Schriftzüge, die nue flüchtig mit dem Pinsel geschrieben sind, zu lesen; doch glaube ich bieWorte: „mit meinem amtlichen Wissen" und den Namen „Cronacherus mpr“ darauf gefundenzu haben. Sonderbar war' es freilich, daß Cranach diesen Platz für seinen Namen gewählt hatte,da es gerade der falsche Zeuge ist, der diesen Brief vor Gericht bringt. — Ueberall, wo aufdem Bilde eine Unbill vorkömmt, hat Cranach einen Kriegesmann als Uebelthater vorgestellt;denn die Kriegesleute hatten zu der Zeit schon jenen argen Ruf, den ihnen der Kapuziner inWallensteins Lager vorhält. So sehen wir vor Gericht, dem ehrlichen, schlichten Bukgersmannegegenüber, dem ein guter Engel zur Seite steht, einen gerüsteten Kricgsmann als falschen eugen auftreten, von einem bärtigen mit schuppigen Panzerhemde bedeckten Teufel begleitet. er-zweifelt ringt im Hintergründe der Angeklagte die Hände, da er seine Unschuld durch den gewis-senlosen Ankläger oder falschen Zeugen verletzt steht. .
{ Die andern Tafeln erklären sich eben so leicht durch die darunter stehenden Gebote, die msofern hier einen historischen Werth haben, als sie wohl nicht von Luther abgefaßt, wenigstenabweichend von der Uebcrsetzung sind, die er später davon in der Bibel und dem kleinen Ka e-chismus gab: dies sind sie:
1 ) Du soll kein frembden gott anketten.
2 ) Du solt gots nameii nit unnütz in dein stlUstt steinen.
3 ) Du solt den seihrtag hailigest.
4 ) Du solt vatter und mutter eren.
5) Du solt niemant döttest.
6) Du solt nit stehlen«
7) Du solt nit unkeusch seist.
8 ) Du solt kein falsch gezeugnttss gehen.
9) Du solt kains änderst gemahel begeren«
10) Du solt kains änderst gutt begeren. , m ,
Nach dieser Folge sind die Bilder geordnet. Auf dem ersten empfangt Moses die Gesetz-tafeln von Jehova auf Sinai, während unten zwei Abtrünnige, eurem unbekleideten, wiescheint, griechischen Eotte, der auf einer Säule stehet, kuieend ihre Ehrfurcht bezeugen. Moses ist, wie auf andern alten Bildern, mit Hörnern, dem Zeichen der Stärke und Gewalt abgebildetNur auf dieser Tafel ist der Teufet nicht mit im Spiel; auf allen andern sitzt er gewöhnlichUebelthäter im Nacken. So sehen wir sogleich auf der zweiten Tafel einen Kriegsmann ,, enNamen Gottes unnütz in den Mund nehmen," wozu ihm eine häßliche, zottige Fratze als Ohbläser brigegeben ist. Wie hoch und theuer er aber auch seinen Antrag dem ehrlichen Manne,mit dem er sich eben zu schaffen macht, zuschwört, so wird er doch von diesem, den e,n gu erEngel begleitet, gleichgültig abgewiesen. Derselbe Engel mit bunten Flügel«, und goldstoffenemChvrgewande folgt auf der dritten Tafel einem frommen Ehepaare zur Kirche, dagegen hat sichder Teufel wiederum bei dem Bauersmann eingefunden, der „den Feiertag zu heiligen" v^sanmund am Sonntage pflügt. Die vierte Tafel ist besonders zur Warnung der Jugend aufgeste .ein älterer Sohn verspottet Vater und Mutter mit gemeiner Gebehrde, indeß der jungere na