361 vonRudolph Is. **) und wahrscheinlich zur Kathedralkirche erhoben ***).
Kurfürst Friedrich der III., mit dem Beinamen des Weisen, bauete nach seiner Reise, 1493,zum heiligen Grabe, zur Befriedigung seiner Andacht die Schloßkirche, wie sie noch gegenwärtigstehet, und vollendete das kostbare f) Werk im Jahre 1499. Das ganze feste Mauerwcrk, dasdem zerstörenden Brande des vorigen und gegenwärtigen Jahrhunderts wunderbar trotzte, beste-het aus großen Werkstücken, wird von keinem Pfeiler getragen und betragt nach Faber S. i4.in der Länge 14 Rheinl. Ruthen 4 Sch. 8 Zoll, in der Breite 3 R. 4 S. 8 Z., in der innerenHöhe 4 R. 4 S. 2 Z. Der westliche Anhang wird gewöhnlich für die alte Kapelle gehaltenohne hinreichenden Grund; vielmehr wurde diese gänzlich eingerisscn ff). Die Zahl der hohenFenster war iz, und jedes hatte zwei bis drei Abstufungen. Der Fußboden war von buntemRochlitzcr Marmor. Die Emporkirchen und Chöre alle aus Werkstücken künstlich gehauen. Ueberdem Haupteingange auf der Mittcrnachtsseite standen zwei männliche ttt) Bilder, das eine mitBart und Bischofsmütze nebst Stab, das andere mit Krone und Scepter oder Schwerdt. DieMönchsschrift darüber war außer der jetzt ganz verwischten Jahreszahl 1499 , schon vor hundertJahren nicht mehr lesbar. Ueber den beiden Männern waren zwei Frauen mit betend aufgeho-benen Händen. Die steinernen Dogen aller Fenster, so wie des Einganges mit den gewundenenEaulchcn, haben sich unversehrt erhalten; und dies ist die Thür, wo Luther seine 95 Theses
*) Die „Gründnng" beziehet sich nehmlich mehr auf die Vermächtnisse und reichlichen Einkünfte, dieer bestimmte, höchsten» auch eine bauliche Erweiterung und Verschönerung. Den» i» einer andernWrlunbe bei Meisner, S. 6 vvm io. April ,zo6, wird von Rudolph I. seine HofcapeUe (capella curiaenostrae) schon ausdrücklich als stehend erwähnt, und man ist daher berechtigt, die Zeit der erste»Gründung über dieses Jahr hinauf zu rücke», etwa bi» ,300, denn 1298 kam Rudolph zur Regierung.Dergl. Clvjsv. CUrou. sax. L. II. P- 62 1k.
**) Man vergleiche die Urkunde bei Meisner S. 20 ff., Faber S. 7 s. n. LcburrLeiseli in app. ad -vit. AJ-beni IIl. 0 pp. Wst. p. 693- kann nebst Anderen, welche Rudolph II. die Erbauung zuschreiben, nurdiese neue Gestaltung meinen.
***) Ueber die Benennung Carhedral-oder Lvllegialkirche hat man ehedem viel gestritten: vergl. Werns-dorf» Abhandl. darüber in der Vorrede zu Faber und Äirchm eyer p. ?4 ff-k) Die Kosten des Baue» und der Stiftung beliefen sich auf 200,000 Gulden, wie Seckendorf aus Spa,laiins Bericht in der Geschichte des kulherthums S. 536. erzählt. Der deutsche Uebersetzer bemerkt:die Privilegien, welche die Päpste ihr ertheilten, stehen urkundlich bei Meisner S. 17 ff. und FaberS. 42 ff.
kk) Faber S. 15. „Ich habe A. 1725, da des v. Chladenii Grab verfertige« wurde, nebst andern glaub-würdigen Personen, mitten i» der jetzigen Kirche ein großes Stück alter Grundmauer gesehen, wel>ches unstreitig Rudera der ehemals dagestandenen, aber hernach abgetragenen altenKapeile gewesen."3hre Stelle habe» nach dem siebenjährige» Kriege zwei Vasen eingenommen.