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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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Frau Cranachs soll ungehalten gewesen sein, daß ihr scherzhafter Ehchcrr sie in diesem Bildesehr kenntlich, aber nur von hinten gesehen, ziemlich breit vornan stellte.

Die Abso lution

[Tab. 13.]

ist auf dem linken Flügelbilde vorgestellt. I). Bugenhagcn verwaltet hier, im offenen Beichtstuhlsitzend, das Amt der Schlüssel; dem kniecnden Rathsherrn, der demüthig sich als sündhafterMensch bekannt hat, löset er die Schuld, nicht durch Ablaß oder frommes Gelübde guter Werke,sondern durch den Glauben an die göttliche Gnade des Erlösers; den Kricgsmann aber, dernicht Buße thun will, stößt er von sich, und seine gebundenen Hände deuten darauf, daß er sei-ner Schuld nicht ledig geworden. Das Gesicht Bugenhagens ist trefflich gemalt und vergegen-wärtigt uns einen tüchtigen Reformator, der den Freimut!) und die Geradheit seines Vaterlan-des Pommern niemals verleugnet, und am wenigsten in diesem Bilde. Nichts Pfäffliches, nichtsMönchisches ist in diesen offenen Augen, in diesen festen, furchtlosen Zügen zu lesen, zugleich aber

ist die Würd? und die Uedrrzeugung des ayogvliseyen Berufs duriu unverkennbar ausgedrückt.

Das Abettdmahl

£ Tab. 13.]

ist das mittlere Hauptbild. Wir rufen zuvörderst die Erzählung des Evangelisten Johannes (t.3,21 30), an welche sich der Künstler sebr acnan gehalten, ins Gedächtniß. ,- Da Jesus solchesgesagt hatte, ward er betrübt im Geist rc. bis v. 30. und es war Nacht. Dem Künstler, demhier ein beschrankter Raum zur Darstellung einer so zahlreichen Versammlung gegeben war, hatdenselben sehr geschickt zu benutzen verstanden, und wir können in mancher Hinsicht die Anord-nung der Gruppen im Kreis um eine runde Tafel wohl den Vorzug vor der Gruppirung aneine nur auf einer Seite besetzten, und deßhalb sich sehr lang ausdehnenden Tafel geben, wie sievor und von Leonardo da Vinci in Italien gemalt wurde. Ob übrigens aus der Einsetzung desAbendmahls gerade die Scene, worin Christus die für die Bedeutung dieser Feier gleichgültigeMittheilung macht:Einer unter Euch, wird mich verrathen" so gewöhnlich sie auch von Ita-lienern und Deutschen gewählt worden ist, die glücklichste und angemessenste sein dürfte, möchtenwir in Zweifel ziehen; weit eher würden wir derjenigen, in welcher Christus mit dem Kelch inder Hand die Worte spricht:Das ist mein Blut des neuen Bundes, welches für Euch vergos-sen wird" der Darstellung würdiger achten. Unser Cranach hat den etwas störenden Momentgewählt, wo Christus dem Verrather Judas den eingetauchten Bissen in den Mund steckt, wobeidie Finger die Lippen zu nah berühren. Mit desto größerer Freude verweilt man bei dem Jün-ger, der dem Herrn an der Brust liegt, und von ihm beruhigend umfaßt wird. Obwohl dieseGruppe nicht in die Mitte des Bildes, gestellt ist, so zieht sie doch unsere Aufmerksamkeit sogleichauf sich, besonders ist der Ausdruck in dem Gesicht des Erlösers schön gehalten, und ihm dieinnige Wehmut!) gegeben, die ihn bei dem Gedanken, daß Einer von seinen Jüngern an ihm zum