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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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Ruhige Jahre, obwohl in den Zeiten große Bewegung der Gemüther, hatte Eranach unterFriedrich dem Weisen und Johann dem Beständigen verlebt; nicht so ruhig blich es unter Jo­ hann Friedrich , allein Cranach hielt auch in den bösen Tagen treu bei seinen Fürsten aus.Das Kriegsglück hatte Kaiser Carl V. vor die Thore von Wittenberg geführt, das Heer desSchmalkaldischen Bundes war geschlagen, der Kurfürst gefangen worden. Der Kaiser ließ den75jahr,'gen Cranach zu sich in das Lager rufen, erinnerte ihn daran, daß er ihn einst in Mechclngemalt, habe, und als Cranach ihn um die Freilassung seines Herrn bat, sagte ihm Carl:Dusollst erfahren, daß ich deinem gefangenen Herrn will Gnade erzeigen." Der Kaiser ließ einenTeller mit Dukaten für Cranach . bringen, und lud ihn ein, mit ihm nach den Niederlanden zuziehen.

Cranach nahm von dem Teller nur so viel Gold, als er mit zwei Fingerspitzen fassen konnte,und bat sich die Gnade aus: seinem Herrn in die Gefangenschaft folgen zu dürfen. Dies wurdeihm gewährt. Er reiste über Augsburg nach Jnspruck, wo Joh. Friedrich gefangen gehalten wur-de, und war ihm hier zur großen Aufheiterung, denn der Kurfürst ließ sich von ihm zum Zeitver-treib allerhand Contrafacturcn und Bildwerk malen *).

Drei Jahr lang theilte Cranach die Gefangenschaft seines arurfürsten, und erlebte die 'Freude,mit dem Befreiten wieder heim in das Vaterland zu ziehen. In Weimar , wohin er mit demKurfürsten zog, lebte er in dem Kreise seiner Familie, und starb, 81 Jahr alt, d. 16. Oct. 1553, inden Armen seiner Tochter Barbara, die an den berühmten und unglücklichen sächsischen KanzlerD. Christian Brück (Pontanus) vermahlt war.

Cranach wurde auf dem Kirchhofe zu St. Jakob in Weimar beerdiget, und die Söhne derKurfürsten Johann Friedrich ließen ihn, einen Grabstein legen, worauf er lebensgroß abge-bildet ist, mit folgender Umschrift: Anno Christi 1*5.5.3. Oetob. 16. Pie. Obiit Lucas. Cra­ nach . L. Pictor. Celeberrimus. Et Consul. Witeberg. Qui. Ob. Virtutem Trib. Saxionic.Electorib. Duc. Fuit. Carissimus. Aetatis. Sue. 81 .

Lu c as Cranach, der Jüngere.

Nicht unerwähnt dürfen wir das Leben dieses Meisters lassen, dem Wittenberg ebenfallsmehrere Andenken verdankt, die wir in unsrer Sammlung aufgenommen haben.

Lucas Cxanach der Jüngere, war der Sohn des berühmten Meisters dieses Namens, «»&wurde zu Wittenberg d. 4. Oct. 1515 geboren. Erreichte er auch den Vater nicht ganz im Co-lorit und in dem glücklichen Auffassen und treuen Wiedergeben der Natur, besonders bei Por-traits, so sind doch seine Compositione» oft in einem freieren Stile, und in der Zeichnung des"Nackten und der Perspektive dürfte er vielleicht sogar seinen Vater übertreffen. Ueberhaupkscheint er nicht so fleißig als sein Vater gemalt zu haben, wenn wir nicht annehmen müssen, daß

Hortteder von dem deutschen Kriege. Nürnberg 1645. Ds. i- S. 456. .

J 3 m Jahre i 7 e 7 ist dieser Grabstein in die Kirchenmauer eingemauert worden. Eine Abbildung fin-det man in der Zeitschrift: die Vorzeit ,3,7. Bd. 1, St» 3. **