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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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Drrrärhex werden wird, ergreifen mußte. Nur Petrus , und die zunächst sitzenden Jünger neh-men Antheil an den Worten des Meisters, die Entfernteren scheinen hierbei gleichgültiger, so wiees in dem Evangelisten selbst heißt, daßüber Tische niemand wußte, wozu er zu Judas sagte rwas du thust, das thue bald," und einige meinten: dieweil Judas den Beutel hatte, Jesus sprä-che zu ihm r kaufe, was uns noth ist auf das Fest, oder daß er den Armen etwas gäbe."Cranach läßt einen Mundschenken, (angeblich das Bildniß seines Sohnes) an der Tafel er-scheinen, mit welchem sich einer der Jünger (wie es scheint, Cranach selbst) über die Güte desWeines unterhält. Die Jünger insgesammt sollen Portraits sein, befreundete Rathsherren desMalers, -er zugleich Bürgermeister war; einem aber, dem er feindlich gesinnt gewesen, soll erals Judas ein übles Andenken gestiftet haben. Cranach hat sich hier als geschickten un-verständigen Coioristrn gezeigt, so daß sein Bild ohne eine eigentlich günstige Beleuchtung, dieimmer in den Kirchen fehlt, von jedem Standpunkte aus gut gesehen werden kann, und auf denBeschauer einen gefälligen Eindruck macht. Dies hat er dadurch erreicht, daß er seinem Bildeeine volle Beleuchtung von oben und von vorn gab; ohne den hier störenden Aufwand von großenLicht- und Schattenmassen hat er die Rundungen durch Mittcltinten hervorgebracht, so daß sich dieeinzelnen Personen der dicht beisammensitzendcn Gesellschaft gut absondern und unterscheiden.Die alten Italiener, und noch mehr die alten Niederdeutschen geben ihren Bildern immer dievolle Beleuchtung, und erst in der Zeit, wo dir hohe Kunst anfing Ende zu gehen, wo derKünstler sich selbst mehr, als sein Werk zeigen wollte, fing man an, sogenannte Effektstücke zumalen, wo nur die Halste des Körpers, oft nur ein einziger Punkt beleuchtet wurde, oder, w»man das Licht wie einen durchstreifenden Blitzstrahl aufsetzte. Es war vornamlich die spatereSchule der Caracci , Caravaggio's und ihrer Zeitgenossen, die mit solche,, Licht - und Schattenmas-sen freigebig wurden. Ein zweites Mittel, wodurch Cranach seinem Bilde die nöthige Hei-lung giebt, ist die Wahl und Zusammenstellung der Farben, zumal in den Gewändern, wo ernicht nur zwischen die lebhafteren Farben die trüberen stellt, sondern auch die dem Farbensinnedes Auges entsprechenden zu treffen gewußt hat. So hat Christus ein rothblaues Gewand, Jo-hannes, der an seiner Brust ruht, ein rothes, Petrus dauebxn ein grünes, auf der andern Seiteaber ist dem Judas ein gelbrothes Gewand gegeben, wodurch, so wie durch das brennend rotheHaar, überdcm noch der heimliche Derrather duckh eine ihn gleichsam anklagende, schreiendeFarbe bezeichnet werden sollte. Ob die grüne, und zumal blaue Farbe sich in ihrem ursprüng-lichen Zustande überall erhalten hat, laßt sich nicht mit Gewißheit nachweisen. Der Falten-wurf der Gewänder ist in einer freien Weise behandelt, nicht mehr in der alteren, nach gekniffe-nem Papier ängstlich und kleinlich gelegter Manier, die Falten unterbrechen sich in größerenMassen, wodurch eine Vertheilung der Farben nach ihren Uebergange» möglich wird, auch ver-unstalten oder verbergen sie den Gliedcrbau nicht, und man ficht deutlich, daß der Künstler feineGestalten, bevor er sie bekleidete, anatomisch aufzeichnete. Ohne vollendeter Meister in der ana-tomischen Zeichnung zu sein, hat Cranach in diesem Bilde doch jede auffallende Unrichtigkeit ver-mieden, und selbst der linke Fuß des Mundschenken, dessen Stellung schwerlich zu rechtfertigenist, hat etwas Zierliches, wodurch die Unrichtigkeit weniger bemerkbar wird. Allein auch bei die-

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