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stehenden Säule umsitzen vier kleinere Löwengestalten auf ähnliche Art in gleicher Richtung, aufderen Schildern man wiederum andere Wappen, und unter diesen auch das Stadtwappen sieht.Zwischen den vier Eckpfeilern giebt es nun oben an der Schwelle der achtscitigen Einfassung,wie zu erwarten ist, noch vier andere Ecken. Von diesen herab krümnren sich vier Arme, welchedas Becken ebenfalls tragen helfen, nach der mittlern Säule hin, und stützen sich auf ein inder Mitte derselben angebrachtes Gesimse, unter welchem wiederum vier ähnliche Arme oder Bo-gen, den vier Eckpfeilern gegenüber, nach diesen sich hmschwingcn, um sie zu stützen und mit dermittleren Säule in Verbindung zu setzen, wodurch die Achtseitigkeit, die das Werk von oben herhat, nach unten hin in Vierseitigkeit übergeht. Innerhalb des Gestelles sieht man auf dem ge-dachten Gesimse der mittlern Säule, und sonst hin und wieder kleinere Thicrgestaltcn von wilderArt, als sollten sie in ihrer höhern Stellung Wache halten, oder auf den Nochfall den vier schüz-zendcn Grcnzlöwen zur Hand seyn. Jeder der vier Eckpfeiler zeigt in seiner Mitte ein ganz her-aussichcndes, über einen Fuß hohes, Mannsbild in talarischcr Tracht, ganz von der Art undGröße der bereits erwähnten acht Bildnisse, welche oben auf der Außenseite des Beckens um
dasselbe herumstchn» und dort auch absescbraubt »«erden können. Man ficht also hier in allen
zwölf solcher Gestalten, und hält sie für die zwölf Apostel, und sie sind als solche durch ihre At-tribute, Petrus durch den Schlüssel, Johannes durch den Kelch u. s. w. bezeichnet. Einer die-ser Apostel ist in der Zeit, als die Kirche französisches Lazarcth war, entwendet worden. — Daseigentliche Taufbecken ist achteckig von gehämmerter Arbeit, die man getriebene nennt; folgendeUmschrift auf dem 3 Zoll breiten Rande ist schwach gravirt, die Buchstaben sind wie Mönchs-
schriftcn des 15tcn Jahrhundert^-. „D» ra»n zalt u»n Christi gepurt i4oo, und dar nach im
57. Jar an Sant Michaelis Tag, do ward diß Werk vollbracht vom Meister Herrmann Uischerzu ninbeg."
Wenn dieser Taufstein sich kcincswegcs an sinnreicher Erfindung und zierlicher Ausführung(am wenigsten jener schönen großartigen Darstellung der Apostel) dem Scbaldusgrab in der Kir-che dieses Heiligen in Nürnberg aus der Werkstatt Peter Vischers vergleichen darf, so wird mandoch mit Freuden gewahr, wie der Sohn die Muster des Vaters benutzt hat, um das, was erin Italien Besseres lernte und erfuhr, in der väterlichen Werkstatt im höheren Stil auszuführen.
Die Thicrchen und die Figürchen sind gegossen. Einzeln gegossen sind die Stücke, theilsgelötet, theils zusammengenagelt und geschraubt. Der Rücken dieser Figürchen ist an die Wandoder an eine Flache gelehnt. Die Figürchen sind halbirt, und der Kern war nicht umflossen vonMetall und konnte aufliegen, wodurch eine Rüstung von Eiftr.stäben zur Aufrechthaltung dessel-ben erspart wurde. Diese Erleichterung ist in jener Werkstatt lange benutzt worden, welchesauch bei den Grabmalen, wo der Verstorbene liegend abgebildet ist, gut anwendbar war. ImDome zu Berlin konnten die beiden Kurfürsten Johann und Joachim I. , wovon der Eine ganzflach, der Andere oben drüber liegend, hoch gearbeitet ist, auf diese Weise gegossen werden. Einebeinahe gleiche Erleichterung wird man gewahr, wenn man die 4 Sclaven am Fußgestclle desgroßen Kurfürsten in Berlin besieht, wo ein Theil des Rückens noch offen ist.
Um den Kern zu ersparen, goß man kleine Figürchen ganz voll, oder doch die dünnern Theile