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D a s A l t a r b i l d
ijt in vier Bilder getheilt, die früher naher zusammen gerückt ein Flägclbild ausmachten, wo-durch auf die einfachste Weift für gute Erhaltung gesorgt war. Bei einer Erneuerung der Kir-che im Innern hat man die Seitendilder von dem Hauptbilde entfernt und fest in dem Altar ein-gerahmt, wodurch nicht nur der Vortheil des Verschließens sondern auch die äußern Dcckelbilder— angeblich eine Aufrichtung der Schlange in der Wüste und die Opferung Isaaks verlohrengegangen sind. (Mentzins II. S. 9). — Lucas Cranach , der Vater, von dessen Arbeiten diesesBild eine der gelungensten sein dürfte, wollte darin einer evangelischen Stadtgemeinde eine Dar-stellung der vornehmsten heiligen Handlungen der protestantischen Kirche und zugleich ein Anden-ken an die verchrtestcn Lehrer des Worts und die würdigsten Männer der Stadt geben. — Sotheilte er sein Bild in die Taufe und die Buße (Absolution) als Seitendilder, das Ab end-mal als Mittelbild, und die Predigt als unterliegendes Ouerbild. Nur die von Christusselbst eingesetzten Handlungen, bei deren würdiger Feier dem Menschen durch äußere Zeichen undsinnliche Mittel göttliche Gnade zu theil werde, erklärte Luther für Sakramente und schloß hier-durch die Firmelung, die Ehe, die Prifterwcihe und die letzte Oelung von dieser Bedeutung aus,ohne sie deshalb aus der Kirche zu verweisen, denn die Firmelung wurde in der Confirmativader Katechumcnen, die Priesterweihe in der Ordinirung der Prediger, die letzte Oelung in demauf dem Kranken- oder Sterbebette gereichten Abendmahl erhalten und die christliche Ehe warnur durch den Segen der Kirche gültig. Der Maler hat sich getreu zu Luthers Lehre von denSakramenten gehalten,
Die Taufe
[Tub. 14.]
erinnert die Gemeinde an die erste Weihe, die das Kind empfangt, und wodurch es in die Kircheaufgenommen wird. Um den auf erhöheter Stelle stehenden Taufstein stehen die 3 Taufzeugcn.Mclanchthon verrichtet die heilige Handlung. In ziemlich schwieriger Lage halt er das ganzentblößte Kind, das schon von Handen und Füßen in dieser schwebenden Haltung Gebrauch zumachen sucht, auf der flachen Linken; der bärtige Küster steht zur Seite mit offner Agende. Un-terhalb des Taufsicius sieht man eine zahlreiche Versammlung von Frauen, die sich jedoch mehraus Neugier und Gevatterschaft, als aus Anbäckst eingefunden zu haben scheinen, da sie mehren«theils die hübschen Gesichter aus dem Bilde heraus nach dem Beschauer wenden, und Hie eigene
vermuthe«, daß der Maler Christi Worte bei Match. XXnr, 13. im Sinne gehabe haben möge. — Um«er diesem Bilde stehen auch dieselben Reime, wie unter dem Wittenberger Bilde, nur mit geringenAbweichungen. — Eine merkwürdige Nachbildung dieser Weinberges findet fich in der Sammlung desHerrn Jacoby. Luther und die andern Reformatoren bauen hier ebenfalls den Weinberg des Herrn.In der Thür aber steht Kaiser Joseph II. und Papst Pius VI -, denen ein Jüngling ein offenes Evan«gelium überreicht; dabei folgende Unter,'chnjst: „Denkmal unser» großen Kaisers Joseph« H. über dieToleranz, gewidmet von I. A. F. Weiz von Menze. Nassau »Diez an der Lahn ." —
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